Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 6 – Mortals. Oder: Von der Vergänglichkeit des Lebens.

 

Nachdem ich mich jetzt zwei Folgen lang am Kaukasus aufgehalten habe, diesmal wieder eine Reise auf einen neuen Kontinent, zurück nach Nordamerika, diesmal in die USA zu Mortals (Englisch: Sterbliche).

Gegründet wurde die Combo 2009 in Brooklyn, New York und sind bis heute äußerst aktiv. Zurzeit besteht die Band aus dem Dreigespann Caryn Havlik (Schlagzeug), Lesley Wolf (Gesang und Bass) und Elizabeth Cline (Gesang und Gitarre). Havlik und Wolf spielen außerdem noch in anderen Bands, unter anderem Belus und Slaywhore, einer All-Female-Slayer-Tribute-Band. Elizabeth Cline hingegen ist neben dem Musikerinnendasein auch als Journalistin und Autorin tätig. Sie schrieb unter anderem für NewYorker.com, The Daily Beast, New York Magazine, The New Republic und einige weitere Publikationen, veröffentlichte 2012 das Buch „Overdressed: The Shockingly High Cost of Cheap Fashion“ über die Hintergründe von Billig-Mode. Im Rahmen dieses Themas ist die studierte Politikphilosophin auch öfters Gast an Universitäten des Landes, unter anderem dem Fashion Institute of Technology, dem Boston College und der George Washington University.

Neben diesen Aktivitäten ist Mortals auch eine sehr aktive Live-Band, deren Touren sie bereits durch die ganze Welt geführt haben. Erst im vergangenen Jahr tourte die Band ausgiebig durch Europa und spielte auch in Deutschland einige Konzerte (Hamburg, Osnabrück, Köln, München, Leipzig und Berlin). Neben der russischen Gruppe Blackthorn gehört also auch Mortals zu den eher bekannten Bands, denen ich mich hier widme. Obwohl die Band „erst“ seit sieben Jahren existiert, kann sie bereits eine größere Menge an Veröffentlichungen vorweisen. Hierzu zählen neben einer Demo, einer Split-Veröffentlichung mit der Band Repellers, sowie zwei EPs auch die beiden full-length Alben „Encyclopedia of Myths“ (2009) und „Cursed to See the Future“ (2014). Da ich es mir irgendwie angewöhnt habe inzwischen, neben einem kurzen Bandbericht auch eine Rezension eines Albums der Band zu schreiben, werde ich dies auch hier tun, auch wenn sich zu beiden Alben einige Rezensionen online finden lassen. Wie üblich widme ich mich der letzten full-length Veröffentlichung der Band, also „Cursed to See the Future“.

Das Album wurde 2014 durch das amerikanische Label Relapse Records (U.a. MyrkurToxic Holocaust und Razor), bei dem Mortals unter Vertrag stehen, veröffentlicht. Es kommt auf eine Spiellänge von 47:43 Minuten und umfasst 6 Tracks. Die Musik ist dem aktuellen Stil der Gruppe entsprechend eine Mischung aus Black Metal und Sludge. Das Cover zeigt eine apokalyptisch-höllische Szenerie aus Tod und Sterben und ist in schwarz/weiß gehalten. Es ist über diverse Onlinehändler erhältlich und kann auch komplett bei Spotify gehört werden.

Tracklist:

  1. View from a Tower
  2. Epochryphal Gloom
  3. The Summoning
  4. Devilspell
  5. Series of Decay
  6. Anchored in Time

