Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 7 – Coldnight. Oder: Kalte Nächte in Südamerika

 

Anderer Kontinent, bekanntes Land: Es geht zurück nach Kolumbien, sogar wieder Bogotá. Muss eine fruchtbare Gegend für Bands sein, denn nach Fedra widme ich mich dieses Mal der One-Woman-Show Coldnight.

Im Jahr 2008 begründete die Kolumbianerin Angela Piraban in dem Pseudonym Hypothermia das Soloprojekt Coldnight (Englisch, kalte Nacht bzw. Kaltnacht), mit der Intention ein Ventil für depressive Gefühle zu schaffen. Piraban zeichnet in diesem Projekt für ALLES verantwortlich, sämtliche Instrumente werden von ihr eingespielt und den Gesang übernimmt sie natürlich auch. Nicht mal bei Studioaufnahmen holte sie sich Unterstützung. Nebenbei ist sie noch in zwei weiteren Bands gesanglich tätig, nämlich bei Zenith Maudlin (türkischer Depressive Black Metal) und bei Lifeless, einer internationalen Ambient/Depressive Black Metal Bandkooperation aus Mexiko, Italien und Kolumbien.

Bereits im Jahr des Projektbeginns beteiligte sie sich an einer Black Metal-Compilation mit dem Titel “Sadistic Killingspree”, bevor sie im Jahr 2010 die EP “My Dying Soul” aufnahm und über das US-amerikanische Label Domestiv Genocide Records veröffentlichte. Im gleichen Jahr unterstützte sie das ebenfalls aus Bogotá stammende Soloprojekt Asbel bei der Aufnahme der EP „The Dark the Withered Vol. 1“. Dem folgten im Jahr 2011 ganze drei Split-Alben: „…Sangrentos Bosques Antigos…“ (mit den Bands Satanic Forest aus Brasilien, Black Fog aus Mexiko, Nextlahualini aus Mexiko), „Paths of Sadness“  (mit Annorkoth aus Russland) und „Llévame Lejos“ (mit  Inverno aus Chile und Necrosadik aus Mexiko). Im Jahr 2013 schloss Coldnight einen Vertrag mit dem österreichischen Label Talheim Records (u.a. Psychonaut 4Thyrgrim und Vanhelga) und veröffentlichte dort ihr erstes full-length Album mit dem Titel „Waterfall of Suicides“ auf Kassette in einer Auflage von 100 Stück. Erst 2015 veröffentlichte das ukrainische Label Depressive Illusions Records eine digitale Version des Albums heraus. Diese Albumversion werde ich im Folgenden besprechen. Das Album umfasst 8 Tracks und bringt es auf eine Gesamtspiellänge von 56:05 Minuten und ist musikalisch dem Ambient/Depressive Black Metal zuzuordnen.

Tracklist:

  1. Dawn of Forgotten Souls
  2. Waterfall of Suicides
  3. Torments of Memory
  4. Funeral in Perpetual Snow
  5. Fading Out
  6. Till Forever
  7. Celestial White Stoat
  8. Moonlight Sonata (Beethoven)

Sanft und ruhig beginnt „Dawn of Forgotten Souls“. Eine düstere Kulisse aus melancholischen Klavier- und  Keyboardklängen. So geht es die vollen 8 Minuten des Tracks, während sich die Spannung immer weiter steigert. Erst „Waterfall of Suicides“ erlöst dann schließlich aus dieser ruhigen, aber angespannten Atmosphäre. Nach ruhigem Übergang und dem Rauschen des namensgebenden Wasserfalls setzt die Musik sein, wenn nur mit düsteren weiterem Klavierspiel und zum Ausklang wieder das rauschende Wasser. „Torment Of Memory“ setzt diese quälend ruhige Atmosphäre fort, man erwartet jeder Zeit ein Losbrechen von Gitarren, dass Erlösung verschafft. Aber außer ein paar ruhigen Akkorden passiert nichts, außer dass die Atmosphäre aufrechterhalten bleibt. „Funeral in Perpetual Snow“ lässt neben eisig anmutenden Keyboardklängen zum ersten Mal leise Klänge einer elektrischen Gitarre vernehmen, aber diese Verklingen auch wieder, ohne die Erlösung von harschen Klängen zu gewähren. „Fading Out“ beginnt gewohnt ruhig, aber nach einigen Minuten setzt ein Schlagzeug gleich dem Ticken einer Uhr ein, während im Hintergrund ein unverständliches krächzendes Klagen zu hören ist. Bis zu diesem Punkt zehrt das Album bereits gewaltig an den Nerven, aber nicht störend, sondern eher verstörend. „Till Forever“ beginnt wieder mit ruhigen Klavierklängen und dem Krächzen von Krähen und anderen Naturgeräuschen. Dies zieht sich mit leichten Variationen durch den gesamten Song. „Celestial White Stoat“ beginnt erneut sphärisch und mit nichts außer Klavierklängen auf einem leisen Soundteppich. Als letztes schließt eine Interpretation von Beethovens „Mondschein Sonate“ das Album ab. Wieder ein von mysteriösen Klängen ummanteltes Klavier, welches die bekannte Melodie spielt. Und dann, leises Flüstern, Schluss.

Am Ende bleibe ich aufgewühlt zurück. Die Erlösung durch harsche, typische Black Metal Klänge ist komplett versagt geblieben. Sowieso fehlen fast alle Elemente, die dem Album überhaupt das Zertifikat des Genres geben würden. Und doch würde ich es keinem anderen Genre zuordnen können. „Waterfall of Suicides“ schafft eine melancholisch bedrohliche Atmosphäre, die unglaublich dicht und verstörend wirkt. Ich fühlte beim Hören sehr an „Mein Leben endet“ der Band Grauzeit erinnert, die mit ähnlichen Mitteln eine solche Atmosphäre erzeugen oder an „A little sounds for an empty world“ von Fall to November Sky… wo eine ähnlich depressive Stimmung anklingt. Das Ansinnen der Musikerin, ihre Depression und Einsamkeit in Musik zu kleiden ist definitiv gelungen. Kein Album für einen Headbanger, aber für jeden, der sich so einer Atmosphäre hingeben will um in das Seelenleben eines Menschen abzutauschen. Mein Anspieltipp: Einfach komplett hören! Einen einzelnen Song aus dem Gesamtwerk heraus zu trennen scheint mir wenig sinnig.

In den Promofotos des Projekts spiegelt sich die Stimmung der Musik deutlich wieder. Schwarz/weiß zeigen sie düstere Natur- und Friedhofaufnahmen, auf denen sich Piraban allein und oft stark verfremdet zeigt. In Kombination entsteht daraus ein sehr tristes, deprimierendes und höchst stimmungsvolles Ambiente. Für Menschen, die sich neben harten Klängen auch für ruhige Melancholie begeistern können ist Coldnight definitiv ein reinhören wert. Geboten wird eine sehr eindrückliche Klangkunst, die kaum jemanden kalt lassen dürfte. Ich will gar keine weiteren großen Worte verlieren und mir das Ganze lieber noch einmal anhören. Die Musik spricht für sich!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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