Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 7 – Coldnight. Oder: Kalte Nächte in Südamerika

 

Anderer Kontinent, bekanntes Land: Es geht zurück nach Kolumbien, sogar wieder Bogotá. Muss eine fruchtbare Gegend für Bands sein, denn nach Fedra widme ich mich dieses Mal der One-Woman-Show Coldnight.

Im Jahr 2008 begründete die Kolumbianerin Angela Piraban in dem Pseudonym Hypothermia das Soloprojekt Coldnight (Englisch, kalte Nacht bzw. Kaltnacht), mit der Intention ein Ventil für depressive Gefühle zu schaffen. Piraban zeichnet in diesem Projekt für ALLES verantwortlich, sämtliche Instrumente werden von ihr eingespielt und den Gesang übernimmt sie natürlich auch. Nicht mal bei Studioaufnahmen holte sie sich Unterstützung. Nebenbei ist sie noch in zwei weiteren Bands gesanglich tätig, nämlich bei Zenith Maudlin (türkischer Depressive Black Metal) und bei Lifeless, einer internationalen Ambient/Depressive Black Metal Bandkooperation aus Mexiko, Italien und Kolumbien.

Bereits im Jahr des Projektbeginns beteiligte sie sich an einer Black Metal-Compilation mit dem Titel “Sadistic Killingspree”, bevor sie im Jahr 2010 die EP “My Dying Soul” aufnahm und über das US-amerikanische Label Domestiv Genocide Records veröffentlichte. Im gleichen Jahr unterstützte sie das ebenfalls aus Bogotá stammende Soloprojekt Asbel bei der Aufnahme der EP „The Dark the Withered Vol. 1“. Dem folgten im Jahr 2011 ganze drei Split-Alben: „…Sangrentos Bosques Antigos…“ (mit den Bands Satanic Forest aus Brasilien, Black Fog aus Mexiko, Nextlahualini aus Mexiko), „Paths of Sadness“  (mit Annorkoth aus Russland) und „Llévame Lejos“ (mit  Inverno aus Chile und Necrosadik aus Mexiko). Im Jahr 2013 schloss Coldnight einen Vertrag mit dem österreichischen Label Talheim Records (u.a. Psychonaut 4Thyrgrim und Vanhelga) und veröffentlichte dort ihr erstes full-length Album mit dem Titel „Waterfall of Suicides“ auf Kassette in einer Auflage von 100 Stück. Erst 2015 veröffentlichte das ukrainische Label Depressive Illusions Records eine digitale Version des Albums heraus. Diese Albumversion werde ich im Folgenden besprechen. Das Album umfasst 8 Tracks und bringt es auf eine Gesamtspiellänge von 56:05 Minuten und ist musikalisch dem Ambient/Depressive Black Metal zuzuordnen.

Tracklist:

  1. Dawn of Forgotten Souls
  2. Waterfall of Suicides
  3. Torments of Memory
  4. Funeral in Perpetual Snow
  5. Fading Out
  6. Till Forever
  7. Celestial White Stoat
  8. Moonlight Sonata (Beethoven)

Sanft und ruhig beginnt „Dawn of Forgotten Souls“. Eine düstere Kulisse aus melancholischen Klavier- und  Keyboardklängen. So geht es die vollen 8 Minuten des Tracks, während sich die Spannung immer weiter steigert. Erst „Waterfall of Suicides“ erlöst dann schließlich aus dieser ruhigen, aber angespannten Atmosphäre. Nach ruhigem Übergang und dem Rauschen des namensgebenden Wasserfalls setzt die Musik sein, wenn nur mit düsteren weiterem Klavierspiel und zum Ausklang wieder das rauschende Wasser. „Torment Of Memory“ setzt diese quälend ruhige Atmosphäre fort, man erwartet jeder Zeit ein Losbrechen von Gitarren, dass Erlösung verschafft. Aber außer ein paar ruhigen Akkorden passiert nichts, außer dass die Atmosphäre aufrechterhalten bleibt. „Funeral in Perpetual Snow“ lässt neben eisig anmutenden Keyboardklängen zum ersten Mal leise Klänge einer elektrischen Gitarre vernehmen, aber diese Verklingen auch wieder, ohne die Erlösung von harschen Klängen zu gewähren. „Fading Out“ beginnt gewohnt ruhig, aber nach einigen Minuten setzt ein Schlagzeug gleich dem Ticken einer Uhr ein, während im Hintergrund ein unverständliches krächzendes Klagen zu hören ist. Bis zu diesem Punkt zehrt das Album bereits gewaltig an den Nerven, aber nicht störend, sondern eher verstörend. „Till Forever“ beginnt wieder mit ruhigen Klavierklängen und dem Krächzen von Krähen und anderen Naturgeräuschen. Dies zieht sich mit leichten Variationen durch den gesamten Song. „Celestial White Stoat“ beginnt erneut sphärisch und mit nichts außer Klavierklängen auf einem leisen Soundteppich. Als letztes schließt eine Interpretation von Beethovens „Mondschein Sonate“ das Album ab. Wieder ein von mysteriösen Klängen ummanteltes Klavier, welches die bekannte Melodie spielt. Und dann, leises Flüstern, Schluss.

Am Ende bleibe ich aufgewühlt zurück. Die Erlösung durch harsche, typische Black Metal Klänge ist komplett versagt geblieben. Sowieso fehlen fast alle Elemente, die dem Album überhaupt das Zertifikat des Genres geben würden. Und doch würde ich es keinem anderen Genre zuordnen können. „Waterfall of Suicides“ schafft eine melancholisch bedrohliche Atmosphäre, die unglaublich dicht und verstörend wirkt. Ich fühlte beim Hören sehr an „Mein Leben endet“ der Band Grauzeit erinnert, die mit ähnlichen Mitteln eine solche Atmosphäre erzeugen oder an „A little sounds for an empty world“ von Fall to November Sky… wo eine ähnlich depressive Stimmung anklingt. Das Ansinnen der Musikerin, ihre Depression und Einsamkeit in Musik zu kleiden ist definitiv gelungen. Kein Album für einen Headbanger, aber für jeden, der sich so einer Atmosphäre hingeben will um in das Seelenleben eines Menschen abzutauschen. Mein Anspieltipp: Einfach komplett hören! Einen einzelnen Song aus dem Gesamtwerk heraus zu trennen scheint mir wenig sinnig.

In den Promofotos des Projekts spiegelt sich die Stimmung der Musik deutlich wieder. Schwarz/weiß zeigen sie düstere Natur- und Friedhofaufnahmen, auf denen sich Piraban allein und oft stark verfremdet zeigt. In Kombination entsteht daraus ein sehr tristes, deprimierendes und höchst stimmungsvolles Ambiente. Für Menschen, die sich neben harten Klängen auch für ruhige Melancholie begeistern können ist Coldnight definitiv ein reinhören wert. Geboten wird eine sehr eindrückliche Klangkunst, die kaum jemanden kalt lassen dürfte. Ich will gar keine weiteren großen Worte verlieren und mir das Ganze lieber noch einmal anhören. Die Musik spricht für sich!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: LÜGENPRESSE!!11 Oder: Medienkritik, aber richtig.

Nicht erst seit PEGIDA und andere aggressiv besorgte Bürger*innen auf die Straßen gehen, macht ein Schlagwort die Runde: „Lügenpresse“. Kein neuer Begriff, wurde er doch bereits vor im dritten Reich und davor verwendet, um eine Presse zu diffamieren, die nicht nach dem eigenen Gusto berichtet. Der zum Unwort des Jahres 2015 gekürte Kampfbegriff ist jedoch selten eine ernste Medienkritik. Es geht nicht darum, dass die Presse tatsächlich lügt, verschweigt oder Propaganda betreibt, es wird damit eher ein subjektive Unterdrückung der eigenen Position gemeint.

