Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 1 – Anguished. Oder: Die schöne Qual für die Ohren.

Hier ist er, der erste Teil meiner Blogreihe über All-Female-Bands im Extreme Metal. In dieser Reihe stelle ich Bands vor, die relativ und oft zu Unrecht unbekannt sind und das nicht, weil es an musikalischer Qualität mangelt. Der Titel der Reihe entstammt einem Album der Band Cradle of Filth. Über setzt heißt das so viel wie „Dunkle umgedrehte Venus“, was ich sehr passend finde, weil es sich um eine Göttin, also eine starke weibliche Figur handelt. Diese ist machtvoll, düster wie die Musik, um die es geht und umgedreht in dem Sinne, dass Sir mit den Erwartungen bricht, die stereotyp an Frauen gestellt werden. Aber weiter zur Band.

Anguished (engl. gequält) ist ein finnisches Solo-Projekt der unter dem Pseudonym Possessed Demoness agierenden Ana Niemi aus Helsinki. Das Projekt wurde im Jahr 2009 ins Leben gerufen und ist auch bis heute aktiv. Dabei ist der Output bisher überschaubar und beschränkt sich im Großen und Ganzen auf ihr Debüt „Cold“, welches mit einer Spielzeit von ca. 40 Minuten zwischen EP und Album liegt (diese Seite Metaladies nennt es eine EP, während die Encyclopedia Metall um von full-length, also vollwertigem Album spricht).

„Cold“ wurde im November des Jahres 2010 auf dem inzwischen nicht mehr existierendem, finnischen Label Hammers Of Hate Records veröffentlicht, auf welchem auch szeneintern bekanntere Bands wie Archgoat und Anal Blasphemy verlegt wurden. Gesang, Gitarrenparts und Bass wurden ausschließlich von Niemi eingespielt, nur für das Schlagzeug holte sie sich im Studio Unterstützung durch den ansonsten unbekannten Mental Penetrator. Das Aufnehmen, Abmischen und Mastering geschah im Niflhel Studio von und durch Kai Karpinmaa (alias Niflungr), u.a. dem Frontmann der finnischen Szenegröße Azaghal. Das Album erhielt eine Durchschnittswertung von 79% aus zwei Reviews in der Encyclopedia Metallum. Auch weitere Reviews durch Onlineportale zeichnen ein durchweg positives Bild.

Die Musik von Anguished zeichnet sich durch Black-Metal-typische, grelle Gitarren aus, die von dröhnendem Bass untermalt werden. Dazu ein Mal schleppend monotones, mal aggressiv treibendes Schlagzeug. Der Sound ist, wie für weite Teile Genres üblich, eher etwas dumpf und gewollt räudig, erhebt sich aber manchmal auch in akustische monumental-epische Klangräume. Das herausragende Merkmal ist aber definitiv Niemis Gesang, der mal kreischt, brüllt oder auch klar klingt. Getragen von einem leichten Halleffekt entsteht ein einzigartiges bedrückendes Klangerlebnis purer Emotionen. Wut und Verzweiflung, aber auch Sehnsucht und Trauer, alle Emotionen, die das Genre bietet werden authentisch vermittelt. Die Texte handeln dabei vom Satanismus bis hin zur Selbstzerstörung und Suizid.

Das Cover, eine schwarz/weiß-Fotographie, zeigt Niemi in einer Rückansicht, augenscheinlich nur mit Unterwäsche und Stiefeln bekleidet, vor einem schwarzen Hintergrund, aus dem ihre weiße Silhouette als einziges Bildelement hervor sticht. Auch andere Bandfotos sind nach ähnlichen Stilmitteln gestaltet. Niemi zeigt sich, oft genretypisch mit Corpsepaint, vor düsterer Kulisse. Ihren, mit zahlreichen okkulten Tätowierungen bedeckten, Körper setzt sie dabei, mal mehr, mal weniger bekleidet, selbstbewusst und niemals aufreizend in Szene. Dabei nutzt sie klassische Elemente des Black Metal (Natur, Dunkelheit und alte Gebäude) um die Wirkung der meist schwarz/ weiß gehaltenen Bilder zu verstärken, zu einem wirkmächtigen Gesamtkonzept.

Abschließend kann mensch noch anfügen, dass Niemi im Jahr 2015 einen neuen Anguished-Song auf der „Nine Wolfes Under The Banner Of Hatte“-Compilation veröffentlichte. Anguished ist also keineswegs tot und mensch darf auf zukünftiges Material hoffen.

Und für alle, für die das eine Rolle spielt im Zusammenhang mit Black Metal (mich eingeschlossen), es gibt keine politisch verwerflichen Äußerungen oder ähnliches von Seiten der Band.

Ich spreche eine klare Hörempfehlung für Liebhaber von rauen Klängen aus!

Bis zum nächsten Mal!

Weidmenschsheil!

Anguished bei facebook

Anguished bei myspace

Anguished Band-Merch

Anguished Interview mit dem Kill me creator-Blog

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