Das Album beginnt heavy mit „View from a Tower“, einem Stampfer im Midtempo für Tod und Vergänglichkeit. Aus einem Meer schwerer Gitarrenriffs  erhebt sich der growlende Gesang, ohne ihn zu dominieren. Weite Teile des Songs kommen jedoch ohne Gesang aus Mit einigen Breaks und Geschwindigkeitswechseln ein spannender Einstieg. Drückend und dröhnend steigt „Epochryphal Gloom“ ein. Unheilvoll und schleppend zäh, ohne eine Spur langweilig zu sein. Im Verlauf der ersten Minuten nimmt das Stück dann etwas mehr Fahrt auf, ohne die drückende Schwere zu verlieren. Der Gesang ist fast Nebensache, tut aber seinen Teil zu einem echten Gänsehaut-Feeling bei. „The Summoning“ fährt von Beginn an ein wesentlich höheres Tempo, aber auch hier dominieren die schweren Gitarrenriffs, die von wummerndem Bass und gemächlichem Schlagzeug flankiert werden. „Devilsspell“ schlägt in die gleiche Kerbe, etwas schneller, unglaublich drückende Gitarrenwände und ein Bass, der einen aus den Stiefeln pusten möchte. „Series of Decay“ beginnt sehr Black Metal-lastig: Schnell, sägende Gitarre, hämmerndes Drumming. Im Verlaufe des Songs kommen auch Doom-Elemente zum Tragen, aber der schwarzmetallische Einfluss überwiegt. Dem tut auch die epische Länge von 9:29 Minuten (längster Song des Albums) keinen Abbruch. Als letztes schickt die Band den kürzesten Song der Platte, „Anchored in Time“ ins Sludge Rennen (haha, Wortwitz…). Hier geht es wieder deutlich doomiger zu, langsamer, drückender und viel Gänsehautpotential. Am Ende wünscht mensch sehr doch irgendwie nochmal die gleiche Spielzeit.

Zusammenfassend: Mortals spielen Sludge/Doom Metal mit einem spürbaren Black Einschlag. Außer dem abschließenden „Anchored in Time“ liegen alle Songs Genretypisch deutlich jenseits der 6-Minuten-Marke. Dabei hat kein Song mehr als ein paar Zeilen Text, aber auf den scheint es der Band auch weniger anzukommen. Vielmehr wollen sie mit ihrer Musik erfolgreich eine erdrückende, düstere Atmosphäre erzeugen. Diese ist eigentlich durchgängig dicht und unheilsschwer. Auf die Texte will ich gar nicht näher eingehen, sie sind stimmig, aber der Musik deutlich untergeordnet. Ein unglaublich stimmungsvolles Album, das mensch sich wieder und wieder anhören kann, ohne dass es dadurch Stimmung einbüßt. Wessen Musikgeschmack Black und Doom umfasst ist hier genau richtig, aber auch Black Metal Purist*innen sollten mal ein Ohr riskieren! Anspieltipp: „Epochryphal Gloom“

Bleibt als letztes noch, die Bildsprache der Band zu untersuchen. Dazu hab ich mir mal das Instagram-Profil der Band beschaut. Dort präsentiert sich das Trio ganz im Gegensatz zur Musik lebenslustig und meist mit einem Lächeln im Gesicht. Auf typische „Poser“-Promofotos wird fast zur Gänze verzichtet, viel häufiger sieht mensch die Bands im Kreis von Fans, Freund*innen und Kolleg*innen. Hier wird quasi keine Kunstfigur für die Bühne erschaffen, die Musikerinnen geben sich komplett natürlich, zeigen nur ihre Freude an dem was sie tun. Das Musikvideo zu „View from a Tower“ kommt zwar in schwarz/weiß-Optik daher, wirkt aber eher untypisch, auch wenn es einen blutigen Roadtrip im Wechsel mit Aufnahmen der Musikerinnen zeigt. Sogar eine Reminiszenz an „Psycho“ findet sich. Genretypische Elemente und Gepose/große Gesten finden sich jedoch nicht. Ein gutes Video allemal, auch wenn es mich etwas verwirrt zurücklässt.

Mensch kann also über Mortals sagen: Drei hochprofessionelle Musikerinnen, die ihr Handwerk sehr gut verstehen. Gute Kompositionen die sehr viel Stimmung erzeugen, hier stimmt einfach die Mischung. Die Drei sind wie gesagt keine Unbekannten mehr, aber vielleicht ist da bei der hohen musikalischen Qualität die geboten wird noch eine Schippe mehr drin! Auch den anderen Beschäftigungsfeldern der Musikerinnen sollte mensch durchaus mal etwas Aufmerksamkeit schenken, denn auch diese können sich durchaus sehen, respektive hören, lassen!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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