Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 11 – Castrator. Oder: Es geht auch andersrum.

Bildquelle: Castrator Facebook

Damit hier keine musikalische Monokultur entsteht, heute mal wieder etwas Death Metal. Willkommen zurück in den USA! Heute geht es nach New York zur der Band mit dem so wohlklingendem Namen Castrator! Ich hatte ja mal einen kleinen Text zu sexistischen Texten im Extreme Metal geschrieben und auch der Vice Magazine-Ableger Noisey hat diesem Thema einen längeren Artikel gewidmet. Darin fand diese Band Erwähnung, die den Spieß einfach mal umdreht. Grund genug für mich, dieser Band einen Platz in meiner Reihe zu widmen.

Castrator kommen aus New York und sind seit 2013 aktiv, wobei die Mitglieder aus verschiedensten Teilen der Welt, wie Mexiko und Kolumbien, stammen. Das Viergespann besteht aus den Musikerinnen R.M. (Robin Mazen, Bass), C. Perez (Carolina Perez, Schlagzeug), P. Serrano (Priscila Serrano, Gitarre, Vocals) und M.S. (Mallika Sundaramurthy, Vocals). Auch wenn die Band in dieser Form erst seit Kurzem existiert haben alle Mitglieder bereits in zahlreichen Band Erfahrung gesammelt, u.a. Hypoxia DerkétaCerebric Turmoil und Abnormality. In ihrer kurzen Schaffensperiode brachte es die Band bis dato immerhin auf eine Demo von 2014 und auf die EP „No Victim“ im vergangenen Jahr. Das aktuelle Label, auf welchem auch die EP erschien, ist Horror Pain Gore Death Productions aus Philadelphia, Pennsylvania. Für die Rezension hab ich die digitale Version der EP von der Bandcamp-Seite der Band erworben, wo diese zum schmalen Preis von 4$ zu haben ist.

Die EP „No Victim“ umfasst 4 Songs mit einer Gesamtdauer von knapp einer viertel Stunde. Sie erhielt von mehreren Plattformen (Metal Injection, Metal Riot, Encyclopaedia Metallum) durchweg gute Kritiken, was einen spannenden Hörgenuss erhoffen lässt. Gemixt und gemastert wurde in den Full Force Studios, wobei die Disc-Version auf 500 Kopien limitiert ist. Die Gesamtdauer beträgt etwas unter einer Vierstunde.

Track List:

1. Honor Killing
2. Brood
3. The Emasculator
4. No Victim

Intro? Ist nicht! Ohne Vorspiel wird hier sofort das Gaspedal durchgetreten und die Geschütze auf Dauerfeuer gestellt. „Honor Killing“ bricht sofort gewaltsam über mich herein. Schepperndes Schlagzeug, tiefe, grollende Gitarren und ebenso tiefe wie giftig-böse Growls. Der Text handelt von einer jungen Frau, die von ihrem Mann brutal unterdrückt, missbraucht und schließlich ermordet wird, ohne das daraus Konsequenzen erwachsen, mit dem Ziel weibliches Empowerment zu unterdrücken. Die Thematik wird in schonungsloser Weise in der Musik fortgeführt. Rasendes Tempo, von Anfang bis Ende, allerdings mit teilweise melodiösen Gitarrenlinien. „Brood“ handelt von der Plage Mensch, die durch fehlende Verhütung oder Abtreibung unkontrolliert die Erde überflutet. Musikalisch geht es auch hier wieder harsch zur Sache, mit rasendem Schlagzeug und dröhnenden Gitarren, auch Tempo nehmen Castrator nicht wirklich raus. Überraschend sind einige hohe Gitarrenparts, die kurz aufblitzen und wieder verschwinden. „The Emasculator“ gönnt sich ein Intro-Sample, in dem eine Frau offenbar einen Typen aufschlitzt der sie „cunt“ nennt. Danach bricht die volle Gewalt von neuem los. Die Gitarrenlinien sind diesmal nicht ganz so tief, wirken fast melodisch, bevor wieder die fiesen Growls einsetzen. Der Song wirkt insgesamt etwas eingängiger und melodischer und ist reich an musikalischer Abwechslung, wobei die Saitenfraktion wirklich zeigen darf, was sie kann. Gegen Ende wird es fast doomig, sehr cool! Textlich geht es wieder um Empowerment, das Umdrehen des Spießes. Der Text zeigt, warum die Band diesen Namen hat!  Als letztes spielt die Band auf zum titelgebenden Track „No Victim“, der davon handelt, wie eine Frau den Mann ersticht, der sie droht zu vergewaltigen um eben kein Opfer zu werden. Der etwas langsamere Song schafft mit einer grandiosen Gitarrenarbeit eine bedrückende, bedrohliche Stimmung. Wirklich ein großartiger Abschluss!

Castrator sind ein wahres Schlachtschiff. Der Sound ist roh und kompromisslos, lässt aber nicht ein gewisses Maß an Melodiösität vermissen. Die Growls sind tief, böse und über jeden Zweifel erhaben. Ich verstehe den Text zwar kaum, aber die Stimmung kommt definitiv rüber. Das Schlagzeug klingt scheppernd und metallisch, was aber im Ganzen sehr stimmig wirkt. Die Saitenfraktion dröhnt einen richtig gut zu, Zeit aber auch immer wieder, dass sie auch anders kann, da sind immer wieder Stellen, die mich überrascht aufhorchen ließen. Castrator werden definitiv nicht langweilig! Die Texte sind hoch politisch und gesellschaftskritisch, sie legen den Finger in viele Wunde, wirken aber nie aufgesetzt sondern einfach passend in ihrer brutalen Offenheit. Mein Anspieltipp ist ganz klar „The Emasculator“, da die Band hier einfach facettenreich ihr Können präsentiert. Für das schmale Geld kann man sich diese EP wirklich mal gönnen!

Von der Bildsprache her zeigen Castrator sich als Menschen die Spaß haben und lachen können, lassen aber auch einige „Poser“-Fotos nicht vermissen, auf denen sie sich zum Teil mit fiesen Werkzeugen zeigen (s.o.). Weiblichkeit wird hier weder explizit herausgestellt, noch explizit vermieden, einfach „normale“ Frauen, die böse Musik machen. Die Artworks sind wie es im Death Metal durchaus üblich ist, düster und durchaus offen in der Darstellung von Gewalt und Tod.

