Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 3 – Smirking Revenge. Oder: Der süße Klang von Rache (inkl. Rezension)

 

Ein neuer Eintrag, eine neue Band, ein neuer Kontinent, willkommen zum dritten Teil der Darkly Venus Aversa-Reihe.  Mir ist aufgefallen, dass die bisherigen Bands nicht nur aus verschiedenen Ländern, sondern gleich von verschiedenen Kontinenten stammen. Nach Anguished aus Finnland/Europa und Fedra aus Kolumbien/Südamerika, reisen wir heute in den Norden Nordamerikas, nach Kanada und widmen uns der Kombo Smirking Revenge!

Smirking Revenge (englisch; grinsende Rache) stammen aus Montreal und gründeten sich im Jahr 2012, sind also noch eine recht junge Band. Allerdings haben die meisten Musikerinnen bereits vorher in anderen Bands gespielt, zum Beispiel in der inzwischen aufgelösten All-Female-Band Aenygmist, die quasi als Vorgängerband für Smirking Revenge gelten kann. Zurzeit besteht die Band aus den vier Musikerinnen  Joannie Gagnon (Schlagzeug), Marie Claude Gosselin (Gesang), Roxane Labonté (Gitarre & Back Vocals) und Gabrielle Bordeleau (Bass & Back Vocals).

Der bisher einzige veröffentlichte Tonträger der Band ist die EP „Mind Uploading“, die im Jahr 2014 in Eigenregie veröffentlicht wurde, damals noch mit der inzwischen ausgestiegenen Sängerin  Charlotte Lemieux (2012-2015). Das Werk umfasst 6 Tracks, wovon 2 das instrumentale Intro und ein instrumentales Zwischenspiel sind, bei einer Gesamtspiellänge von 20:31 Minuten. Die Internetrezensionen bewerteten die Veröffentlichung eher durchschnittlich. Um mir selber ein Bild zu machen, erwarb ich eine digitale Kopie, welche die Band auf ihrer Bandcamp-Seite für 6 Kanadische Dollar (umgerechnet 3,90€) zum Download anbietet. Smirking Revenge spielen eine leicht schwarz angehauchte Form des Death Metal, mit Texten, die sich um die zunehme Technisierung und ihre Folgen drehen.

Tracklist:

  1. Broadcasting Liberty (instrumentales Intro)
  2. Cattle
  3. Living Organ Bank
  4. Dehumanzation (instrumentales Zwischenspiel)
  5. Mind Uploading
  6. Transhuman Utopian World

