Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 5 – DivahaR. Oder: Die armenische Finsternis!

Neue Woche, neue Band! Diesmal kein neuer Kontinent und auch keine große Entfernung zum Heimatland der letzten Band, aber allein auf Grund eines Landes, das sonst kaum im Fokus des westeuropäischen Metalheads steht, eine zu beachtende Besonderheit: Die all-female-Band DivahaR aus Armenien.

DivahaR (Ich konnte kein Bedeutung ermitteln, mea culpa) wurden im Jahr 2009 gegründet und sind bis heute aktiv. Sie stammen aus der Millionenstadt Yeravan, der Hauptstadt Armeniens. Zuerst bestand die Band nur aus den Mitgliedern Dev (Gesang, am Anfang auch Gitarre) und Urubani (Gitarre). Schließlich stieß im Jahr 2010 Skadi (ebenfalls Gitarre) hinzu. Zu diesem Zeitpunkt war die Band bereits eifrig dabei, Songs zu schreiben. Die Bassistin Freya kam 2010 zur Band, verlies diese jedoch letztes Jahr wieder. 2014 kam schließlich die Keyboarderin Belus hinzu, die das Line-Up vervollständigte. Der Schlagzeuger Koryun Bobikyan (Kill Ritual, ex-Sworn, ex-Ayas, ex-Stryfe) ist kein ständiges Mitglied der Band (meine Voraussetzung um über diese Band zu schreiben, sondern unterstützt diese lediglich bei ihrer Live-Performance.

Die Zahl der Veröffentlichungen ist noch überschaubar. Im Jahr 2013 wurde die Single „Alien“ inklusive eines Musikvideos veröffentlicht. Im Jahr 2014 unterschrieb die Band einen Vertrag mit dem griechischen Metal-Label Sleaszy Rider Records (Holocaust, Ancient, Rotting Christ u.a.) und veröffentlichten im gleichen Jahr ihr Debüt-Album „Divarise“ für das sie sich prominente Unterstützung als Gastsänger in Form des Mayhem-Sängers Attila Csihar holen konnten. Zu diesem Album wurde 2015 ein weiteres Musikvideos zu dem Song „Shadows“ veröffentlicht. Die Band ist auch live sehr aktiv und konnte bereits auf größeren Festivals spielen, so unter anderem 2014 auf dem Carpathian Alliance Festival, auf dem große Bands wie WATAIN, Borknagar, Taake, Anaal Nathrakh, Wardruna  und Finntroll spielten.

Da solche Gastsänger und Festival-Auftritte ja nicht von Ungefähr kommen, werde ich mich hier auch dem full-length Album der Band widmen. Das Album „Divarise“ umfasst 8 Songs bei einer Spielzeit von 43:54 Minuten. Das Cover zeigt neben dem Bandlogo einen düsteren Steinmonolithen, der von Sonnenstrahlen umspielt wird, möglicherweise der „Rabenstein“, der dem fünften Track seinen Namen gibt. Die Texte der Band drehen sich um die armenische Geschichte, Mythen, sowie heidnische/pantheistische Elemente, also Bereiche die sich um im Pagan Metal finden lassen. Der Bezug auf ihr Heimatland findet sich nicht nur in den Texten. So veröffentlichten sie am 100. Jahrestag des Völkermordes an den Armeniern ein Bild mit der Aufschrift „Armenian Genocide 1915“ zum Gedenken.
Das Album „Divarise“ findet sich dankenswerter Weise auf Spotify, so dass es sich jeder zu Gemüte führen kann.

Tracklist:

  1. Shadows
  2. Blindness (feat. Attila Csihar)
  3. Call of the Fire
  4. Alien
  5. Ravenstone
  6. Into the Heights
  7. Areakan
  8. Insane Silence