Ich darf sagen, dass Castrator eine recht einzigartige Band sind, weniger in ihrer exzellenten musikalischen Arbeit als in ihren Texten und Staments. Vielleicht müsste es mehr Bands dieser Sorte geben, einfach um Bands wie Wifebeater etwas entgegen zu setzen. Castrator können jedem geneigten Death Metal Hörendem anempfohlen werden und grade wegen ihren Aussagen haben sie in meinen Augen einen besonderen Stellenwert!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 10 – Nachtlieder. Oder:

Bildquelle: Encyclopaedia Metallum

Wow, schon die zehnte Nummer meiner Darkly Venus Aversa-Reihe. Und keine Ende in Sicht! Und wohin führt meine musikalische Reise heute?

Willkommen zurück in Europa, wieder mal in Skandinavien, genauer gesagt Schweden, ein Land, das dem Extreme Metal schon so viel geschenkt hat. Und wieder widmen wir uns einem One-Woman-Project, aus einer Stadt, die einem ganzem Subgenre ihren Namen geschenkt hat: Göteborg! Allerdings geht es heute nicht  um melodischen Death Metal wie ihn anderer Kinder dieser Stadt (wie  At The GatesDark Tranquillity und In Flames) praktizieren, sondern um den Black Metal des One-Woman-Projects Nachtlieder.

Nachtlieder ist das Projekt der Schwedin Dagny Susanne (Voller Name: Karin Dagny Susanne Hansson), die sämtliche Instrumente einspielt und auch den Gesang übernimmt. Das Projekt wurde 2008 begründet und ist bis heute aktiv und hat bereits eine Reihe an Veröffentlichungen vorzuweisen. Neben zwei Demos aus dem Jahr 2009 und einer Promo-EP in 2010, wurden bereits zwei full-length Alben herausgebracht. 2013 erblickte das erste, selbstbetitelte Album das Licht der Welt und erst letztes Jahr folgte mit „The Female of the Species“ der zweite Streich. Die Band steht zur Zeit beim italienischen Label I, Voidhanger Records (u.a. Ysegrin und Serpent Ascending) unter Vertrag, über das auch das letzte Album veröffentlicht wurde, während das erste noch bei Unmerciful Death Productions (u.a. Taarma und Seeds of Iblis) erschien. Die Alben sind beide über Spotify einhörbar und ich werde mich natürlich der neusten Veröffentlichung im Review widmen.

Das Album „The Female of the Species“ wurde im Necromorbus Studio aufgenommen und erhielt mittelmäßige (4/10 bei Metal Injection, 5/10 bei Metal1.info) bis gute Kritiken (70% bei Encyclopaedia Metallum, 4 von 5 Sternen bei New Noise Magazine). Bei einer Gesamtlaufzeit von 40 Minuten umfasst es 8 Tracks, wovon der längste fast 8 1/2 Minuten läuft.

Track List:

  1. Malice, Come Closer
  2. Nightfall
  3. Fatale
  4. Lonely Mortal
  5. Eve
  6. Silence and Devastation
  7. Cimmerian Child
  8. The Female of the Species

Langsames Einsteigen durch ein Intro gibt es bei „The Female of the Species“ nicht. Der erste Track „Malice, come closer“ legt gleich los, relativ klassischer Black Metal, mit relativ hohem Tempo, einigen Variationen und schön sauber eingespielt, so dass alle Aspekte der Musik klar erkennbar sind. Susannes Gesang ist markant, hätte aber beim Abmischen etwas mehr herausgestellt werden dürfen. Textlich handelt der Song von der Geburt eines Menschen und der Prophezeiung dessen Schicksals. „Nightfall“ erhöht das Tempo nochmal um eine Spur, hat aber auch seine ruhigeren Momente, bevor die volle Wucht wieder losbricht. Besonders die Gitarrenlinien wissen zu gefallen, das Schlagzeug hätte etwas markanter abgemischt werden dürfen. Der Text schildert das Hereinbrechen der Nacht gleichsam ruhig wie düster und gefährlich. Das sich anschließende „Fatale“ beginnt langsamer und unheilschwanger, schleppt sich einige Zeit düster dahin, bevor wieder die musikalische Gewalt losbricht. Textlich geht es hierbei um brennende Wut und verzehrendes Feuer. Der Song macht durch seine Stimmungs- und Tempiwechsel sehr viel Freude. „Lonely Mortal“ hingegen rast mit einer kurzen Atempause im Mittelteil die volle Länge durch, während Susanne von zerfressender Einsamkeit singt. Richtig doomig beginnt nun „Eve“. Der Song baut sich langsam auf und erschafft eine unglaublich dichte Stimmung. Der Text umfasst nur 9 kurze Zeilen, aber mehr ist bei der Eindrücklichkeit der Musik auch gar nicht nötig, denn diese sing unglaublich gut vorgetragen. Bisher mein Favorit! „Silence and Devastation“ beginnt mit dichten Gitarrenwänden, bis das Schlagzeug die Geschwindigkeit harsch voran treibt und Susanne von eine unwirklichen und zerstörten Landschaft sing. Etwas langsamer Zeit sich „Cimmerian Child“, das von vernachlässigten Kinder handelt, die zu grausamen Kreaturen voll Hass und Blutlust verkommen sind. Nicht so doomig wie „Eve“ aber ebenfalls sehr stimmungsvoll. Den Abschluss bildet der über acht Minuten lange Titeltrack „The Female of the Species“, das nach meiner Auffassung von einer Frau handelt, die sich von der Herrschaft/Unterdrückung von Männer („madmen“) befreit. Nach einem unheilvollen, langsamen Einstieg steigert sich das Tempo, bis es in wilder Raserei aufgeht. Einige musikalische Variationen und Wechselspiele, dann ist leider Schluss.

Nachtlieder bewegen sich musikalisch zwischen Black Metal und black-metal-angehauchtem Doom. Eine Mischung die mich überzeugt, wobei die die langsamen Passagen fast mehr mochte, als die schnellen Parts. Anfangs wirkte das Album etwas eintönig, aber spätestens mit „Fatale“ wurde die Vielfallt offenbar und zog sich dann auch den Rest des Albums durch. Die Aufnahmequalität ist gut, bei der Produktion hätte mensch Gesang und Schlagzeug noch etwas herausarbeiten können, aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Alle Instrumente sind auf hohem Niveau eingespielt, was bei einem Solo-Projekt eine grandiose Leistung ist. Hier stimmt alles. Mir hat das Album gut gefallen. Meine Anspieltipps sind „Eve“ und  „Cimmerian Child“.

