Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Offen und neugierig, aber wie? Oder: „Wie süß ist alles erste Kennenlernen. Du lebst so lange nur als du entdeckst“

Ist gibt so viele schöne Momente der ersten Entdeckung. Der Moment in dem mensch zum ersten Mal einen anderen lieben Menschen entdeckt. Der Moment in dem mensch zum ersten Mal einen neuen schönen Ort entdeckt. Oder auch der Moment, in dem mensch zum ersten Mal eine Band hört, die einem unbekannt war und die einen verzaubert oder entzückt. Im Neuen kann so viel Freude liegen, wenn mensch sich selbst die Möglichkeit gibt, es für sich zu entdecken.

Die Welt ist jeden Tag voll von neuen Dingen. Unendlich viele, meist alltägliche und kleine Dinge. Darum fallen sie meist auch gar nicht auf. Manchmal zum eigenen Leidwesen, denn neu ist ja trotz allem nicht gut, sondern erstmal anders oder unbekannt. Der Lieblingsimbiss erhöht die Preise? Erst beim Bezahlen gemerkt. Die Freundin hat eine neue Brille, der Freund einen neuen Haarschnitt? Erst gemerkt, als unwirsch drauf hingewiesen wurde. Unangenehm, aber manchmal unvermeidbar. Selektive Wahrnehmung ist schließlich eine gute Sache, hindert sie unser Gehirn daran, in einer Informationsflut unterzugehen.

Es lohnt sich, das Neue zu bemerken, denn schließlich kann darin eine neue Chance liegen, für Freue, Wissensgewinn oder einfach vermiedenen Ärger. Aber was braucht mensch für die Entdeckungsreise ins Alltägliche? Gute Nachricht: Es müsste eigentlich alles bereits vorhanden sein. Unnötig ist eine umfangreiche Expeditionsvorbereitung. Weder teure Ausrüstung muss erworben, noch ortskundige Führer angeworben werden. Der Führer ist mensch selbst und die Ausrüstung sind nur offene Augen, offene Ohren und, als allerwichtigstes, ein offener Geist!

Grad an diesem mangelt es im Alltag oft. Blind geht mensch ausgetretene Wege und merkt nicht, wie sich Dinge am Rand dieser Pfade verändern. Beziehungsweise nimmt mensch diese Veränderungen als Ärgernis war und nicht als Chance. Lässt sich grade auch sehr gut in der öffentlichen Debatte erkennen: Offen werden Wut und Ablehnung gegen die neuen Menschen in unserem Land geäußert. Kriese, Lawine, Katastrophe, alle erdenklichen Negativierungen werden ins Feld geführt. Die wenigen Menschen, die an diesen Umständen etwas Positives finden, werden beschimpft oder schlicht überhört und übertönt. Dabei liegt auch da eine Chance. Aber das ist nicht mein Thema. Mir geht es um die Blindheit, die mensch viel unbemerkter mit sich herum trägt. Eingeprägte Stereotype, festgefügte Bilder, geliebte Feindbilder. Sowas hat mensch im Kleinen mehr als genug. Niemand ist dagegen gefeit, helfen doch Kategorisierungen, im Alltäglichen eine Ordnung und eine Sicherheit herzustellen. Aber zu oft bleiben diese Kategorien lange unreflektiert.

Kleines Beispiel, was mir vor wenigen Wochen deutlich wurde. Ich höre verschiedenste Musikrichtungen, von Oper bis Black Metal. Aber es gab immer ein paar Genres, denen ich mich aktiv verwehrt habe. Ich hatte regelrechte Ressentiments aufgebaut. Gegen Hardcore, Metalcore und alle diese ähnlich gearteten Spielarten die zwischen Punk und Metal ihre Heimat gefunden haben. „Keine Musik“ hab ich geschimpft, Bands aus diesen Genres aus Prinzip keine Chance gegeben und besonders die Hörer angefeindet. Alle übereinen Kamm geschoren. Scheiß Optik, scheiß Verhalten (Violent Dancing), also auch scheiß Musik. Unreflektiert, komplett.

Aber es gab auch niemanden, der diese Kruste aus Vorurteilen aufgebrochen hätte. Im Kreise von Gleichgesinnten saß mensch im eigenen Saft der Gedanken und bestärkte sich. Und dann lernt mensch eine neue Person kennen, die sehr sympathisch ist, aber von sich sagte, dass Metalcore ihre liebste Musikrichtung ist. Was macht mensch, respektive ich, da? Realitätsabgleich! Reflektion! Endlich mal! Optik… Nope. Stimmt nicht mit meinem Bild überein. Die Ansichten zum Verhalten auf Konzerten? Sind quasi identisch zu meinen. Was heißt das für die Musik? Überprüfen! Paar Empfehlungen geben lassen, Spotify anwerfen und ab auf die Ohren. Und was soll ich sagen? Neu, schön, teilweise mitreißend, teilweise bewegend. Einige Bands wurden gleich Dauergäste in meiner Playlist.

Das war für mich auch quasi das Schlüsselerlebnis für diesen Text, quasi ein Appell für die Chance des Neuen. Jeden Tag sind da neue Dinge um uns herum, oft unbemerkt, aber vielleicht mit dem Potential dazu ganz neue, positive Aspekte unseres Lebens zu werden.

Deshalb mein Schlussappell:

Holt eure alten Vorurteile aus dem Schrank und stellt sie auf den Prüfstand. Wenn sie noch stimmen, gut, wenn nicht: Umso besser!

Reibt den Staub des Alltags aus euren Augen und schaut euch die Welt um euch an! Da gibt es immer was zu entdecken! Probleme die mensch anpacken muss, aber auch Chancen die genutzt werden wollen. Oder alles zusammen!

In diesem Sinne: Lasst die Jagd beginnen!

Weidmenschsheil!

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