Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 4 – Blackthorn. Oder: Die dornigen Hexen.

 

Hier ist nun der vierte Teil meiner Reihe und wieder hab ich eine Band aus einem neuen Land auf einem neuen Kontinent aufgetan. Diesmal führt mich der Eintrag nach Russland zur All-Female-Band Blackthorn.

Die Band Blackthorn (englisch; Schwarzdorn, Name des Dornenbusches Schlehe) stammt aus Moskau und gründete sich im Jahr 2004 und sich auch bis heute sehr aktiv. Die Band besteht nach einigen Besetzungswechseln aktuell aus den fünf Musikerinnen Aina Tornheim (Gesang/Screams/Songwriting), Elvira Alchemida Gitarre/Growls/Keyboard/Komposition), Greta/Tatyana Grevizirskaya (Bass), Acotath/Polyana Blackthorn (Schlagzeug) und Less/Yelena Lesnykh (Geige). Einige Mitglieder der Bands spielen/spielten auch bereits in anderen russischen Extreme Metal Bands, unter anderem bei AnfelShallow RiversInstorm, und Khaos Labyrinth. In ihrer über zehn Jahre währenden Geschichte hat die Band bereits einige Veröffentlichungen hervor gebracht, darunter allein die drei full-length Alben „Gossamer Witchcraft“ (2009), „Codex Archaos“ (2011) und zuletzt „Witch Cult Ternion“ (2015). Des Weiteren wurden eine Demo und mehrere Singles veröffentlicht. Die ersten beiden Alben erhielten gute Bewertungen (87% für „Gossamer Witchcraft92% für „Codex Archaos“) in der Encyclopaedia Metallum und auch das neuste Werk konnte sich auf Internetportalen durchaus über Zuspruch erfreuen. Die Band steht zurzeit beim russischen Label MSR Productions unter Vertrag, welches sich russischen Bands aus den Genres des Symphonischen Black Metal und des Death Metal verschrieben hat. Zu den dort verlegten Bands gehören neben Blackthorn unter anderem die Bands DemogorgonSinful (Elvira Alchemida war 2010-2012 Teil dieser Band) , Sinister Frost und Will of Hatred (zu der ich irgendwann auch noch einen Beitrag machen werde).
Da es für mich äußerst praktisch ist, mich zur Erfassung der Musik in einer Rezension zu ergehen, werde ich mich diesmal dem letzten Album der Band widmen um einen Einblick in ihr Schaffen zu erhalten und weiterzugeben. „Witch Cult Ternion“ erschien erst im Dezember vergangenen Jahres über MSR Productions und im USOUNDWORKS Studio und MAGNA OPERA Studio aufgenommen, gemixt und gemastert. Bei einer Spiellänge von etwas über einer Stunde beinhaltet das Werk 14 Tracks, davon 3 reine Instrumentalstücke sowie 2 Musikvideos des Tracks „The Spectral Evildence“. Im Januar diesen Jahres veröffentlichte MSR Productions eine digitale Extended Version des Albums, auf welchem zwar die Videoclips fehlen, das jedoch um 5 weitere instrumentale Tracks erweitert wurde. Für meine Rezension schaue ich mir die Extended Version vom Januar an, welche auf Spotify zur Verfügung steht. Das Album bringt es in dieser Version auf eine Länge von einer Stunde und fünfzehn Minuten.

Tracklist:

  1. Witch Cult Ternion
  2. Bleeding Milliads
  3. Obey the Noxdimensions
  4. Strix Nebulosa
  5. Heathendust
  6. The Spectral Evildence
  7. Graven on a Deathless Sin
  8. Moonbreed Sigil
  9. Threnody in Flames
  10. Witch Cult Ternion: Mater Mortis (instrumental)
  11. Moonbreed Sigil: Incantamentum (instrumental)
  12. Threnody in Flames: Finis Tantum Initium Est (instrumental)
  13. Strix Nebulosa (Dea Inversa) (instrumental)
  14. Heathendust (Suspiria) (instrumental)
  15. The Spectral Evildence (Pavor Nocturnus) (instrumental)
  16. Graven on a Deathless Sin (In Aeternum) (instrumental)
  17. Moonbreed Sigil: Incantamentum (instrumental)
  18. Threnody in Flames: Finis Tantum Initium Est (instrumental)

 