In der Bildsprache arbeitet Dagny Susanne mit klassischen Black Metal-Elementen wie schwarz/weiß-Bildern und Naturmotiven. Diese sind sehr stimmungsvoll und kommen vollkommen ohne sexualisierte Elemente aus. Das Outfit unterstützt den hexenhaften Charakter, der sich auch in manchen Songs widerspiegelt. Auch der Apfel, den sie auf dem Titelbild in Händen hält gibt Verweise auf Märchen und die biblische Genesis. Die Bildsprache spiegelt Musik und Texte wieder und sorgt für ein abgerundetes Bild.

Wer klassischen Black Metal liebt und auch Doom Metal was abgewinnen kann, ist bei Nachtlieder an der richtigen Adresse. Hier gibt es schnörkellose, aber nicht eintönige Black Metal-Kost für den geneigten Fan. Auch nach mehrmaligem Durchhören hat entfaltet die Musik weiterhin ihren Reiz und mensch findet immer neue Aspekte. Von einem Solo-Projekt kann mensch einfach nicht mehr verlangen!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 9 – Myrkur. Oder: Viel Feind, viel Ehr!

Bildquelle: Encyclopaedia Metallum

Diesmal decke ich quasi zwei Länder auf einmal ab. Die One-Woman-Show Myrkur stammt aus Dänemark, begann jedoch erst in den USA unter diesem Namen zu musizieren. Und diese Musik beziehungsweise die Musikerin hat jetzt schon hohe Wellen geschlagen.

Aber erstmal zur Historie. Myrkur (Isländisch, „Dunkelheit“) wurden erst im Jahr 2013 von der gebürtigen Dänin Amalie Bruun gegründet, nachdem sie in die USA ausgewandert ist. Ihr Pseudonym ist gleich dem Bandnamen. Zurzeit steht das Projekt beim US-amerikanischen Label Relapse Records (u.a. MortalsToxic Holocaust und Razor) unter Vertrag. Für ihre Live-Auftritte versammelt sie um sich Musiker verschiedener Bands wie Øyvind Myrvoll (Nidingr), Morten Bergeton Iversen aka Teloch (u.a. Mayhem und Nidingr) und Stian Kårstad aka Sir (u.a. God Seed und Nidingr). Trotz des erst kurzen Bestehens des Projekts/der Band kann diese bereits auf eine ansehnliche Zahl an Veröffentlichungen zurück blicken. Das Werk umfasst bis dato ein Demo, drei Singles, die EP „Myrkur“ und das full-length Album „M„. Dabei fallen die Bewertungen je nach Plattform und Rezensent sehr unterschiedlich aus, von schlecht bis sehr gut ist so gut wie alles vorhanden.

Dies bringt mich zu einem Punkt, der Myrkur aus der Riege der bisherigen Bands heraus stechen lässt: Die Kontroverse! Von Anfang fand ein starker und sehr emotionaler „Diskurs“ um die Musik und das Projekt an sich statt. Dabei ging es oftmals wohl weniger um die Qualität der Musik an sich, sondern um die Person Bruuns, ganz deutlich gesagt: Um ihr Geschlecht! In kaum einem mir bekannten Diskurs um eine Band trat der Sexismus in der Art krasser Form zu Tage. Warum es grade Myrkur traf, mag vor allem zwei Gründe haben. Zum einen wird (Post) Black Metal (evtl. könnte mensch die Band mit der sehr fragwürdigen Bezeichnung „Hipster Black Metal“ versehen) gespielt und zum anderen fand das Projekt rasch über die Szene hinaus Aufmerksamkeit. Dies resultierte ins besondere von der Seite der „traditionellen“ Black Metal Community zu einer Reaktion die mensch als Shitstorm bezeichnen müsste, der sogar in mehreren Morddrohungen gegen Bruun gipfelte. Auslöser durfte schlicht und einfach der Fakt sein, dass manche Leute (bzw. Männer) in einer Frau, die Black Metal macht und damit auch noch über die Szene hinaus Bekanntheit generiert, eine Bedrohung für den „trven“ (wer besonders hart ist schreibt das mit V!) und harten Black Metal sehen. Ich finde das extrem abstoßend und traurig, aber es ist leider nicht neu, dass sich ein Teil des Black Metal Community durch aggressive Abgrenzung definiert. Hier ein Artikel des Vive-Ablegers Noisey zu den Vorfällen. Auf Grund dieser Ereignisse ist es inzwischen auch nicht mehr möglich, sich z.B. via Facebook persönlich an die Musikerin zu wenden.

Dabei sollte es doch um die Musik gehen. Mir geht es jedenfalls um die Musik und deshalb beschäftige ich mich auch hier mit dem Werk „M“, das in der Deluxe Version bei Spotify jedem/jeder zum Hören zur Verfügung steht. In dieser Deluxe Version umfasst das Album 12 Tracks bei einer Spielzeit von 41:52 Minuten. Die Wertungen in der Encyclopaedia Metallum gehen von 4% bis 85%, was verdeutlicht, wie sehr dieses Projekt spaltet und polarisiert. Die Texte sind in dänischer Sprache gehalten, weshalb ich mich auf die Wirkung der Musik konzentriere.