Doch Lügenpresse hin, Medienkritik hat, das deutsche Medienwesen hat ein massives Imageproblem! In einer Erhebung des Statistischen Bundesamts von 2012 landen Journalist*innen, wenn es um das Ansehen ihres Berufsstandes geht auf dem vorletzten Platz.

statistik berufe

Nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft, das Misstrauen gegenüber den etablierten Medien/Journalist*innen durchzieht alle gesellschaftlichen Bereiche und Schichten. Dies ist insbesondere in Zeiten der Digitalisierung und schrumpfenden Umsätze im Printmedien Bereich eine Katastrophe für viele Anstalten und Verlagshäuser. Im Internet haben sich kaum annehmbare Bezahlvarianten etabliert und im „analogen“ Bereich brechen Käufer*innen, Abonnent*innen und damit letztendlich Werbekund*innen weg, von denen quasi alle Medien abhängig sind (ausgenommen die öffentliche-rechtlichen Sendeanstalten).

In den vergangenen Jahren ist an vielen Stellen das Vertrauen in die Medien immer wieder erschüttert worden und das aus verschiedensten Gründen. Drei relativ aktuelle Beispiele sind die Wirtschaftskrise und der drohende Staatsbankrott in Griechenland, der Bürgerkrieg in der Ukraine und der Bürgerkrieg in Syrien sowie das damit stark verknüpfte hohe Flüchtlingsaufkommen. In allen Fällen gab es eine Meinungsströmung, die zu Beginn medienübergreifend zu finden war und kaum hinterfragt wurde. „Faule Griechen“, böser Putin, gute Ukrainer*innen, „Wir schaffen das!“. Das sorgte nicht nur bei Verschwörungsgläubigen für Kritik, doch erst mit der Zeit wurde in den großen Medienhäusern recherchiert und hinterfragt. Und plötzlich wurde auch den hier klar, dass zum Beispiel in der Ukraine Faschist*innen am rechtlich bedenklichen Sturz des rechtmäßig gewählten Präsidenten beteiligt waren und die USA im geheimen stark interveniert hatten. Auch in den anderen Fällen wurde zu spät hinterfragt und das Vertrauen nachhaltig geschädigt.

Was wünschen wir uns von „guter“ journalistischer Arbeit? Möglichst neutral soll sie sein, die Konsument*innen sollen sie verstehen können, sie soll versuchen alle Meinungen abzubilden, auch Minderheiten(meinungen) nicht ausschließen, kritisch sein, hinterfragen und vor allem sauber recherchiert sein. Viele sehr hehre Ziele. Und ganz ehrlich sind wir dabei auch nicht. Wenn mensch sich Klickzahlen und Verbreitung von Medieninhalten anschaut, wie es die Onlineplattform 10000 Flies tut, sind es nicht wirklich Berichte, die am meisten Verbreitung finden, welche den oben genannten Kriterien entsprechen. 10000 Flies will

„zeigen, über welche Themen und Artikel deutschsprachiger Medien in den sozialen Netzwerken diskutiert wird. 10000 Flies veröffentlicht tägliche Charts der Beiträge, die die meisten Likes, Shares und Kommentare bei Facebook, Verlinkungen innerhalb von Tweets bei Twitter und +1-Klicks bei Google bekommen haben.“

Quelle: http://www.10000flies.de/blog/ueber-10000-flies/

Und hier wird schnell deutlich, was wirklich am häufigsten geklickt und geteilt wird: Es sind emotionsgeladene Themen, Skandale und Skandälchen sowie Kuriositäten aus Allerwelt. Das ist so wenig überraschend wie stark bedenklich. Medien suchen sich für ihre Meldungen gerne „Trigger“, also Reize, die bei Betrachter*innen Emotionen auslösen. Sie tun dies in den seltensten Fällen aus manipulativer Absicht, sondern meist eher aus wirtschaftlichem Interesse, sind doch grade im Netz die Klicks bares Geld. Allerdings bleiben bei so einem Verhalten journalistische Ideale gerne auf der Strecke. Wer nur Verkaufen bzw. Klicks generieren will, sucht die Trigger, berichtet reißerischer. Je schlechter und empörender die Meldung desto „besser“. Dies hat neben fehlender Seriosität auch eine sehr gravierende Folge: Ein unglaublich negatives Bild der Welt. Wer sich öfters Nachrichtensendungen anschaut, gewinnt oft das Gefühl das nur und immer mehr Schlechtes geschieht. Und Sport. Jeden Tag sind die Medien voll von Katastrophen, Gewalt, Krieg…Und Sport.

Dies schürt Angst (also nicht der Sport, das andere!) in den Menschen. Angst um die eigene (wirtschaftliche) Existenz oder die körperliche Sicherheit. Grade im Rahmen der aktuellen Flüchtlingsdebatte wird diese Angst deutlich. Auch in den Gerüchten, die sich wie Lauffeuer durch die sozialen Netzwerke fressen: Ein Gerücht, der Glaube daran und damit dessen Verbreitung macht sehr deutlich, welche Vorurteile und Ängste in den Menschen herrschen. Und diese Ängste werden von den Medien in ihrem wirtschaftlichen Denken geschürt, wie in einem Teufelskreis: Viele Menschen haben Angst vor Übergriffen und wirtschaftlichen Einbußen durch die ankommenden Flüchtlinge, also konsumieren sie Berichte über solche Vorgänge. Die Medien registrieren dies und berichten verstärkt darüber. Daraus ergibt sich der Eindruck die Angst wäre begründet und verstärkt sich. Und am rechten Rand der Gesellschaft warten dankbare Rattenfänger*innen um die Angst dieser Menschen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Natürlich ist der verstärkende Effekt von sozialen Netzwerken in denen Gerüchte ungehindert wuchern nicht zu vernachlässigen.

Es gilt also den Medien auf die Finger zu schauen! Das hat nichts mit Verschwörungstheorie oder rechter Gesinnung zu tun, sondern mit dem gesunden Menschenverstand, der hinterfragen MUSS! Leider ist der Trugschluss oft die Abwendung von etablierten Medien hin zu informellen Netzwerken oder eindeutig manipulativen Formaten wie Compact, RT Deutsch und vielen anderen. Hier wird den Konsument*innen eine andere Realität geboten, allerdings ist diese mindestens genauso manipulativ, in den meisten Fällen jedoch noch wesentlich stärker, als die vermeintliche „Lügenpresse“.

Aber es gibt auch viele Webseiten, Blogs und Formate, die sich Medienkritik und -überwachung groß auf die Fahne geschrieben haben. Ein Flaggschiff dieser begründeten Kritik war und ist Stefan Niggemeier. Für sein medienkritisches Engagement wurde er bereits vielfach ausgezeichnet (u.a. mit dem Grimme Online Award) und die von ihm begründeten Projekte sind zahlreich. Neben seinem persönlichen Blog begründete er den BILDblog (inzwischen hier nur noch als Herausgeber tätig), ein sogenannter Watchblog zuerst nur für die namensgebenden Springerformate, später für die gesamte deutsche Medienlandschaft, war bei der Crowdfunding-basierten Nachrichtenseite Krautreporter tätig und gründete 2015 Übermedien, einer Nachrichtenseite über Medien. Hier werden Berichterstattungen analysiert, Magazine rezensiert und unterhaltsam wie konstruktiv Medien kritisiert. Wer über seriöse Medienkritik in Deutschland redet, kommt um diesen Mann einfach nicht vorbei. Er legt gerne den Finger in die Wunden anderer Journalist*innen, bohrt auch gerne mal noch drin herum. Das macht in dort nicht unbedingt beliebt, aber für Medienkonsument*innen wichtig.

Doch auch im Fernsehen gibt es so manche Sendung, die die Medienkritik hochhält, meistens im öffentlich-rechtlichen. Besonders herauszuheben ist hier Zapp: Das Medienmagazin des NDR. Hier werden auch politische Themen behandelt, aber in erster Linie wird berichtet, wie andere berichten. Fehlverhalten von Journalist*innen ist dabei genauso Thema, wie der staatliche oder öffentliche Umgang mit den Medien selbst. Dabei wird kaum ein Blatt vor den Mund genommen und auch das eigene Sendehaus wird nicht außen vor gelassen. Erst in diesem Monat wurde eine Sendung ausgestrahlt, die sich ausschließlich mit dem schwindenden Vertrauen in die Medien befasste und dabei auch sich selbst unter die Lupe nahm. Weitere Magazine, die sich teilweise mit Medienkritik beschäftigen sind unter anderem Panorama (NDR), Quer (BR) und die Satiresendung extra3 (NDR).

