Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Kleinstadtkind geht in die Großstadt. Oder: „And therefore as a free man, I take pride in the words: »Ich bin ein Berliner«.“

Heute mal was ganz Neues von meiner Seite. Quasi ein ganz persönlicher Eintrag, über meine aktuelle Situation und meine Erlebnisse.

Ich studiere, wie auch in meiner Beschreibung zu lesen, Integrierte Sozialwissenschaften, also in Teilen Soziologie, wobei mein persönlicher Interessenschwerpunkt auf Jugendszenen und Subkulturen liegt. Also der Erforschung von Gruppen wie Punks, Gothics oder Metalheads. Subkulturenforschung ist im deutschsprachigen Raum ein bisher eher vernachlässigtes Feld, zumal es aus verschiedensten wissenschaftlichen Perspektiven betrachtet werden kann. Im englischen Raum ist das ganz anders. Aus diesem Grund sind deutschsprachige Fachbücher zu dieser Thematik rar gesäht und zumindest für den Bereich Heavy Metall besitze ich die meisten einschlägigen Werke. Viele davon wurden vom Archiv der Jugendkulturen e.V. herausgegeben und da ich im Rahmen meines Studiums sowieso ein Praktikum ableisten muss, dachte ich, es könnte keinen besseren Ort geben, als das Archiv. Gesagt, getan. Und so konnte ich, unterstützt durch Freunde, die mich für die Zeit aufnehmen, zum Beginn des neuen Jahres am 4.1.2016 meine Praktikums stelle antreten.

So kommt der Kleinstadtjunge in der Großstadt Berlin. Sicher, ich war schon hier. Mal für ein Wochenende, eine Zeitspanne, die ausreicht um Berlin als Moloch wahrzunehmen, aber nicht um die Stadt wirklich kennen zu lernen. Jetzt bin ich eine Woche hier und fühle mich wohler als ich gedacht hätte. Und ehrlich gesagt gefallen mir die Eigenschaften, die Berlin als Großstadtmoloch so mitbringt: Anonyme Menschenmassen zum Untertauchen, ein reichhaltiges kulturelles Angebot aller Arten, funktionierendes Nachtleben, günstiges Essen und ein ÖPNV, der einen quasi immer überallhin bringt (wenn er denn fährt, ist halt wie mit jedem ÖPNV).

Durch die geregelte Arbeit stellte sich schnell ein Trott ein, der mich vergessen lässt, dass ich grade mal eine Woche hier bin. Und auf der Arbeit geht die Zeit so schnell, dass ich meist länger bleibe, als ich muss. Das Erfassen und Katalogisieren alter Zeitschriften und Fanzines scheint auf den ersten Blick eine dröge Aufgabe, doch wenn mensch dann in der Geschichte einer Szene wühlt, bekannte Namen entdeckt, dann stellt sich schnell der Spaß und die Lust eines Entdeckers ein. Und für einen Schnack mit den netten Kollegen findet sich auch noch Zeit. Diese haben, auf Grund des teilweise höheren Alters, durchaus interessante  und faszinierende Geschichten zu erzählen. Leider merkte ich auch schnell, dass grade so kleine und spezialisierte Einrichtungen wie das Archiv oft unter Geldsorgen leiden. Unterstützung und Finanzierung sind grade in so einer vielfältigen Stadt rar gesät. Da heißt es auffallen, laut sein, am Ball bleiben!

Leider bleibt dann oft keine Zeit mehr, unter der Woche das reichhaltige Angebot zu nutzen, dass dir die Stadt an Freizeitgestaltung anbietet und so lande ich am Ende eines anstrengenden, aber schönen Arbeitstages doch wieder vor dem Rechner (respektive Tablett). Aber das Wochenende bringt die ersehnte Muße und ich kann Clubs und Museen bestaunen. Zu wenig Zeit für zu viel Angebot. Leider gibt es auch immer wieder Ernüchterung und das Angebot ist bei näherem Hinsehen oder nicht so groß. Statt kleineren Streetfood-Läden findet mensch doch eher Ketten und das Nachtleben, grade das szenespezifische, ist geringer als mensch denkt. Meckern auf hohem Niveau, es gibt trotzdem mehr als genug.

So endet meine erste Woche in Berlin mit lauter guten Erfahrungen und ich bin gespannt, was die kommenden Wochen und Monate noch bringen werden. Ich freue mich schon auf den morgigen Tag.

 

Weidmenschsheil!

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