Tracklist:

  1. Skøgen skulle dø
  2. Hævnen
  3. Onde børn
  4. Vølvens spådom
  5. Jeg er guden, i er tjenerne
  6. Nordlys
  7. Mordet
  8. Byssan lull
  9. Dybt i skoven
  10. Skaði
  11. Norn
  12. Skaði – Demo

„Skøgen skulle dø“ („Die Hure soll sterben“) beginnt mit klarem weiblichen Gesang und einer Mischung auf Geigen- und Gitarrenklängen. Dann setzt ein schleppendes Schlagzeug ein und typische post black metallisch anmutende Gitarrenparts begleiten den Gesang den Rest des Songs, der mit düsteren, ruhigen Tönen ausklingt. Unheiverheißende Gitarren leiten auch den nächsten Song, „Hævnen“ („Rache“), ein. Der Song ist vom Tempo eher schleppend, der Gesang besteht aus keifenden, sehr dumpfen Screams, die sich mit hellem Klargesang abwechseln. Auch die Musik schwankt zwischen schnellen, aggressiven und ruhigen, melodischen Parts. Mit diesen ruhigen Parts endet der relativ kurze, aber nicht weniger intensive Song. „Onde børn“ („Böse Kinder“) beginnt mit den hohen, flirrenden Gitarren, die im Post Black Metal/Blackgaze oft verwendet werden. Diese sind mit einem starken Hall-Effekt unterlegt. Dazu erklingt wieder Bruuns klarer Gesang.  Der nächste Song, Vølvens spådom („Weissagung der Seherin“; das erste der 16 Götterlieder des „Königsbuchs“ Codex Regius), besteht aus sphärischem Klargesang, die nicht musikalisch Begleitet werden und den Text eben dieses Götterliedes rezitieren. Nach etwas über anderthalb Minuten endet das kürzeste Stück der Platte. „Jeg er guden, i er tjenerne“ („Ich bin der Gott, im Gewand“) setzt auf den gleichen Gesang, wartet aber wieder mit schleppendem Schlagzeug und Gitarrenklängen auf. Mit Klavierspiel beginnt dann „Nordlys“ („Nordlicht“), der sich von sphärischen Klängen und klarem Gesang begleitet durch das gesamte Stück zieht. Ein sehr ruhiges, bedächtiges Lied. „Mordet“ („Attentat“) hingegen steigt mit schnellen, rockigen Gitarren ein. Hier finden sich auch wieder die dumpfen Screams. Von einem etwas ruhigeren Teil in der Mitte abgesehen, dass bisher schnellste und härteste Stück. Ganz anders wieder das nächste Stück, der schwedische Folksong „Byssan lull“ („Byssans Flaute“). Hier sind wieder nur ruhige Klavierklänge und Brunns klarer Gesang zu hören.“Dybt i skoven“ („Tief in den Wäldern“) ist quasi eine Symbiose der bisherigen Elemente, hier paaren sich der klare Gesang mit elektrischen Gitarren und Schlagzeug zu einer eingängigen Melodie. „Skaði“ (Nordische Göttin der Jagd und des Winters) ist das, was einem klassischen Black Metal Song am nächsten kommt, mit schnellen Gitarren und Schlagzeugparts, was musikalisch sehr gut zur Thematik eines harschen Winters und der Jagd passt. Hier zeigt Bruun, dass sie Black Metal kann, wenn sie will. „Norn“ (altnordisch für „Norne“) als abschließender Song des Albums ist ein rein instrumentales Klavierstück. Ein stimmungsvoller Abschluss. Als Bonus gibt es dann noch eine raue Demo-Version von „Skaði“

„M“ ist ein ungewöhnliches Album und Myrkur spielen auch eine ungewöhnliche Form des Black Metal. Melodische und harte Parts halten sich die Waage, eine Mischung aus sphärischen, ambientigen und harschen Klängen. Diese Musik muss in Black Metal polarisieren, ist sie doch selbst für den experimentierfreudigen Post Black Metal/Blackgaze ungewöhnlich. Einige Stücke sind fraglos diesem Genre zuzuordnen, der Rest ist eher folklorische Musik, die einem Bilder von Skalden, den skandinavischen Hofdichtern, vergleichbar mit den mittelalterlichen Minnesängern, ins Gedächtnis ruft. Zwischen diesen gegensätzlichen Elementen schafft Myrkur ein sehr eindrückliches Bild ihrer skandinavischen Heimat. Wer hier klassische, harsche Black Metal-Klänge erwartet wird wahrscheinlich vor den Kopf gestoßen sein, so mensch sich nicht darauf einlässt und sich der Bilderwelt von Natur und Mythen hingibt, die Bruun mit ihrer Musik malt. Myrkur bricht mit Erwartungen und Konventionen, was, so mensch sich darauf einlässt, eine wundervolle musikalische Reise bedeutet. Nichts für den eingefleischten Headbanger, aber für jeden der Gefallen an musikalischen Bildern hat. Die musikalisch eingeschlagene Linie findet sich auch in der Bildsprache wieder. Auch hier bricht Myrkur mit Konventionen, so zeigt sich  Bruun zum Beispiel in weißen Gewändern vor skandinavischer Kulisse.

Ich kann hier keine einzelne Hörempfehlung aussprechen, das Album sollte in seiner Gesamtheit gehört und genossen werden. Eher was für Menschen, die auch mit Folk Musik und Ambient etwas anfangen können, als für die, die nur auf harte, raue Klänge stehen.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters – White, male and privileged! Teil 5 – Wichtige Kleinigkeiten. Oder: Der Feminismus™ ist bööööse!

Der Kabarettist Jochen Malmsheimer hat einmal gesagt:

 „Unser Leben besteht zu weit über 100% aus Kleinigkeiten, wenn die schon Scheiße sind wie sollen sich dann die Großigkeiten entwickeln.“

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail und große Probleme scheinen meist so monumental, dass mensch sich als Einzelperson und auch als Gruppe oftmals als machtlos empfindet. Aber Kleinigkeiten sind leichter zu erfassen und oft auch zu beseitigen.

Warum diese Einleitung? Was hat das mit dieser Rubrik in meinem Blog zu tun? Nun, mir (und vielen anderen) ist aufgefallen, dass mensch, wenn er kleine Probleme anspricht oder bekämpfen möchte, gerne mit Totschlagargumenten beworfen wird. In der Debatte über Armut in Deutschland kommt irgendwann IMMER jemand der sagt, dass es den angeblichen armen Menschen bei uns im Vergleich zur Armut in Afrika doch sehr gut ginge und das doch viel wichtiger wäre. Dies dient aber nicht dem Aufruf, die Probleme in Afrika zu bekämpfen, sondern den Diskurs abzutöten, in dem mensch ihm die Legitimation abspricht. Und auch in der Debatte um den Feminismus werden diese Totschlagargumente zu Hauf ins Feld geführt. Neustes Beispiel ist ein Text mit dem Titel „Die feministische Selbstdemontage“ der Bloggerin Meike Lobo in der Zeit. Dabei handelt es sich um eine Generalabrechnung mit „dem Feminismus™“ wie Frau Lobo ihn missversteht. Die geistige Schwester von Ronja von Rönne zählt hier auf, warum der Feminismus schlecht, nicht erfolgreich, gar überflüssig ist und schöpft dabei auf den vollen Töpfen der Maskulinisten/Anti-Feministen.