Es gibt sie also, die Medienkritik im Fernsehen und im Netz. Informiert euch und hinterfragt die Medien, ALLE Medien. Denn nur weil ein Medium nicht zu den etablierten zählt, heißt es noch lange nicht, dass es euch nicht manipulieren will.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Rechts vor links! Oder: Ist rechts hip und links spießig?

 

Es ist zurzeit nicht zu verhehlen, dass rechte oder rechtsgerichtete Ideen aktuell Oberwasser haben. Sie dominieren den medialen Diskurs in jeder Hinsicht, ob jetzt durch das Aufgreifen dieser Ideen bis tief in die Mitte der Gesellschaft oder die ständigen Berichte über rechte bis zu rechtsextremen Taten und Aktivitäten (Anschläge, Demos, Interviews, Talkshows,…). Nicht nur die Ideen werden in fast allen etablierten Parteien (positiv) rezipiert, auch die rechten Szenen und Gruppen sind präsent, auf der Straße, im Netz, in den Köpfen.

Und was kommt von links? Wenig und das nicht wirklich laut. Die Linke kämpft seit langen mit inneren Streitigkeiten um Richtung und Programmatik. Attac kämpft mit Mitliederschwund und Überalterung. Die Blockupy-Bewegung machte zuletzt eher negative Schlagzeilen. Die traditionell eher linke Hausbesetzerszene sieht sich in Berlin und anderswo mit massivem Kräfteaufgebot des Staats konfrontiertHäuser werden ohne Rücksicht geräumt oder sind von Räumung bedroht. „Linke“ Hochburgen werden zurückgedrängt und attackiert. Auch ihre Wortmeldungen zu tagespolitischen Themen wie den Übergriffen in Silvesternacht in Köln und anderswo sind selten, irgendwie leer und verhallen in der Medienlandschaft ohne großes Echo. Wenn es ein vermeintlich linkes Thema in die großen Tagesmedien verirrt, sind es gerne alte ehemalige RAF-Mitglieder die so oder so ihr Auskommen finden wollen. Nach außen dringen fast nur Rückzugsgefechte.

Warum ist „links“ so in der Krise? Ist „links“ überhaupt in der Krise?

Mensch muss einfach feststellen, dass das konservative und das rechte Lager eine unglaubliche Energie an den Tag legt, wenn es um Adaption und Mimikry linker Inhalte und Symbole geht. Die früher eher links-alternative Friedensbewegung  sah sich in jüngster Vergangenheit einer versuchten Übernahme durch ein rechts, verschwörungsgläubiges Klientel ausgesetzt. Es wurde spät und oft zu spät reagiert, menschchmal sogar die Querfront gesucht. Auch Kapitalismuskritik von rechts ist auch schon seit Jahren kein ungewohntes Bild mehr. Ganze Stile und Strömung wurden gekapert und übersetzt, wie der sogenannte „schwarze Block“ der auf der rechten Seite unter dem Label der „Nationalen Autonomen“ firmiert. Ché Guevara und Palästinenser-Tücher (Kufiya), irgendwann mal klare Symbole der linken Szene wurden genauso übernommen wie der Kleidungsstil des Hardcore-Punk oder der Hipster („Nipster“). Rechtsrock ist zwar immer noch eine Szenegröße, aber daneben etablieren sich immer mehr „arisierte“ Musikrichtungen. Angefangen beim Black Metal (NSBM), dem erwähnten Hatecore ist inzwischen eine andere Hochburg der nicht-rechten Kultur vereinnahmt worden: Seit einiger Zeit mehren sich rechte Hiphop/Rap-Interpret*innen wie MaKss Damage, Dee Ex oder King Bock. Dazu bietet die rechte Szene inzwischen mehrere durchaus hochqualitative Mode-Label wie das bekannte Thor Steinar oder auch Ansgar Aryan. Die Kleidungsstücke sind nicht günstig, gut verarbeitet und dem modernen Stil des Mainstreams nachempfunden, aber immer mit der kleinen oder großen Spur Szene-Stil und Codes.

Die rechte Szene hat es verstanden sich zu öffnen, adaptiv zu sein und in ihrer Art und Weise sogar innovativ und kreativ zu sein. Und „die“ linke Szene? Hier herrschen Lagerkämpfe, interne Streitigkeiten und eine gefühlte intellektuelle Ratlosigkeit. Was ist heute links? Was nicht? Die frühere Trennschärfe zum gesellschaftlichen Mainstream ist kaum noch vorhanden. Eigentlich müsste es als Erfolg gewertet haben, wie konsensfähig frühere linke Kernthemen inzwischen geworden sind. Aber in einer Zeit, in der eine Kanzlerin Merkel doch den Atomausstieg forciert und ein Winfried Kretschmann Ministerpräsident wird, fehlen scheinbar zunehmend Schlagworte und Kampfbegriffe. Oft muss mensch sich damit begnügen, eine radikale Version von gesellschaftlichen Konsensthemen zu vertreten. Eine Grundproblematik die ich sehe ist, dass der rechte Rand aktiv bestrebt ist, in die Mitte der Gesellschaft zu drängen, Themen zu besetzen und einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs in ihrem Sinne zu prägen (wobei sie aktuell sehr erfolgreich sind!), während es grade unter jungen Linken eher das Bestreben gibt, sich vom Mainstream abzugrenzen. Um es mal überspitzt zu verdeutlichen: Während „die Linken“ den Staat überwinden wollen, trachten „die Rechten“ danach ihn zu übernehmen und zu instrumentalisieren. Ganz weit zurück gedacht weiß ich, was schon mal funktioniert hat.

Dabei eröffnet doch grade diese Verschiebung der Gesamtgesellschaft nach links Räume, um für Themen zu kämpfen die vorher zurückgestellt wurden. Doch wie will mensch den Kampf gegen Sexismus und Chauvinismus aktiv führen, wenn selbst weite Teile des eigenen Lagers diese grundlegenden Werte nicht verinnerlicht haben? Auch besteht offenbar im linken Spektrum wirklich ein Problem damit, wenn die Idealer einer multikulturellen Gesellschaft auf die Realität einer Silvesternacht treffen. Dieser Artikel in der taz trifft es meiner Meinung nach recht gut, was grad schief läuft. Die Ereignisse in Köln waren eben KEIN Alltags-Sexismus und müssen genau deswegen auch besonders behandelt werden. Kultur und Herkunft auszublenden und zu sagen, dass es in unserem Land genauso Sexismus gibt, ist in erster Linie eins: Positiver Sexismus! Es ist haargenau das gleiche Schema, mit dem auf konservativer Seite gerne Armut in Deutschland relativiert wird: Mit der Aussage, dass es woanders doch viel schlimmer sei. Nur ist woanders in diesem Fall hier. Der Mechanismus ist der gleiche: Relativierung! Das ist einer linken Bewegung die mutige Antifaschist*innen, Kommunist*innen und Anarchist*innen hervorgebracht hat unwürdig!

Aber warum geht der gesellschaftliche Diskurs aktuell so ohne weiteres dazu über, konservatives, rechtspopulistisches oder rechtes Gedankengut oder zumindest die Begrifflichkeiten und Slogans, wo doch die linken Bewegungen und Menschen, die aus ihnen hervorgegangen sind, über Jahrzehnte für ein immer gesellschaftsübergreifenderes  Meinungsbild gesorgt haben? Ich denke das hat mehrere Gründe. Zum einen die immer auftretende Rebellion der jüngeren Generation gegen die ältere Generation und ihre Vertreter (Eltern, Lehrer, Politiker,…). Schöne Beispiele sind natürlich immer die Grünen und andere Personen, die dem links-alternativen Spektrum entstammen. Viele sind inzwischen „Teil des Systems“. Kaum ein Kabarettist, der sich nicht schon über die politische Herkunft vieler Lehrer dieser Generation lustig gemacht hat. Mensch kann also sagen, dass das „System“ inzwischen zu vielen Teilen aus Leuten besteht, die früher (radikal) links waren und „dagegen“. Zum anderen: Stillstand bedeutet Tod. Ich weiß, ganz schön pathetisch. Aber dem rechten Rand kann mensch zum Beispiel keinen Stillstand vorwerfen, wie oben bereits gezeigt. Vielleicht mögen viele alte Ideen im Hintergrund noch wirken, aber sie haben gelernt, es anders zu verpacken, sich anders zu geben und in anderen Formen zu erscheinen. Sie haben sich, ihre Erscheinung und ihre Ideologie den Umständen angepasst. Über den adaptiven Charakter habe ich mich ja bereits ausgelassen.