Das Album versteckt sich nicht hinter einem Intro, sondern die Musikerinnen steigen sofort harsch und schnell mit „Shadows“ ein. Kam unerwartet, haut einen aber im positiven Sinne sofort um. Die Band feuert aus allen Rohren, hämmerndes Schlagzeug, sägende Gitarren und ein hauchzartes Keyboard, dass dem Ganzen eine stimmungsvolle Note gibt, ohne irgendwie Kitsch aufkommen zu lassen. Dazu kreischt und keift Dev in einer klassischen Black Metal-Manier, die keine Wünsche offen lässt. Erst nach zwei Minuten gibt es eine ruhigere Verschnaufpause, in der das Keyboard düstere Stimmung verbreitet. Es folgt ein instrumentaler Part, der sehr stimmungsvoll gelungen ist, bevor es brachial weiter geht. Der Text handelt von der inneren Leere, Schmerz und Zerrissenheit und den Kampf dagegen ein Schatten zu werden. Ein grandioser Einstand! „Blindness“ beginnt nicht minder energiegeladen, eine ähnliche Mixtur wie davor, aber hier zeigt sich, wie gut ein Keyboard im Black Metal eingesetzt werden kann, um den gewissen Unterschied zu machen. Der Text handelt vom Kampf gegen eine geblendete, blutdürstige Menschheit. Die ersten Strophen keift Dev in gewohnter Manier, bis die unheilvoll krächzende Stimme Attilas einsetzt, bis gegen Ende ein Wechselgesang einsetzt. Das Zusammenspiel der eher harschen, wuterfüllten Stimme Devs und der gequält krächzenden Stimme Attillas passt sehr gut. „Call of the Fire“ beginnt ruhig und nimmt gefühlt etwas Aggressivität raus, während Dev vom befreienden Feuer singt, dass aus der Dunkelheit rettet und zu Höherem ruft. Der Song wirkt melodischer als die vorangegangenen. Das folgende Lied handelt nicht etwa von einem Außerirdischen, sondern „Alien“ ist ein Fremde, ein Ausgestoßener in einer Festung der Einsamkeit. Auch dieser Song ist relativ ruhig, das Schlagzeug meist zurückhaltender. Das Lied gehört dem Zusammenspiel aus Keyboard und Gitarre. Grade die Gitarrenlinie sticht aus den bisherigen Songs heraus, nicht das typische Sägen des klassischen Black Metal, tiefer, dröhnender, Unheils schwer. Textlich nicht minder düster ist nun „Ravenstone“, ein Lied über Vergehen und Tod. Eventuell gibt es hier Anspielungen auf den armenischen Genozid, aber das Spekulation. Die Musik ist wieder schneller und harscher, eine drückende Stimmung, gesteigert durch die leisen Keyboardklänge. „Into the Heights“ beginnt wieder mit eher klassischen Heavy Metal-Gitarrenlinien, die von hämmerndem Schlagzeug und Keyboard getragen werden. Später wird es dann wieder klassisch schwarzmetallisch, eine schöne Abwechslung. Der Text handelt von einer Art Katharsis und einem befreiten Aufsteigen zu höheren Gefilden. Der Übergang zu „Areakan“ ist fast fließend. Ein klassischer Black Metal Brecher. Schnell, rau, hart, kompromisslos. Der Text handelt soweit ich es erkennen kann, von armenischer Mythologie und frühen armenischen Stämmen. Der letzte Song „Insane Silence“ legt nochmal richtig los,  wechselnde Melodien, zum ersten Mal mehr Raum für das Keyboard, ohne dass es unpassend wirkt. Mal melodisch ruhig, mal metallisch rasend. Es werden nochmal alle Register gezogen und nach 6:29 Minuten ist Schluss.

Ich bin beeindruckt! Ich hatte schon etwas erwartet, aber trotzdem bin ich wirklich überwältigt. Von der ersten bis zur letzten Minute hat mich das Album gefesselt. Der Sound ist klassischer Black Metal, aber durch das Keyboard um so viel Stimmung erweitert ohne das auch nur einen Augenblick  ein abgleiten ins Kitschige/Epische droht. So muss dieses Instrument im Black Metal eingesetzt werden! Da können sich viele Bands ein Beispiel nehmen. Das Album ist düster und dreckig, gut abgemischt und produziert. Die einzelnen Songs sind fast alle über fünf Minuten lang, wirken aber nicht langatmig, durchgehend wird Stimmung erzeugt. Ich wüsste nicht, was mensch da groß kritisieren sollte! DivahaR machen meiner Meinung nach alles richtig. Genug Melodie, genug Härte! Devs Stimme ist klassisch, aber stimmungsvoll und zeigt keine Schwächen. Anspieltipp: Alles!!

Aber widmen wir uns noch abschließend der Bildsprache der Band. Die Outfits sind körperbetont in schwarz und Leder, ohne aufreizend zu sein, jedoch auch nicht im klassischen Black Metal Stil. Hier spricht die Musik für sich, die Künstlerinnen bleiben eher unauffällig, fast schon erfrischend „normal“. Auffällig ist auch, dass der Fokus vom Schlagzeuger weggelenkt wird. Im Video zu „Alien“ ist er eine gesichtslose Gestalt in Kutte im Hintergrund der Band. Das Video arbeitet stark mit schwarz/weiß-Kontrasten und spiegelt den Textinhalt (Ausgestoßenheit, Fremdartigkeit) gut wieder. Schlicht, aber bildgewaltig. Auf den Promofotos zeigt sich die Band in Bühnenoutfit, gerne in einer träumerischen, unwirklichen Natur, die den Fokus zurück auf die Band wirft. Auch hier spiegeln sich Textfacetten wieder.

Freunde des klassischen Black Metal sollten hier definitiv ein Ohr riskieren, es lohnt sich definitiv!

 

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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