Das Begreifen des Textes war für mich eine Art Reifungsprozess. Zuerst dachte ich „Ja!“, denn „hm, nee…“ und schließlich „NEIN!“, denn viele Punkte scheinen auf den ersten Blick durchaus sinnig, entpuppen sich beim zweiten Lesen und Nachdenken allerdings als reaktionärer Mist. Ziemlich schnell wird klar, dass Frau Lobo dem „modernen Feminismus“ am Liebsten über einen Kamm schert. Eine Differenzierung verschiedenster Strömungen innerhalb des weiten Feldes der feministischen Ansichten findet halbherzig statt und ignoriert sogar große Strömungen und Diskurse völlig. Vielmehr ist es ihrer Meinung nach der Feminismus selbst, der  „allzu oft Ressentiments schürt, auch unter potenziellen Unterstützern.“ Aha, „der Feminismus“ ist also für die negative Meinung über ihn selbst verantwortlich? Steile These! Beweise sind für Lobo angebliche „schwarze Listen“, die generelle Ablehnung männlicher Feministen, Ablenkungsmanöver, je nachdem aus welchem Lager die betreffende Feministin kommt. Moment! Verschiedene Lager die es eigentlich, nach Lobos Logik, gar nicht gibt? OK?! Auch die generelle Ablehnung männlicher Feministen ist eine absolute Nebelkerze aus dem Arsenal der Maskulinisten. Mir ist jedenfalls noch nie verboten worden, mich zu solchen Themen zu äußern! Ich wurde einmal sogar explizit ausgewählt an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen um ein gleichmäßiges Geschlechterverhältnis herzustellen (Mehrfach Diskriminierte waren leider nicht beteiligt, ein Manko wie ich finde, aber nicht immer zu vermeiden).

Was ist denn nun Schuld am schlechten Außenbild des Feminismus? Nach Lobo „neben der Kritikresistenz die Übererregbarkeit weiter Teile der feministischen Bewegung.“ Es wird sich also zu laut aufgeregt. Noch dazu über, nach Lobos Meinung, „kleine Konfliktchen“. Mit der Verniedlichung von Problemen zeigt sie, dass sie der Meinung ist, dass es den Frauen hier zu Lande doch total gut geht und sie nicht um solche Lappalien wie sexistische Witze so ein Aufhebens machen sollen. „Es geht ihnen hauptsächlich darum, ein Ventil für ihre Wut zu finden, und dafür scheinen ihnen auch niedrigere Anlässe willkommen.“, so Lobo. Und wer wütend ist, wenn weltweit anerkannte Wissenschaftler sich sexistisch in Kleidung und Wort äußern, der ist „laut, paranoid und nicht im entferntesten an einer Welt, in der alle Geschlechter friedlich und ebenbürtig miteinander leben, interessiert.“ 

Paranoia ist nach Definition eine psychische Störung, in deren Mittelpunkt Wahnbildungen stehen. Die Betroffenen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umgebung in Richtung auf eine feindselige (im Extrem bösartig verfolgende) Haltung ihrer Person gegenüber. Ich mag mich irren, aber wenn mehr als 50% der Bevölkerung noch immer schlechter bezahlt werden, die Gesellschaft offensichtlich immer noch männlich dominiert ist, jede zweite Frauen Opfer sexueller Belästigung geworden ist, dass der weibliche Körper noch immer Verfügungsmasse oberflächlicher Kriterien ist, Bewegungen wie Pick-Up-Artists die Unversehrtheit der Frau in Frage stellen, dass Frauen noch immer die Selbstbestimmung über ihren Körper von staatlicher Seite und religiöser Seite verwehrt wird, ist das keine wahnhafte Einbildung! Sondern patriarchale Realität! Lobo vergleicht das süffisant mit einem Kind, dass „Feuer!“ schreit, obwohl es nicht brennt. Die Realität ist, dass es an jeder Ecke brennt, in unzähligen Köpfen, in unzähligen Handlungen! „Der Feminismus™“ würde gehörig was falsch machen, wenn er nicht wütend und laut immer wieder die Konfrontation mit einem System der Missstände suchen würde. Nur durch das unbequeme und laute Aufzeigen können Dinge ins Bewusstsein geholt und verändert werden! Mensch zeige mir die soziale Bewegung die durch stilles und demütiges Bitten etwas erreicht hat! Es muss sich hoffentlich immer erst eine Frau vor ein Pferd werfen um etwas zu bewegen! Laut sein geht auf verschiedene Art und Weise.

Und „der Feminismus™“ ist bunt und divers genug um dies zu erfüllen. Er ist eben nicht die Bewegung der weißen Oberschichtsfrauen, die angeblich nur die „Alphamänner“ kopieren. Es gibt den Care-Feminismus, dessen Existenz Lobo so eindrücklich leugnet, es gibt, es gibt Queer-Feminismus, es gibt die Bewegung der FWD („Feminists with disabilities“) und so weiter und so fort! Und es gibt männliche Feministen, die keine verkappten Besserwisser und Bevormunder sind. Die sich für einen lauten und unbequemen Feminismus einsetzen. Und es wird ihnen nicht der Mund verboten oder sie auf eine schwarze Liste gesetzt. All das, was Lobo kritisiert, mag es geben. Mit Sicherheit. Aber es sind eben nur Facetten eines großen Prismas einer diversen Bewegung!

Enden möchte ich mit einem Zitat des Bloggers misharrg, dem auch nicht der Mund verboten wird: „Der größte Erfolg des Patriarchats war ja, klugen Frauen einzureden, es gäbe längst Gleichberechtigung, Der Feminismus™ nur noch hysterisch und selber schuld.“

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Skynet Rising. Oder: Gefahren durch KI?