Und die Linken? Schon früh galten linke Bewegungen als durchaus intellektuell. Neue Ideen wurden hervorgebracht, diskutiert und ausprobiert. Und auch modisch haben „die Linken“ früher viele Trends gesetzt und Stile hervorgebracht. Was hätten „die Rechten“ den sonst so gut übernehmen können, was links nicht bereits etabliert worden war. Aber diese innovative Kraft ist offenbar erschöpft. Links setzt keine Trends mehr, weder modisch noch gedanklich. Ich kenne mehr rechte Modemarken als linke, was ganz schön traurig und mitunter hinderlich ist. Früher trug mensch den Ché oder den roten Stern und wurde als der Szene zugehörig erkannt. Heute müsste ich bei den ganzen schwarz vermummten Gestalten SEHR nach rangehen um zu erkennen, wo die Person sich einordnet, aber dann ist es vielleicht schon zu spät. Links ist nicht modisch, nicht modern. Links ist heute doch meist eher eine Anti-Haltung, mensch ist als „Linker“ in erster Linie dagegen: Gegen Faschismus, gegen Sexismus, gegen Gentrifizierung, gegen Kapitalismus usw. Links sein ist inzwischen ein negativer Begriff, was bedeutet der sich weniger über eigene Werte definiert, sondern über die Abgrenzung/Ablehnung anderer Werte und Positionen. Eine Haltung die dem italienischen Faschismus ursprünglich zu Eigen war. Das Problem ist, dass so eine Anti-Haltung klare Grenzen benötigt, beziehungsweise schafft/fordert. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Da bleibt wenig Raum für Reflektion. Am deutlichsten wird das bei einer der großen informellen Bewegungen innerhalb der linken Szene, der Antifa. Von den historischen Wurzeln inzwischen so gut wie komplett gelöst (abgesehen vielleicht vom Logo), haben die meisten Antifa-Gruppen den gemeinsamen Nenner gegen „Nazis“ (Rechts, Faschisten,…) zu sein. Andere, eigene Werte finden da sich eher am Rand und sind auch meist wieder Gegen-Haltungen (beliebt: Anti-Kapitalismus). Wenn mensch weiß, wer der Feind ist, hat der Tag Struktur. Aber so verkommt Linkssein zu einer reinen Reaktion. Gegen-Demo. Nicht mehr aktiv, sondern nur noch reaktiv. Aber das ist in keiner Weise konstruktiv. Wo bleiben die Gegenentwürfe? Und zwar nicht die x-te Wiederholung aus alter Männer Bücher! Neue, an die heutige Welt, die heutigen Gesellschaften, die heutigen Probleme angepasste Ideen und Lebensentwürfe!

Es ist doch alles da! Vordenker, deren Ideen aufgegriffen und weiterentwickelt werden können (Aus! Pfui! Leg „Das Kapital“ weg!), alte Ideale die mit neuem Leben gefüllt werden können (Liberalismus zum Beispiel, und zwar nicht die FDP-Parodie). Es gibt große und hehre Ziele, die mensch erreichen kann. Denn meiner Meinung haben „die Rechten“ etwas, dass mensch sonst eher bei religiösen Fundamentalist*innen aller Couleur findet, was „die Linken“ seit dem Scheitern des Stalinismus/real-existierenden Sozialismus kaum noch haben: Den Glauben an Ideale. Mögen nicht nur in meinen Augen falsche und menschenverachtende Ideale sein. Aber an ein Ideal zu glauben, dass war einmal eine linke Tugend. Wie hätten sonst die vielen Sozialist*innen, Sozialdemokrat*innen, Kommunist*innen und Anarchist*innen sich so todesmutig gegen das dritte Reich gestellt? Sucht neue Ideale. Oder füllt alte Ideale mit neuem Leben.

Und verabschiedet euch endlich von der Hetze gegen den Staat und seine Bediensteten. Die Polizist*innen, die zwischen einer rechten Demo und einer linken (Gegen!)Demo stehen sind nicht da, weil sie „die Faschist*innen schützen“ wollen. Sondern weil das deutsche Grundgesetz jedem Menschen Meinungsfreiheit und körperliche Unversehrtheit zusichert. Das Grundgesetz ist nicht nur die Grundlage des deutschen Staates, sondern auch eine gesetzliche Umsetzung linker Ideen. Denn Freiheit, wusste schon Rosa Luxemburg, ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

Quelle Titelbild: https://www.flickr.com/photos/agfreiburg/6820039111/

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 6 – Mortals. Oder: Von der Vergänglichkeit des Lebens.

 

Nachdem ich mich jetzt zwei Folgen lang am Kaukasus aufgehalten habe, diesmal wieder eine Reise auf einen neuen Kontinent, zurück nach Nordamerika, diesmal in die USA zu Mortals (Englisch: Sterbliche).

Gegründet wurde die Combo 2009 in Brooklyn, New York und sind bis heute äußerst aktiv. Zurzeit besteht die Band aus dem Dreigespann Caryn Havlik (Schlagzeug), Lesley Wolf (Gesang und Bass) und Elizabeth Cline (Gesang und Gitarre). Havlik und Wolf spielen außerdem noch in anderen Bands, unter anderem Belus und Slaywhore, einer All-Female-Slayer-Tribute-Band. Elizabeth Cline hingegen ist neben dem Musikerinnendasein auch als Journalistin und Autorin tätig. Sie schrieb unter anderem für NewYorker.com, The Daily Beast, New York Magazine, The New Republic und einige weitere Publikationen, veröffentlichte 2012 das Buch „Overdressed: The Shockingly High Cost of Cheap Fashion“ über die Hintergründe von Billig-Mode. Im Rahmen dieses Themas ist die studierte Politikphilosophin auch öfters Gast an Universitäten des Landes, unter anderem dem Fashion Institute of Technology, dem Boston College und der George Washington University.

Neben diesen Aktivitäten ist Mortals auch eine sehr aktive Live-Band, deren Touren sie bereits durch die ganze Welt geführt haben. Erst im vergangenen Jahr tourte die Band ausgiebig durch Europa und spielte auch in Deutschland einige Konzerte (Hamburg, Osnabrück, Köln, München, Leipzig und Berlin). Neben der russischen Gruppe Blackthorn gehört also auch Mortals zu den eher bekannten Bands, denen ich mich hier widme. Obwohl die Band „erst“ seit sieben Jahren existiert, kann sie bereits eine größere Menge an Veröffentlichungen vorweisen. Hierzu zählen neben einer Demo, einer Split-Veröffentlichung mit der Band Repellers, sowie zwei EPs auch die beiden full-length Alben „Encyclopedia of Myths“ (2009) und „Cursed to See the Future“ (2014). Da ich es mir irgendwie angewöhnt habe inzwischen, neben einem kurzen Bandbericht auch eine Rezension eines Albums der Band zu schreiben, werde ich dies auch hier tun, auch wenn sich zu beiden Alben einige Rezensionen online finden lassen. Wie üblich widme ich mich der letzten full-length Veröffentlichung der Band, also „Cursed to See the Future“.

Das Album wurde 2014 durch das amerikanische Label Relapse Records (U.a. MyrkurToxic Holocaust und Razor), bei dem Mortals unter Vertrag stehen, veröffentlicht. Es kommt auf eine Spiellänge von 47:43 Minuten und umfasst 6 Tracks. Die Musik ist dem aktuellen Stil der Gruppe entsprechend eine Mischung aus Black Metal und Sludge. Das Cover zeigt eine apokalyptisch-höllische Szenerie aus Tod und Sterben und ist in schwarz/weiß gehalten. Es ist über diverse Onlinehändler erhältlich und kann auch komplett bei Spotify gehört werden.