„Broadcasting Liberty“ ist ein schönes Intro aus Radiostörgeräuschen und Soundsamples, welche mit schleppenden Gitarrenriffs untermalt sind. Es endet mit einem Teilzitat des US-amerikanischen Bürgerrechtsaktivisten Mario Savio, worin sich die thematische Ausrichtung wiederfindet: „[…] that unless you’re free, the machine will be prevented from working at all!“ („das, solange man noch nicht frei ist, die Maschine am Funktionieren gehindert werden wird.“). Ein sehr stimmungsvoller Einstieg, bevor es mit dem ersten Song „Cattle“ („Vieh“) so richtig los geht. Der Text handelt von der Dystopie einer Gesellschaft, in der Menschen zu Sklaven der Technologie verkommen und endet mit Aufruf zum Widerstand. Der Song wird von schleppenden Gitarren getragen, die von einem stakkatoartigen Schlagzeug untermalt werden. Der Text und die Musik, welche die Maschinenhaftigkeit untermal, erschaffen ein schönes Wechselspiel. Allerdings springt der Funke nicht wirklich über, zumal sich die Musik gegen Ende des Songs, als es textlich um den Widerstand geht, nicht auffällig genug verändert, sondern nur etwas schneller wird. Der nächste Song „Living Organ Bank“ ähnelt thematisch dem Film „Die Insel„, in dem Menschen als lebende „Ersatzteillager“ gezüchtet werden. Der Text ist aus der Sicht einer dieser „lebenden Organbanken“ geschrieben und strotzt vor Systemkritik. Die Musik drückt hier mehr aufs Gas, die Gitarren sind schneller und aggressiver, mit Breaks und kleinen Zwischenspielen, die den Song abwechslungsreich gestalten, ohne die Stimmung zu zerstören. Es folgt das Zwischenspiel „Dehumanzation“, das aus ruhigen Gitarrenlinien und Schlagzeug besteht. Immer wieder flüstert eine Stimme den die Worte „Upload your mind“. In diese trügerische Ruhe bricht der nächste Song „Mind Uploading“ abrupt, aber nicht unpassend. Inhaltlich lässt sich wieder eine filmische Parallele ziehen, diesmal zum Film „Surrogates„, wobei im Songtext die Persönlichkeit komplett in ein mechanisches Pendant übertragen wird. Der Text ist als Kritik am erwähnten Transhumanismus zu sehen und weist auf die Gefahr hin, mit dem Körper das Menschliche zu verlieren. Die Musik ist wieder etwas langsamer, geht in manchen Passagen fast ins Doomige bevor er wieder Fahrt aufnimmt, allerdings deutlich aggressiver als „Cattle“ und weiß daher zu begeistern. Die Gitarrenlinien sind abwechslungsreich und gehen von Death über Black bis Doom. Der letzte Song „Trashuman Utopian World“ ist ein Bruch mit den bisher eher technologiekritischen Texten, hin zu dem Wunsch, mit Technologie zu helfen und eine Welt zu schaffen, in der die Technologie dem Menschen dient. Es wird von der Hoffnung gesprochen, diverse Krankheiten mit Technologie zu überwinden. Es endet mit den Worten „Technology helps us move forward“(„Technologie hilft uns voranzuschreiten“). Der Song selbst ist im Midtempo gehalten, hat melodischere Gitarrenlinien als in den vorangegangenen Songs und wirkt im Ganzen weniger aggressiv, es gibt ganze Passagen, die sehr ruhig sind, auch wenn das Schlagzeug immer wieder munter Blast Beats unter das Ganze feuert. Ein würdiger Ausklang.

Was kann ich abschließend über „Mind Uploading“ sagen? Die EP ist mit Sicherheit kein großer Wurf, aber durchaus interessant. Kritikpunkte sind die zum Teil etwas holprige Zusammenführung von Text und Musik, die manchmal etwas langweiligen Songstrukturen („Cattle“ ist kein guter Opener, weil er nicht Lust auf den besseren Rest der EP macht). Aber die anderen Songs wissen zu gefallen, das EP-Konzept ist durchdacht und zieht sich durch Musik, Texte und Artwork. Der Gesang der ausgeschiedenen Sängerin  Charlotte Lemieux ist stimmig und nicht wirklich zu kritisieren, auch wenn mehr stimmliche Vielfalt durchaus wünschenswert wäre. Für den kleinen Preis kriegt mensch gute Musik! Anspieltipp: „Transhuman Utopian World“

Die Bildsprache der Band scheut nicht vor bunten Farben, wirkt aber sowohl in den Bandfotos als auch im Artwork stimmig und zusammenhängend. Grade das Promo-Bild im Titel kombiniert die Individualität und Farben der Bandmitglieder gut mit der grauen von Industrie und Technologie zerstörten Umwelt, ein Stilmittel, dass sich durch die meisten Bilder zielt. Keines der Bilder sexualisiert oder objektiviert die Musikerinnen, viel mehr stellen sie den Mensch als buntes und vielfältiges Individuum in den Kontrast zur Technologie

Das bisherige Wirken macht zumindest mich neugierig und hoffnungsvoll in Bezug auf das, was da vielleicht noch kommt. Wenn sie sich konsequent weiterentwickeln, an Sound und Songstruktur feilen, dürfte einem Aufstreben der Bands wenig entgegenstehen, außer vielleicht die Missachtung, gegen die hier hoffentlich ein kleines Zeichen gesetzt habe!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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