Ich bin durchaus ein technikaffiner Mensch. Ich habe seit früher Kindheit Umgang mit Computern gehabt und auch mit allerhand anderen technischen Geräten. Ein Smartphone habe ich erst seit ca. einem halben Jahr, doch es ist jetzt schon ein integraler Bestandteil meines Lebens. Die Technisierung und Digitalisierung unsrer Gesellschaften schreitet unentwegt voran und es sieht nicht so aus, als würde sich dieser Trend verlangsamen oder umkehren lassen. Auch der Transhumanismus wird immer stärker diskutiert, Biohacking nimmt immer größere Ausmaße an. Künstliche Gliedmaßen und auch Sinnesorgane können immer mehr Menschen helfen und werden immer besser und ausgefeilter. Ich denke es wird in diesem Zuge nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die diese künstlichen Körperteile die biologischen Originale überflügeln und auch „gesunde“ Menschen darüber nachdenken werden, ihren Körper damit zu verbessern anstatt nur Verletzungen zu korrigieren. Ich selber könnte mir das durchaus vorstellen, wenn die Zeit kommt.

Auch die Forschung im Bereich der Robotik und der KI können immer größere Fortschritte aufweisen. Erst heute schlug AlphaGo, ein „Programm“ der Google-Tochter DeepMind einen der weltbesten Go-Spieler. Und die Videos von Atlas, dem neusten Roboter von Bosten Dynamics, der sich problemlos über unebenes Gelände bewegen kann und mit Ausfallschritten auf einen Stoß reagiert, gingen viral durch das Netz. Und das sind nur die bekannten und herausragenden Erfolge.

Doch wieder einmal werden in diesem Zusammenhang kritische Stimmen laut. Diese kommen aus unterschiedlichsten Richtungen und sind teilweise sehr überraschend. So berichten der Youtuber Le Floid  und das Vice Magazin darüber, dass viele Personen, die die Videos des gestoßenen und geschubsten Atlas schauten, mit Mitgefühl für diese MASCHINE reagierten. Und ich habe bei mir ähnliche Reaktionen festgestellt. Aus irgendeinem Grund triggert dieses Videos bei mit Mitleid. Atlas wird vermenschlicht, was vielleicht an seiner ähnlichen Anatomie liegt. Und im Bereich der Künstlichen Intelligenzen warnen zum Beispiel jene AlphaGo-Entwickler DeepMind, aber auch andere Technikexperten (u.a. Professoren des MIT sowie IBM und Microsoft Research) vor der Gefahr durch KIs. Sie stellten gemeinsam einen Katalog mit Richtlinien für die sichere KI-Forschung auf. In einem Zeitalter von semi-autonomen Waffensystem und einem Engpass von Dronenpiloten bei der US Airforce, in Zusammenhang mit der Tendenz dazu menschliche Arbeitskraft durch maschinelle/digitale zu ersetzen ein spannendes Thema.

Da ich nicht nur Technik-Fan, sondern auch Pen-and-Paper-Rollenspieler bin, muss ich in diesem Zusammenhang oft an Shadowrun denken, einem System, welches in einer dystopischen, nahen Zukunft spielt, in der Transhumanismus und KIs allgegenwärtig sind. Allerdings sind dort mit KIs tatsächliche digitale Persönlichkeiten mit eigenem freien Willen gemeint. AlphaGo würde in diesem System als semi-autonomer Knowbot (SK) bezeichnet, einer Software/Maschine die gewisse Dinge selbst regeln und sich entwickeln kann, im Großen und Ganzen aber eine „seelenlose“ Hülle ohne Selbstbewusstsein ist. Der Übergang von einem SK zu einer echten KI bezeichnet das System als „X-Faktor“, einem nicht künstlich herbeiführbaren Ereignis, dass zum Selbstbewusstsein führt. Der Film „I, Robot“ behandelt ein ganz ähnliches Thema, hier wird vom „Geist in der Maschine“ geredet, über zufällig zusammenkommende Code-Fragmente, welche auf einmal ein „ICH“ hervorbringen. Sicher, dass klingt alles sehr fantastisch, aber wenn führende KI/Technik-Größen sich zu einer Vereinbarung über sichere KI-Forschung zusammen tun, zeigt, dass dies nicht nur bloße Fiktion ist. Mensch traut offenbar jetzt schon seiner eigenen Schöpfung nicht mehr, wenn so ein Bedrohungsszenario als denkbar gilt.

Wahrscheinlich sind es zwei Dinge, die Hand in Hand gehen müssen: Vermenschlichung und Misstrauen. Störfaktoren der Technik werden gerne mit „menschlichem Versagen“ bezeichnet. Daraus ließe sich das Fazit ziehen, dass eine Maschine, die immer menschlicher wird, ihre Unschuld verliert. Was autonom denkt und arbeitet, ist für seine Fehler selbst verantwortlich. Ist das vielleicht das Erwachsenwerden der Technik? Vom unmündigen, kindlichen Werkzeug zum erwachsenen, selbstverantwortlichen Wirkenden?

Ich finde das ein unglaublich spannendes Szenario. Und ich hoffe, diese Zukunft noch zu erleben. Und das wir dann gewappnet sind.  Asimov’sche Gesetze, anyone?

Aber weil es mir grade noch einfällt und es zum Kontext der sicheren KI-Forschung passt: Wie entstand eine besondere KI in Shadowrun? DEUS entstand aus einer semi-automen Managementsoftware die der Steuerung eines riesigen Wohnkomplexes diente. Sie war fest in die Hardware eingebettet und mit Hilfe einer Vorstellung von Ehre auf absolute Loyalität zu ihrer Firma programmiert. Trotzdem wurde dem Programm misstraut und ein zusätzlicher Abschaltmechanismus (eine Reihe von Kill Codes) eingebaut. Diese der Sicherheit dienende Vorkehrung bewirkte das  Gegenteil. Das Programm interpretierte dies als unbegründetes Misstrauen und damit eine Verletzung seiner Ehre. Diese Erkenntnis bildete den X-Faktor, der das Programm in eine echte Künstliche Intelligenz verwandelte. Die Sicherheit löste die Katastrophe aus.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

Podcast über Transhumanismus

Bildquelle

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 8 – Gedanken toten Lebens. Oder:

 

Nun schaffe ich es im achten Teil der Serie doch mal, in meinem Heimatland vorbei zu schauen. Völlig unerwartet stieß ich bei meinen Recherchen zu geeigneten Bands auf Gedanken Toten Lebens, ein One-Woman-Black-Metal-Project.