Tracklist:

  1. View from a Tower
  2. Epochryphal Gloom
  3. The Summoning
  4. Devilspell
  5. Series of Decay
  6. Anchored in Time

Das Album beginnt heavy mit „View from a Tower“, einem Stampfer im Midtempo für Tod und Vergänglichkeit. Aus einem Meer schwerer Gitarrenriffs  erhebt sich der growlende Gesang, ohne ihn zu dominieren. Weite Teile des Songs kommen jedoch ohne Gesang aus Mit einigen Breaks und Geschwindigkeitswechseln ein spannender Einstieg. Drückend und dröhnend steigt „Epochryphal Gloom“ ein. Unheilvoll und schleppend zäh, ohne eine Spur langweilig zu sein. Im Verlauf der ersten Minuten nimmt das Stück dann etwas mehr Fahrt auf, ohne die drückende Schwere zu verlieren. Der Gesang ist fast Nebensache, tut aber seinen Teil zu einem echten Gänsehaut-Feeling bei. „The Summoning“ fährt von Beginn an ein wesentlich höheres Tempo, aber auch hier dominieren die schweren Gitarrenriffs, die von wummerndem Bass und gemächlichem Schlagzeug flankiert werden. „Devilsspell“ schlägt in die gleiche Kerbe, etwas schneller, unglaublich drückende Gitarrenwände und ein Bass, der einen aus den Stiefeln pusten möchte. „Series of Decay“ beginnt sehr Black Metal-lastig: Schnell, sägende Gitarre, hämmerndes Drumming. Im Verlaufe des Songs kommen auch Doom-Elemente zum Tragen, aber der schwarzmetallische Einfluss überwiegt. Dem tut auch die epische Länge von 9:29 Minuten (längster Song des Albums) keinen Abbruch. Als letztes schickt die Band den kürzesten Song der Platte, „Anchored in Time“ ins Sludge Rennen (haha, Wortwitz…). Hier geht es wieder deutlich doomiger zu, langsamer, drückender und viel Gänsehautpotential. Am Ende wünscht mensch sehr doch irgendwie nochmal die gleiche Spielzeit.

Zusammenfassend: Mortals spielen Sludge/Doom Metal mit einem spürbaren Black Einschlag. Außer dem abschließenden „Anchored in Time“ liegen alle Songs Genretypisch deutlich jenseits der 6-Minuten-Marke. Dabei hat kein Song mehr als ein paar Zeilen Text, aber auf den scheint es der Band auch weniger anzukommen. Vielmehr wollen sie mit ihrer Musik erfolgreich eine erdrückende, düstere Atmosphäre erzeugen. Diese ist eigentlich durchgängig dicht und unheilsschwer. Auf die Texte will ich gar nicht näher eingehen, sie sind stimmig, aber der Musik deutlich untergeordnet. Ein unglaublich stimmungsvolles Album, das mensch sich wieder und wieder anhören kann, ohne dass es dadurch Stimmung einbüßt. Wessen Musikgeschmack Black und Doom umfasst ist hier genau richtig, aber auch Black Metal Purist*innen sollten mal ein Ohr riskieren! Anspieltipp: „Epochryphal Gloom“

Bleibt als letztes noch, die Bildsprache der Band zu untersuchen. Dazu hab ich mir mal das Instagram-Profil der Band beschaut. Dort präsentiert sich das Trio ganz im Gegensatz zur Musik lebenslustig und meist mit einem Lächeln im Gesicht. Auf typische „Poser“-Promofotos wird fast zur Gänze verzichtet, viel häufiger sieht mensch die Bands im Kreis von Fans, Freund*innen und Kolleg*innen. Hier wird quasi keine Kunstfigur für die Bühne erschaffen, die Musikerinnen geben sich komplett natürlich, zeigen nur ihre Freude an dem was sie tun. Das Musikvideo zu „View from a Tower“ kommt zwar in schwarz/weiß-Optik daher, wirkt aber eher untypisch, auch wenn es einen blutigen Roadtrip im Wechsel mit Aufnahmen der Musikerinnen zeigt. Sogar eine Reminiszenz an „Psycho“ findet sich. Genretypische Elemente und Gepose/große Gesten finden sich jedoch nicht. Ein gutes Video allemal, auch wenn es mich etwas verwirrt zurücklässt.

Mensch kann also über Mortals sagen: Drei hochprofessionelle Musikerinnen, die ihr Handwerk sehr gut verstehen. Gute Kompositionen die sehr viel Stimmung erzeugen, hier stimmt einfach die Mischung. Die Drei sind wie gesagt keine Unbekannten mehr, aber vielleicht ist da bei der hohen musikalischen Qualität die geboten wird noch eine Schippe mehr drin! Auch den anderen Beschäftigungsfeldern der Musikerinnen sollte mensch durchaus mal etwas Aufmerksamkeit schenken, denn auch diese können sich durchaus sehen, respektive hören, lassen!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Politik und Musik. Oder: Wir sind eine unpolitische Band!

 

Es ist ja weithin bekannt, dass es einige Musiker*Innen gibt, die ihre Musik nutzen, um ihre Weltanschauung zu propagieren und zum Ausdruck zu bringen. Ob das eine negative Sache ist, hängt auch immer ein bisschen davon ab, WER das macht und um WELCHE Weltanschauung es sich dabei handelt.

Politische Statements gibt es viele. Dabei geht es um unterschiedlichste Themen, sei es Empowerment für Frauen und/oder People of Colour (PoC) wie es Beyoncé bei ihrem Auftritt beim Superbowl kürzlich gezeigt hat, Engagement gegen Rechtsradikalismus/für Weltoffenheit, wie es einige Bands/Künstler*Innen machen oder auch um die Verbundenheit zu einer wie auch immer gearteten Heimat, wie es Frei.Wild immer mal wieder thematisieren. All das ist LEGITIM, weil es sich im Rahmen von Gesetzen abspielt. Ich muss es nicht mögen oder kann es als gefährlich oder abzulehnend ansehen, aber so lange sich eine Künstler*In auf dem Boden des Gesetzes befindet greift die so viel beschworene Meinungsfreiheit (Zur Erinnerung: Art. 5, Grundgesetz und Art. 11, Charta der Grundrechte der Europäischen Union). Meistens wird mit politisch motivierter Musik allerdings Musik aus dem rechten Spektrum oder auch durchaus aus dem linken Spektrum gemeint, also Lager die sich explizit als politische Bewegung ansehen.

Aber diese Einordnung ist einfach zu ungenau. Es gibt nicht nur rechte und linke Musik, sondern jede andere Richtung wird sich auch musikalisch wiederspiegeln. Einfach weil eine politische Gesinnung eine gute Motivation und Inspiration für künstlerisches Schaffen ist. Politik ist kein eindimensionales Spektrum.

Das Politiklexikon (Schubert, Klaus/Martina Klein, 5. Aufl. Bonn: Dietz 2011) bietet verschiedene Definitionen des Begriffes „Politik“. Im Allgemeinen sagt es:

Politik bezeichnet jegliche Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen, sei es in privaten oder öffentlichen Bereichen. 

Und weiter:

Politik bezeichnet die aktive Teilnahme an der Gestaltung und Regelung menschlicher Gemeinwesen.

Das sind natürlich sehr weite Definitionen, aber der Begriff ist auch unglaublich schwierig. Er bedeutet eben nicht NUR das was mensch im klassischen Sinne „Staatskunst“, also das Handeln des Staates und das Handeln in staatlichen Angelegenheiten, nennt. Eigentlich muss mensch sagen, wenn mensch sich vom „Staatskunst“-Begriff entfernt gilt: Alles ist Politik oder alles kann Politik sein! Denn wer das Kommunikationsmodell der vier Seiten nach Schulz von Thun kennt, weiß: In einer Aussage steckt auch immer ein Appell, sprich eine Handlungsaufforderung. Und eine Aussage die von einer Musiker*In getätigt wird, also vor und für Publikum, sendet einen Appell an eine große Gruppe, wäre also theoretisch eine „Art der Einflussnahme und Gestaltung sowie die Durchsetzung von Forderungen und Zielen“.

Ich behaupte also: JEDE Musiker*In ist in gewisser Weise politisch tätig, auch wenn er sich nicht aktiv in der „Staatskunst“ engagiert!