Dann hör ich mal rein. Das Album und der Titel gebende Track beginnen mit epischen Klängen und untermalenden (Synthi-) Chören. Langsam steigern sich diese, dann kommt der Umschwung und die Gitarren steigen ein, weiter begleitet von Chören, bis die Growls und Screams mit unterfeuernden Double Bassdrums einsetzen. Der Sound sehr abwechslungsreich, klar Gesang, Growls, wechselnde Tempi, getragen von Keyboard Epik. Das Ganze ist sehr melodisch und weiß zu gefallen, aber wenn die omnipräsenten Keyboards etwas zu dominant sind. Nightwish meets Dimmu Borgir. „Bleeding Milliads“ kommt etwas langsamer, aber auch druckvoller daher. Das Keyboard tritt etwas mehr in den Hintergrund. Mehr Raum für den Rest. Besonders der Wechsel von klarem Gesang und tiefem Gekrächze ist sehr stimmungsvoll. Singen dann Aina Tornheim (Klargesang)und Elvira Alchemida (Growls) gemeinsam hat das Gänsehautfaktor. „Obey the Noxdimensions“ klingt dann zu Beginn wieder einen Zahn zu, die Drums rasen, dann Wechselgesang und epische Untermalung. Hier werden auch die Keyboards zurückgeschraubt und setzen eher feine Akzente. Nach ähnlichem Muster ist “ Strix Nebulosa“ aufgebaut. Der Black Metal Anteil wird spürbar hochgeschraubt, grade die rasenden Parts wissen zu gefallen. „Heathendust“ hat deutliche Nightwish Anleihen, aber mit der Spur mehr Härte die nötig ist. Hier hat der Klargesang eine sehr prominente Rolle. Im nächsten Song („The Spectral Evildence“) steigt der Gothic/Power Anteil wieder, gleitet jedoch dank der guten Schlagzeugarbeit und den Growls nie ins unerträglich kitschige ab. „Graven on a Deathless Sin“ ist ein durchweg schneller Song, mit interessanten Melodien. Beide Gesangarten harmonieren gut mit der angezogenen Geschwindigkeit und auch die Keyboardparts ergänzen das Klangbild gut. Das Intro zu „Moonbreed Sigil“ erinnert mich wieder stark an Nightwish, aber die eingängigen Gitarren in Kombination mit Yelena Lesnykhs Geigenspiel formen schnell eine eigene Note. Es folgt der letzte Song mit Gesang, „Threnody in Flames“. Ein Wechselspiel aus rasenden und getragenen Abschnitten, ohne die Keyboards und den Klargesang wäre dies eine echt raue Black Metal Nummer. Meiner Meinung nach eine der besten Nummern des Albums! Es folgen die rein instrumentalen Nummern. Diese will ich hier, auch wenn es in vielen Punkten ungerecht ist etwas zusammen, auch weil es ja teilweise instrumentale Versionen vorheriger Songs sind. Schöne Melodien, mal melancholisch, mal rau, aber bestimmt immer abwechslungsreich!

Abschließende Worte: Blackthorn spielen symphonischen Black Metal mit starken Gothic-Akzent. Das heißt epische Melodien und ein großflächiger Einsatz von Keyboards. Die Klänge legen sie wich ein Mantel um den Black Metal. An vielen guten Stellen ergänzt dies den Sound gut, aber manchmal ersticken zu dichte Keyboardteppiche die Stimmung. Manchmal stimmungsvoll, nimmt es doch einigen Nummern eine wünschenswerte Härte. Der Gesang ist durchweg gut, in allen seinen Formen. Der Klargesang erinnert an gute Nightwish-Zeiten, die Growls sind gekonnt und schön fies. Das Zusammenspiel funktioniert großartig. Textlich werden die Themen bearbeitet, die sich in der Schnittmenge zwischen Goth und Black Metal befinden: Dunkelheit, Tod, Okkultismus,…

„Witch Cult Ternion“ ist ein klasse Album für Menschen, die sowohl Black Metal mögen, als auch ihre Gothic Seite nicht verleugnen. Hier wird eine gute Synthese geboten. Meine Anspieltipps sind  „Graven on a Deathless Sin“ und „Threnody in Flames“.

Kommen wir nun zur Bildsprache der Band. Wie bereits am Titelbild zu sehen, präsentieren sich die Musikerinnen nicht in der Aufmachung des klassischen Black Metals sondern neigen auch optisch eher dem Gothic zu. Die Kleidung ist körperbetonend, jedoch nicht aufreizend. Hier wird keine überbordende Boshaftigkeit zelebriert, sondern viel mehr zeigen sich die Bandmitglieder als gothichafte Hexen (eine Symbolik, die sich in Bildern und Texten häufig findet), als willensstarke Frauen.

Der Videoclip zu „The Spectral Evildence“ greift auch viele dieser Elemente auf. In der düsteren Natur werden Rituale durchgeführt, die Band begleitet dieses Ritual mit ihrer Musik. Tatsächlich tauchen hier männliche Kultisten auf, diese vergehen jedoch im Feuer des Rituals, während zum Schluss nur Frontfrau Tornheim übrigbleibt.

Blackthorn dürften insgesamt eine der weniger unbekannten Bands sein, weisen doch Fotos und Produktion einen hohen Grad an Professionalität auf. Dies sollte jedoch kein Hinderungsgrund sein, mal ein Ohr zu riskieren, wenn mensch Gefallen an der Mischung aus Gothic und Black Metal findet.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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