Im Internet finden sich nicht viele Informationen über das Projekt. Begründet wurde es im Jahr 2012 von der Musikerin unter dem Pseudonym Solveig, von der es zwar ein Bild aber keinen Namen gibt. Zwar erfährt mensch auch, dass sie von 2011 bis 2014 unter dem anderen Namen Nebelschrei bei deutschen Band Aigilas gesungen hat, ein Herkunftsort für Gedanken Toten Lebens gibt es jedoch nicht. Im Gegensatz zum letzten besprochenen Soloprojekt Coldnight übernimmt Solveig allerdings nicht die komplette Instrumentalisierung, sondern ist für das Gesamtkonzept, die Texte und den Gesang verantwortlich. Bei der Musik holt sie sich die Unterstützung anderer Bands. So wurden auf der bislang einzigen selbstbetitelten Veröffentlichung des Projekts, welche 2015 in Eigenregie erschien, sämtliche Instrumente vom Musiker Freigeist eingespielt, der zusammen mit Solveig bei der Band Aigilas tätig war.

Dies sind auch so ziemlich alle Informationen die sich von der Band finden lassen. Auch auf der eigenen Facebook-Präsenz ist zu lesen, dass die Musik für sich spricht und darum nicht viele Worte verloren werden sollen. Daneben wird große Bewunderung für das Werk des als Vordenker bezeichneten Friedrich Nitzsche ausgedrückt und von ihm zitiert. Solveig und Gedanken Toten Lebens umgeben sich mit einer mystischen Aura, welche sich auch in der Bildsprache der Band wiederfindet, welcher ich ausnahmsweise vor der Musik widme, um bereits einen Eindruck des Ganzen zu geben. Stimmungsvollen Bilder in einer blaustichigen schwarz/weiß-Optik gehalten und zeigen Naturszenerien nebelverhangener Wälder und Felder. Das meiner Meinung nach eindrücklichste Bild zeigt einen knorrigen toten Ast, der aus vertrocknetem Strauchwerk ragt, nebelumspielt und von einem drohenden wolkenverhangenen Himmel gekrönt. Dieses Bild spielt in quasi poetischer Art und Weise den Projektnamen wieder. Ein weiteres Bild zeigt die durchscheinende Silhouette von vermutlich Solveig vor dem Hintergrund einer düsteren Waldszenerie. Diese Bilder sprechen eine Sprache von Melancholie, Einsamkeit, der Vergänglichkeit allen Seins.

Zu dieser Bildsprache passend, spielen Gedanken Toten Lebens eine atmosphärische und ambientige Form des Black Metal, mit den Themenschwerpunkten der Natur, der Philosophie und des Todes, die in deutschen Texten vorgetragen werden. Das Album „Gedanken Toten Lebens“ umfasst bei einer Gesamtlänge 36:22 Minuten (also eher dem Umfang einer EP) sieben Tracks von denen der Längste fast sieben Minuten Spielzeit erreicht.

Tracklist:

  1. Am Rande des Waldes
  2. Der Freitod
  3. Urkraft
  4. Leichenstarre
  5. Erwachen im Scheine des Mondes
  6. Stimmen der Toten
  7. Die Erhabenheit der letzten Dinge

Es beginnt mit einem sehr stimmungsvollen Intro („Am Rande des Waldes“) aus einem Klangteppich (Keyboard) über das sich Solveigs Stimme erhebt und den titelgebenden Text des deutschen Schriftstellers  Josef Magnus Wehner rezitiert. Wenn der Autor auch kritisch betrachtet werden sollte, ist diese der Romantik angelehnte Lyrik doch ein sehr erhabener Beginn. „Der Freitod“ beginnt mit klassischem Black Metal, schnell und treibend, doch so sobald Solveigs Gesang einsetzt, wird die Musik ein jedes Mal ruhig und untermal nur noch zurückhaltend. Es wird deutlich, dass der Text über eine Person, die den Suizid in einem Moor sucht, zentral ist und verständlich sein soll. Nach einem Zwischenspiel aus Vogelgesang und dem Klang eines schlagenden Herzens nimmt das Lied noch einmal Fahrt auf und kommt, wie die Protagonistin des Textes, zum Ende. Deutlich ruhiger beginnt „Urkraft“. Akustisches Gitarrenspiel und flüsternder Gesang wiegen einen in trügerischer Sicherheit, bevor Musik und Gesang in voller Kraft über mich herein brechen. Textlich handelt das Lied von der titelgebenden Urkraft, der Wurzel allen Seins, quasi dem göttlichen Funken. „Leichenstarre“ handelt vom Monolog einer toten oder sterbenden Person aus den Tiefen eines Grabes. Auch musikalisch wirkt der Song düsterer und aggressiver als die vorhergegangenen. Es fehlt das träumerische und mystische, dass den ersten Titeln zu Eigen war, was im Einklang mit dem Text steht. Ganz ähnlich das nun folgende „Erwachen im Scheine des Mondes“. Auch dies wirkt recht aggressiv, wird aber hin und wieder an stillen Momenten unterbrochen. Auch hier wird die Wahrnehmung einer Toten geschildert, eines Geistes, der sich vom Körper befreit. Fast doomig beginnt „Stimmen der Toten“, einem Lied über die Frage nach dem Sinn des Seins. Die Musik ist schleppend, jedoch alles andere als eintönig. Und dann folgt wieder der Bruch wenn der geflüsterte Gesang einsetzt und nur noch von einer akustischen Gitarre begleitet wird, bis die düster-schleppende Musik wieder einsetzt. Mit ruhigen Akustikgitarren klingt der Song letztlich aus und macht der „Die Erhabenheit der letzten Dinge“ platz. Dieser Song ist nun wieder deutlich schneller und eingängiger, als die vorausgegangenen, die Mystik der ersten Tracks findet sich jedoch nicht wieder ein. Wie passend für den letzten Song, handelt der Text vom Ende, vom Vergehen und dem Tod. Musikalisch werden ein schnelles Schlagzeug und dichte Gitarrenteppiche geboten, die manchmal von dem Klang einer gezupften Geige untermalt werden. Und so klingt das Stück aus.