Denn Musik findet, auch wenn einige Menschen das vielleicht anders sehen, ja nicht in einem Vakuum statt, also in einem sozialen/gesellschaftlichen. Sowohl Produzierende als auch Rezipierende sind Teil einer Gesellschaft, beeinflusst von einer Gesellschaft und ihren Werten. Wir sind alle Teil von sozialen Netzen (Nein, nicht die im Internet, sondern das Geflecht von Beziehungen zu Menschen an sich) und seit unserer Geburt nehmen wir unsere Umwelt war, reflektieren sie und werden von ihr beeinflusst und geformt (Plus Genetik, aber das führt jetzt zu weit). Wir können dies nicht immer unbedingt wahrnehmen oder beeinflussen, dieser Prozess passiert eben einfach. Und so wie die Politik Teil der Gesellschaft ist, ist sie Teil von uns. 

Was bedeutet das? Nun, zunächst muss mensch sagen, dass jede Musiker*In/Band, die von sich behauptet „unpolitisch“ zu sein, sich entweder nicht bewusst ist, dass sie sich politisch äußert oder sie lügt schlicht und ergreifend, weil sie ihre eigentliche politische Ausrichtung nicht explizit preisgeben will. Das kann unterschiedliche Gründe haben und muss noch nicht mal etwas negatives sein.

Was aber bedeutet das für die Musikhörer*In? Tja. Da muss ich auf den Standardspruch aus meinem Studium zurückgreifen: Es kommt drauf an! Es gibt Bands, die sich als unpolitisch bezeichnen, weil sie sich nicht einer bestimmten politischen Richtung zugeordnet sehen wollen, denn damit gehen ja viele Probleme einher (Publikumsverlust, Absage von Auftritten, Proteste, etc.). Ich muss ehrlich zugeben, dass mir noch keine Band begegnet ist, der „vorgeworfen“ wurde eher links zu sein und die sich daraufhin als „unpolitisch“ bezeichnet hätte. Umgekehrt gab es einige Bands, denen rechte Tendenzen „vorgeworfen“ wurde, dem mit dem „Unpolitisch“-Statement begegneten, aber durchaus Kontakte zu Personen mit eindeutig rechter Gesinnung aufwiesen. Daher werde ich immer hellhörig, wenn ich das „Wort“ unpolitisch auch nur höre!

Allerdings gibt es auch Bands/Musiker*Innen, die zum Beispiel offenkundig rechts(radikal) sind, dies sich aber nicht unbedingt in den Texten wiederspiegelt. Hier soll als Beispiel das Soloprojekt Burzum genommen werden, weil dies auch in der Black Metal Szene häufig ein Streitpunkt ist. Kristian „Varg“ Vikernes, derzeitiger offizieller Name übrigens Louis Cachet, wird gerne als Begründer des NSBM (National Socialist Black Metal) bezeichnet und hat sich mehrfach offen rechts bekannt und geäußert. Über seine damalige (es ist ruhig geworden um ihn) politische Ausrichtung gab es also keine Fragen. Trotzdem strotzen die Texte von Burzum in keiner Weise von seiner menschenverachtenden Weltsicht, mensch müsste sie schon mit sehr viel Mühe und Not hinein interpretieren. Ist Burzum also eine rechte Band? Nein und Ja! Nein, weil sich in den Texten vielleicht Bezüge zu sog. „alten Werten“ finden, aber die findet sich auch in so viel anderem Liedgut (ich sag nur deutscher Schlager!), dass sie nicht prinzipiell als rechts gelten können. Außerdem kann mensch nicht bestreiten, dass Burzum für den Black Metal richtungsweisend waren. Ja, weil die Band keine Band ist, sondern eben ein Soloprojekt, ergo IST Burzum Kristian  Vikernes. Grade bei so einer markanten Persönlichkeit ist es schwer, diese vom künstlerischen Schaffen zu trennen.

Und genau hier liegt eines der größten Probleme von Musik und Politik: Die Trennung von Schöpfer und Werk. Diese ist nur schwer zu vollziehen, grade, wenn es sich um eine durchaus medienwirksame Person wie Kristian Vikernes oder auch den Varg-Frontmann Philipp „Freki“ Seiler oder den Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger handelt (hier geht es nicht darum, ob die beiden Letztgenannten rechtem Gedankengut nachhängen, sondern dass beide in der ihrer Vergangenheit „Auffälligkeiten“ haben, die mensch entweder in Zusammenhang mit ihrem heutigen Wirken bringen kann oder eben nicht). Weitere Beispiele lassen sich quer durch die musikalische Landschaft finden, von dem Was-auch-immer Hans Entertainment mit seinen fragwürdigen Äußerungen über Krawallbrüder und ihr zwielichtiges Umfeld bis hin zur italienischen Black Metal Band Forgotten Tomb die wegen früherer Aussagen vom deutschen Extreme-Metal-Magazin Legacy lange Zeit mit einer Mediensperre belegt waren (inzwischen nicht mehr offenbar).

Keiner dieser Bands/Musiker*In würde ich in ihrem aktuellen Wirken ein aktives Propagieren von rechter Ideologie vorwerfen! Allerdings muss mensch sich immer vor Augen führen, dass die Texte dieser Musik von Menschen gemacht wurden, die ein bestimmtes Weltbild vertreten. Und irgendwie wird dies ihr Handeln beeinflussen. Vielleicht nicht merklich oder so, dass es einen Einfluss hat. Wenn einem die Musik einfach gut gefällt, steht es jedem Menschen frei, sie zu hören (Meinungsfreiheit, remember?), aber mensch sollte sich fragen, ob mensch wirklich eine Band unterstützen will, die möglicher Weise diesem Gedankengut nahe steht. Das muss jede*r selber wissen, aber vielleicht lohnt es, einmal darüber nachzudenken.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 5 – DivahaR. Oder: Die armenische Finsternis!

Neue Woche, neue Band! Diesmal kein neuer Kontinent und auch keine große Entfernung zum Heimatland der letzten Band, aber allein auf Grund eines Landes, das sonst kaum im Fokus des westeuropäischen Metalheads steht, eine zu beachtende Besonderheit: Die all-female-Band DivahaR aus Armenien.

DivahaR (Ich konnte kein Bedeutung ermitteln, mea culpa) wurden im Jahr 2009 gegründet und sind bis heute aktiv. Sie stammen aus der Millionenstadt Yeravan, der Hauptstadt Armeniens. Zuerst bestand die Band nur aus den Mitgliedern Dev (Gesang, am Anfang auch Gitarre) und Urubani (Gitarre). Schließlich stieß im Jahr 2010 Skadi (ebenfalls Gitarre) hinzu. Zu diesem Zeitpunkt war die Band bereits eifrig dabei, Songs zu schreiben. Die Bassistin Freya kam 2010 zur Band, verlies diese jedoch letztes Jahr wieder. 2014 kam schließlich die Keyboarderin Belus hinzu, die das Line-Up vervollständigte. Der Schlagzeuger Koryun Bobikyan (Kill Ritual, ex-Sworn, ex-Ayas, ex-Stryfe) ist kein ständiges Mitglied der Band (meine Voraussetzung um über diese Band zu schreiben, sondern unterstützt diese lediglich bei ihrer Live-Performance.

Die Zahl der Veröffentlichungen ist noch überschaubar. Im Jahr 2013 wurde die Single „Alien“ inklusive eines Musikvideos veröffentlicht. Im Jahr 2014 unterschrieb die Band einen Vertrag mit dem griechischen Metal-Label Sleaszy Rider Records (Holocaust, Ancient, Rotting Christ u.a.) und veröffentlichten im gleichen Jahr ihr Debüt-Album „Divarise“ für das sie sich prominente Unterstützung als Gastsänger in Form des Mayhem-Sängers Attila Csihar holen konnten. Zu diesem Album wurde 2015 ein weiteres Musikvideos zu dem Song „Shadows“ veröffentlicht. Die Band ist auch live sehr aktiv und konnte bereits auf größeren Festivals spielen, so unter anderem 2014 auf dem Carpathian Alliance Festival, auf dem große Bands wie WATAIN, Borknagar, Taake, Anaal Nathrakh, Wardruna  und Finntroll spielten.

Da solche Gastsänger und Festival-Auftritte ja nicht von Ungefähr kommen, werde ich mich hier auch dem full-length Album der Band widmen. Das Album „Divarise“ umfasst 8 Songs bei einer Spielzeit von 43:54 Minuten. Das Cover zeigt neben dem Bandlogo einen düsteren Steinmonolithen, der von Sonnenstrahlen umspielt wird, möglicherweise der „Rabenstein“, der dem fünften Track seinen Namen gibt. Die Texte der Band drehen sich um die armenische Geschichte, Mythen, sowie heidnische/pantheistische Elemente, also Bereiche die sich um im Pagan Metal finden lassen. Der Bezug auf ihr Heimatland findet sich nicht nur in den Texten. So veröffentlichten sie am 100. Jahrestag des Völkermordes an den Armeniern ein Bild mit der Aufschrift „Armenian Genocide 1915“ zum Gedenken.
Das Album „Divarise“ findet sich dankenswerter Weise auf Spotify, so dass es sich jeder zu Gemüte führen kann.

Tracklist:

  1. Shadows
  2. Blindness (feat. Attila Csihar)
  3. Call of the Fire
  4. Alien
  5. Ravenstone
  6. Into the Heights
  7. Areakan
  8. Insane Silence

Das Album versteckt sich nicht hinter einem Intro, sondern die Musikerinnen steigen sofort harsch und schnell mit „Shadows“ ein. Kam unerwartet, haut einen aber im positiven Sinne sofort um. Die Band feuert aus allen Rohren, hämmerndes Schlagzeug, sägende Gitarren und ein hauchzartes Keyboard, dass dem Ganzen eine stimmungsvolle Note gibt, ohne irgendwie Kitsch aufkommen zu lassen. Dazu kreischt und keift Dev in einer klassischen Black Metal-Manier, die keine Wünsche offen lässt. Erst nach zwei Minuten gibt es eine ruhigere Verschnaufpause, in der das Keyboard düstere Stimmung verbreitet. Es folgt ein instrumentaler Part, der sehr stimmungsvoll gelungen ist, bevor es brachial weiter geht. Der Text handelt von der inneren Leere, Schmerz und Zerrissenheit und den Kampf dagegen ein Schatten zu werden. Ein grandioser Einstand! „Blindness“ beginnt nicht minder energiegeladen, eine ähnliche Mixtur wie davor, aber hier zeigt sich, wie gut ein Keyboard im Black Metal eingesetzt werden kann, um den gewissen Unterschied zu machen. Der Text handelt vom Kampf gegen eine geblendete, blutdürstige Menschheit. Die ersten Strophen keift Dev in gewohnter Manier, bis die unheilvoll krächzende Stimme Attilas einsetzt, bis gegen Ende ein Wechselgesang einsetzt. Das Zusammenspiel der eher harschen, wuterfüllten Stimme Devs und der gequält krächzenden Stimme Attillas passt sehr gut. „Call of the Fire“ beginnt ruhig und nimmt gefühlt etwas Aggressivität raus, während Dev vom befreienden Feuer singt, dass aus der Dunkelheit rettet und zu Höherem ruft. Der Song wirkt melodischer als die vorangegangenen. Das folgende Lied handelt nicht etwa von einem Außerirdischen, sondern „Alien“ ist ein Fremde, ein Ausgestoßener in einer Festung der Einsamkeit. Auch dieser Song ist relativ ruhig, das Schlagzeug meist zurückhaltender. Das Lied gehört dem Zusammenspiel aus Keyboard und Gitarre. Grade die Gitarrenlinie sticht aus den bisherigen Songs heraus, nicht das typische Sägen des klassischen Black Metal, tiefer, dröhnender, Unheils schwer. Textlich nicht minder düster ist nun „Ravenstone“, ein Lied über Vergehen und Tod. Eventuell gibt es hier Anspielungen auf den armenischen Genozid, aber das Spekulation. Die Musik ist wieder schneller und harscher, eine drückende Stimmung, gesteigert durch die leisen Keyboardklänge. „Into the Heights“ beginnt wieder mit eher klassischen Heavy Metal-Gitarrenlinien, die von hämmerndem Schlagzeug und Keyboard getragen werden. Später wird es dann wieder klassisch schwarzmetallisch, eine schöne Abwechslung. Der Text handelt von einer Art Katharsis und einem befreiten Aufsteigen zu höheren Gefilden. Der Übergang zu „Areakan“ ist fast fließend. Ein klassischer Black Metal Brecher. Schnell, rau, hart, kompromisslos. Der Text handelt soweit ich es erkennen kann, von armenischer Mythologie und frühen armenischen Stämmen. Der letzte Song „Insane Silence“ legt nochmal richtig los,  wechselnde Melodien, zum ersten Mal mehr Raum für das Keyboard, ohne dass es unpassend wirkt. Mal melodisch ruhig, mal metallisch rasend. Es werden nochmal alle Register gezogen und nach 6:29 Minuten ist Schluss.

Ich bin beeindruckt! Ich hatte schon etwas erwartet, aber trotzdem bin ich wirklich überwältigt. Von der ersten bis zur letzten Minute hat mich das Album gefesselt. Der Sound ist klassischer Black Metal, aber durch das Keyboard um so viel Stimmung erweitert ohne das auch nur einen Augenblick  ein abgleiten ins Kitschige/Epische droht. So muss dieses Instrument im Black Metal eingesetzt werden! Da können sich viele Bands ein Beispiel nehmen. Das Album ist düster und dreckig, gut abgemischt und produziert. Die einzelnen Songs sind fast alle über fünf Minuten lang, wirken aber nicht langatmig, durchgehend wird Stimmung erzeugt. Ich wüsste nicht, was mensch da groß kritisieren sollte! DivahaR machen meiner Meinung nach alles richtig. Genug Melodie, genug Härte! Devs Stimme ist klassisch, aber stimmungsvoll und zeigt keine Schwächen. Anspieltipp: Alles!!

Aber widmen wir uns noch abschließend der Bildsprache der Band. Die Outfits sind körperbetont in schwarz und Leder, ohne aufreizend zu sein, jedoch auch nicht im klassischen Black Metal Stil. Hier spricht die Musik für sich, die Künstlerinnen bleiben eher unauffällig, fast schon erfrischend „normal“. Auffällig ist auch, dass der Fokus vom Schlagzeuger weggelenkt wird. Im Video zu „Alien“ ist er eine gesichtslose Gestalt in Kutte im Hintergrund der Band. Das Video arbeitet stark mit schwarz/weiß-Kontrasten und spiegelt den Textinhalt (Ausgestoßenheit, Fremdartigkeit) gut wieder. Schlicht, aber bildgewaltig. Auf den Promofotos zeigt sich die Band in Bühnenoutfit, gerne in einer träumerischen, unwirklichen Natur, die den Fokus zurück auf die Band wirft. Auch hier spiegeln sich Textfacetten wieder.

Freunde des klassischen Black Metal sollten hier definitiv ein Ohr riskieren, es lohnt sich definitiv!

 

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 4 – Blackthorn. Oder: Die dornigen Hexen.

 

Hier ist nun der vierte Teil meiner Reihe und wieder hab ich eine Band aus einem neuen Land auf einem neuen Kontinent aufgetan. Diesmal führt mich der Eintrag nach Russland zur All-Female-Band Blackthorn.