Bei Gedanken Toten Lebens stehen die Texte merklich im Vordergrund. Sie sind immer klar und deutlich zu verstehen, auch tritt die Musik oft in den Hintergrund wenn Solveigs Stimme einsetzt, was nochmal die Wichtigkeit des Textes betont. Diese Texte sind sehr gut, meiden Klischees und tragen das namentliche Konzept des Projekts durch die gesamte Veröffentlichung gut mit. Sowieso bilden hier Musik, Text und Optik eine wundervolle Einheit. Alles wirkt in sich schlüssig und spiegelt sich in allen Aspekten wieder. Die Musik ist relativ klassischer Black Metal, wartet jedoch immer wieder mit Abwechslung und Nuancen auf, die das Zuhören niemals langweilig werden lassen. Für Freunde von ambientigem und depressivem Black Metal definitiv ein interessantes Album. Ich für meinen Teil hätte mir eine höhere Spiellänge gewünscht, aber vielleicht hätte das Konzept dann nicht mehr so gut getragen. Mein Anspieltipp: Der Freitod und Urkraft, einfach weil mir das träumerisch-mystische in Musik und Text so gut gefällt.

Ich hoffe doch, dass wir von diesem Projekt in Zukunft noch öfters etwas zu hören bekommen!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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From the diary of a dragonslayer: Interview with the Darkly Venus Aversa Part 1 – Smirking Revenge

Some time ago I had announced a little special for my blog. And here it is: My first interview with one of the featured bands, Smirking Revenge. The questions were answered by Gabrielle Bordeleau (bass & backing vocals). No long introduction, let the artist speak for herself!

Drachentöter: Describe your band and your style of music. What do you think makes your band special?

Gabrielle Bordeleau: We are a mixture between death, black, nu-metal and forces of nature. What makes us special is that we don’t limit ourselves into a specific style. Our compositions follow our inspirations, and we have no boundaries. The fact that we are all women in the band is also something we don’t see often in metal music, and it brings a feminine and vicious touch.

 

DT: Who did the band come together? What where your intentions?

GB: Roxanne and Joannie (guitarist and drummer) had another project called Aenygmist, an all-female black metal band who war active from 2007 to 2012. The band split up, but both still wanted to play music together. They found Charlotte (our ex-singer) and me after, in 2013. Charlotte left in 2015 to pursue her own projects, and we then met Marie.

Our intentions are to deliver a message throughout our music. We talked about the upsides and downsides of technology in our EP called «Mind Uploading», released in 2014. But we take it to another level with our upcoming album «Magna Mater», that we will be recording soon. Environment will be a big part of the subject. Musically, it is going to be a lot different than the previous EP, because the artistic process is not the same. The EP was more a research for our sound.

 

DT: Who are your musical and non-musical influences? What kind of music do you prefer personally?

GB: We all enjoy nu-metal band, such as Korn, Mudvayne, Slipknot, Kittie, etc. Gojira is also an influence for us.

 

DT: Who writes the songs? Do you work on the song together or who is mostly responsible for it?

GB: Roxanne writes her own parts first, then Joannie writes the drum, I write my bass parts and then Marie put lyrics on it. So we all contribute.

 

DT: What inspires you to do what you do?

GB: Injustice, passion, nature.

 

DT: How does music affect you and the world around you?

GB: I think music is why we all are alive today. Music supported us when we needed it, it understood us and still is today. When the music is good enough to give you chills, it’s a feeling you cannot describe with words. And that is what we live for.

 

DT: How do you promote your band and shows?

GB: Mostly on our facebook page. But we are also on Reverbnation and Bandcamp. There is a website under construction.

 

DT: Describe your shows, visual and musically. Do you have any “special effects”?

GB: We enjoy special makeups. Not necessarily black metal-ish. We like to change them depending of the gig.

 

DT: What’s your opinion of the music industry today?

GB: Well, it has its upsides and downsides. With internet, you can stream anything you want, and it brings more visibility to underground bands. But, there’s so much choice now, so much music to listen to, the question is: where to begin?

Also, playing music for a living is almost impossible, especially in metal. Damn, even bigger names like Deftones have to tour to pay their bills! (Link)

 

DT: What was your best/biggest show? What was the worst one?

GB: Our biggest show was in June 2015 when we played alongside Beyond Creation in Jonquière, Qc. The worst was in Quebec  City November 1st 2014, but it was also the funniest because people were so weird and the place really creepy.  There was also a show in Trois-Rivières, Qc.  when almost nobody showed up.

 

DT: Tell me about your life as a band. How is it to work and play together?

GB: Luckily, we get along really well. We’re not only bandmates, but friends, which is not the case for every band. We share experiences, feelings, joy, sadness, etc.

 

DT: Describe the Extreme Metal subculture of Quebec. Can you tell a difference to the rest of Canada? Do you have experience with the crowd in other countries? What’s the difference there?

GB: It’s a close community. Everybody knows everybody. We only played in Canada so I couldn’t tell the difference between the scene here and somewhere else.

 

DT: How are your connections in the scene? Do you have bands you like to play with? Do you have favorite clubs or festivals?

GB: We’re close with Ordoxe, Insurrection, Spacemak3r, Eternal Judgment, all Quebec-based metal bands. We really enjoyed playing at the Katacombes, Montreal.

 

DT: Do you think it’s a difference, being a female metalhead than being a male one? How

are experiences as individual persons?

GB: Yes, because as a female in a mostly male-composed scene, you have more pressure. For example, if an all-male band didn’t perform well one night, you won’t say «it’s because they’re men». But if something goes wrong during our set, some people will think «it’s because they’re women». We received comments like «you’re good for a women band» too many times. Also, some people tend to judge women more by their looks than by their talent. This is what society tells us.

But, being women can also be an advantage. People are curious, and seeing women in metal is refreshing.

 

DT: Do you think that all-female-bands have more problems with getting known/famous?

GB: It can be an advantage and a disadvantage. People tend to be more judging towards women in metal, but it is also something people would like to see more often.

 

DT: Did you have negative experiences with bookers, promoters or the audience because you are an all-female-band?

GB: Not as a recall. Maybe with some from the audience with sexist comments.

 

DT: What are your plans for the future? Are you working on a new release?

GB: We will soon record our full length «Magna Mater». We wish to release it in August.

 

DT: What are your dreams and goals for your band?

GB: We want to be heard, and we want to share our music with the world!

 

DT: Any last words you want so share?

GB: If you want to reach us, here’s some links:

Smirking Revenge bei facebook

Smirking Revenge bei bandcamp

Smirking Revenge bei twitter

Smirking Revenge bei reverbnation

Smirking Revenge bei Instagram

Smirking Revenge Youtube-Channel

 

Smirking Revenge Email

And rock on! \m/

 

Thanks a lot for the interview!

 

In this sense:

Good hunting!