Die Band Blackthorn (englisch; Schwarzdorn, Name des Dornenbusches Schlehe) stammt aus Moskau und gründete sich im Jahr 2004 und sich auch bis heute sehr aktiv. Die Band besteht nach einigen Besetzungswechseln aktuell aus den fünf Musikerinnen Aina Tornheim (Gesang/Screams/Songwriting), Elvira Alchemida Gitarre/Growls/Keyboard/Komposition), Greta/Tatyana Grevizirskaya (Bass), Acotath/Polyana Blackthorn (Schlagzeug) und Less/Yelena Lesnykh (Geige). Einige Mitglieder der Bands spielen/spielten auch bereits in anderen russischen Extreme Metal Bands, unter anderem bei AnfelShallow RiversInstorm, und Khaos Labyrinth. In ihrer über zehn Jahre währenden Geschichte hat die Band bereits einige Veröffentlichungen hervor gebracht, darunter allein die drei full-length Alben „Gossamer Witchcraft“ (2009), „Codex Archaos“ (2011) und zuletzt „Witch Cult Ternion“ (2015). Des Weiteren wurden eine Demo und mehrere Singles veröffentlicht. Die ersten beiden Alben erhielten gute Bewertungen (87% für „Gossamer Witchcraft92% für „Codex Archaos“) in der Encyclopaedia Metallum und auch das neuste Werk konnte sich auf Internetportalen durchaus über Zuspruch erfreuen. Die Band steht zurzeit beim russischen Label MSR Productions unter Vertrag, welches sich russischen Bands aus den Genres des Symphonischen Black Metal und des Death Metal verschrieben hat. Zu den dort verlegten Bands gehören neben Blackthorn unter anderem die Bands DemogorgonSinful (Elvira Alchemida war 2010-2012 Teil dieser Band) , Sinister Frost und Will of Hatred (zu der ich irgendwann auch noch einen Beitrag machen werde).
Da es für mich äußerst praktisch ist, mich zur Erfassung der Musik in einer Rezension zu ergehen, werde ich mich diesmal dem letzten Album der Band widmen um einen Einblick in ihr Schaffen zu erhalten und weiterzugeben. „Witch Cult Ternion“ erschien erst im Dezember vergangenen Jahres über MSR Productions und im USOUNDWORKS Studio und MAGNA OPERA Studio aufgenommen, gemixt und gemastert. Bei einer Spiellänge von etwas über einer Stunde beinhaltet das Werk 14 Tracks, davon 3 reine Instrumentalstücke sowie 2 Musikvideos des Tracks „The Spectral Evildence“. Im Januar diesen Jahres veröffentlichte MSR Productions eine digitale Extended Version des Albums, auf welchem zwar die Videoclips fehlen, das jedoch um 5 weitere instrumentale Tracks erweitert wurde. Für meine Rezension schaue ich mir die Extended Version vom Januar an, welche auf Spotify zur Verfügung steht. Das Album bringt es in dieser Version auf eine Länge von einer Stunde und fünfzehn Minuten.

Tracklist:

  1. Witch Cult Ternion
  2. Bleeding Milliads
  3. Obey the Noxdimensions
  4. Strix Nebulosa
  5. Heathendust
  6. The Spectral Evildence
  7. Graven on a Deathless Sin
  8. Moonbreed Sigil
  9. Threnody in Flames
  10. Witch Cult Ternion: Mater Mortis (instrumental)
  11. Moonbreed Sigil: Incantamentum (instrumental)
  12. Threnody in Flames: Finis Tantum Initium Est (instrumental)
  13. Strix Nebulosa (Dea Inversa) (instrumental)
  14. Heathendust (Suspiria) (instrumental)
  15. The Spectral Evildence (Pavor Nocturnus) (instrumental)
  16. Graven on a Deathless Sin (In Aeternum) (instrumental)
  17. Moonbreed Sigil: Incantamentum (instrumental)
  18. Threnody in Flames: Finis Tantum Initium Est (instrumental)

 

Dann hör ich mal rein. Das Album und der Titel gebende Track beginnen mit epischen Klängen und untermalenden (Synthi-) Chören. Langsam steigern sich diese, dann kommt der Umschwung und die Gitarren steigen ein, weiter begleitet von Chören, bis die Growls und Screams mit unterfeuernden Double Bassdrums einsetzen. Der Sound sehr abwechslungsreich, klar Gesang, Growls, wechselnde Tempi, getragen von Keyboard Epik. Das Ganze ist sehr melodisch und weiß zu gefallen, aber wenn die omnipräsenten Keyboards etwas zu dominant sind. Nightwish meets Dimmu Borgir. „Bleeding Milliads“ kommt etwas langsamer, aber auch druckvoller daher. Das Keyboard tritt etwas mehr in den Hintergrund. Mehr Raum für den Rest. Besonders der Wechsel von klarem Gesang und tiefem Gekrächze ist sehr stimmungsvoll. Singen dann Aina Tornheim (Klargesang)und Elvira Alchemida (Growls) gemeinsam hat das Gänsehautfaktor. „Obey the Noxdimensions“ klingt dann zu Beginn wieder einen Zahn zu, die Drums rasen, dann Wechselgesang und epische Untermalung. Hier werden auch die Keyboards zurückgeschraubt und setzen eher feine Akzente. Nach ähnlichem Muster ist “ Strix Nebulosa“ aufgebaut. Der Black Metal Anteil wird spürbar hochgeschraubt, grade die rasenden Parts wissen zu gefallen. „Heathendust“ hat deutliche Nightwish Anleihen, aber mit der Spur mehr Härte die nötig ist. Hier hat der Klargesang eine sehr prominente Rolle. Im nächsten Song („The Spectral Evildence“) steigt der Gothic/Power Anteil wieder, gleitet jedoch dank der guten Schlagzeugarbeit und den Growls nie ins unerträglich kitschige ab. „Graven on a Deathless Sin“ ist ein durchweg schneller Song, mit interessanten Melodien. Beide Gesangarten harmonieren gut mit der angezogenen Geschwindigkeit und auch die Keyboardparts ergänzen das Klangbild gut. Das Intro zu „Moonbreed Sigil“ erinnert mich wieder stark an Nightwish, aber die eingängigen Gitarren in Kombination mit Yelena Lesnykhs Geigenspiel formen schnell eine eigene Note. Es folgt der letzte Song mit Gesang, „Threnody in Flames“. Ein Wechselspiel aus rasenden und getragenen Abschnitten, ohne die Keyboards und den Klargesang wäre dies eine echt raue Black Metal Nummer. Meiner Meinung nach eine der besten Nummern des Albums! Es folgen die rein instrumentalen Nummern. Diese will ich hier, auch wenn es in vielen Punkten ungerecht ist etwas zusammen, auch weil es ja teilweise instrumentale Versionen vorheriger Songs sind. Schöne Melodien, mal melancholisch, mal rau, aber bestimmt immer abwechslungsreich!

Abschließende Worte: Blackthorn spielen symphonischen Black Metal mit starken Gothic-Akzent. Das heißt epische Melodien und ein großflächiger Einsatz von Keyboards. Die Klänge legen sie wich ein Mantel um den Black Metal. An vielen guten Stellen ergänzt dies den Sound gut, aber manchmal ersticken zu dichte Keyboardteppiche die Stimmung. Manchmal stimmungsvoll, nimmt es doch einigen Nummern eine wünschenswerte Härte. Der Gesang ist durchweg gut, in allen seinen Formen. Der Klargesang erinnert an gute Nightwish-Zeiten, die Growls sind gekonnt und schön fies. Das Zusammenspiel funktioniert großartig. Textlich werden die Themen bearbeitet, die sich in der Schnittmenge zwischen Goth und Black Metal befinden: Dunkelheit, Tod, Okkultismus,…

„Witch Cult Ternion“ ist ein klasse Album für Menschen, die sowohl Black Metal mögen, als auch ihre Gothic Seite nicht verleugnen. Hier wird eine gute Synthese geboten. Meine Anspieltipps sind  „Graven on a Deathless Sin“ und „Threnody in Flames“.

Kommen wir nun zur Bildsprache der Band. Wie bereits am Titelbild zu sehen, präsentieren sich die Musikerinnen nicht in der Aufmachung des klassischen Black Metals sondern neigen auch optisch eher dem Gothic zu. Die Kleidung ist körperbetonend, jedoch nicht aufreizend. Hier wird keine überbordende Boshaftigkeit zelebriert, sondern viel mehr zeigen sich die Bandmitglieder als gothichafte Hexen (eine Symbolik, die sich in Bildern und Texten häufig findet), als willensstarke Frauen.

Der Videoclip zu „The Spectral Evildence“ greift auch viele dieser Elemente auf. In der düsteren Natur werden Rituale durchgeführt, die Band begleitet dieses Ritual mit ihrer Musik. Tatsächlich tauchen hier männliche Kultisten auf, diese vergehen jedoch im Feuer des Rituals, während zum Schluss nur Frontfrau Tornheim übrigbleibt.

Blackthorn dürften insgesamt eine der weniger unbekannten Bands sein, weisen doch Fotos und Produktion einen hohen Grad an Professionalität auf. Dies sollte jedoch kein Hinderungsgrund sein, mal ein Ohr zu riskieren, wenn mensch Gefallen an der Mischung aus Gothic und Black Metal findet.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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