Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 8 – Gedanken toten Lebens. Oder:

 

Nun schaffe ich es im achten Teil der Serie doch mal, in meinem Heimatland vorbei zu schauen. Völlig unerwartet stieß ich bei meinen Recherchen zu geeigneten Bands auf Gedanken Toten Lebens, ein One-Woman-Black-Metal-Project.

Im Internet finden sich nicht viele Informationen über das Projekt. Begründet wurde es im Jahr 2012 von der Musikerin unter dem Pseudonym Solveig, von der es zwar ein Bild aber keinen Namen gibt. Zwar erfährt mensch auch, dass sie von 2011 bis 2014 unter dem anderen Namen Nebelschrei bei deutschen Band Aigilas gesungen hat, ein Herkunftsort für Gedanken Toten Lebens gibt es jedoch nicht. Im Gegensatz zum letzten besprochenen Soloprojekt Coldnight übernimmt Solveig allerdings nicht die komplette Instrumentalisierung, sondern ist für das Gesamtkonzept, die Texte und den Gesang verantwortlich. Bei der Musik holt sie sich die Unterstützung anderer Bands. So wurden auf der bislang einzigen selbstbetitelten Veröffentlichung des Projekts, welche 2015 in Eigenregie erschien, sämtliche Instrumente vom Musiker Freigeist eingespielt, der zusammen mit Solveig bei der Band Aigilas tätig war.

Dies sind auch so ziemlich alle Informationen die sich von der Band finden lassen. Auch auf der eigenen Facebook-Präsenz ist zu lesen, dass die Musik für sich spricht und darum nicht viele Worte verloren werden sollen. Daneben wird große Bewunderung für das Werk des als Vordenker bezeichneten Friedrich Nitzsche ausgedrückt und von ihm zitiert. Solveig und Gedanken Toten Lebens umgeben sich mit einer mystischen Aura, welche sich auch in der Bildsprache der Band wiederfindet, welcher ich ausnahmsweise vor der Musik widme, um bereits einen Eindruck des Ganzen zu geben. Stimmungsvollen Bilder in einer blaustichigen schwarz/weiß-Optik gehalten und zeigen Naturszenerien nebelverhangener Wälder und Felder. Das meiner Meinung nach eindrücklichste Bild zeigt einen knorrigen toten Ast, der aus vertrocknetem Strauchwerk ragt, nebelumspielt und von einem drohenden wolkenverhangenen Himmel gekrönt. Dieses Bild spielt in quasi poetischer Art und Weise den Projektnamen wieder. Ein weiteres Bild zeigt die durchscheinende Silhouette von vermutlich Solveig vor dem Hintergrund einer düsteren Waldszenerie. Diese Bilder sprechen eine Sprache von Melancholie, Einsamkeit, der Vergänglichkeit allen Seins.

Zu dieser Bildsprache passend, spielen Gedanken Toten Lebens eine atmosphärische und ambientige Form des Black Metal, mit den Themenschwerpunkten der Natur, der Philosophie und des Todes, die in deutschen Texten vorgetragen werden. Das Album „Gedanken Toten Lebens“ umfasst bei einer Gesamtlänge 36:22 Minuten (also eher dem Umfang einer EP) sieben Tracks von denen der Längste fast sieben Minuten Spielzeit erreicht.

Tracklist:

  1. Am Rande des Waldes
  2. Der Freitod
  3. Urkraft
  4. Leichenstarre
  5. Erwachen im Scheine des Mondes
  6. Stimmen der Toten
  7. Die Erhabenheit der letzten Dinge

Es beginnt mit einem sehr stimmungsvollen Intro („Am Rande des Waldes“) aus einem Klangteppich (Keyboard) über das sich Solveigs Stimme erhebt und den titelgebenden Text des deutschen Schriftstellers  Josef Magnus Wehner rezitiert. Wenn der Autor auch kritisch betrachtet werden sollte, ist diese der Romantik angelehnte Lyrik doch ein sehr erhabener Beginn. „Der Freitod“ beginnt mit klassischem Black Metal, schnell und treibend, doch so sobald Solveigs Gesang einsetzt, wird die Musik ein jedes Mal ruhig und untermal nur noch zurückhaltend. Es wird deutlich, dass der Text über eine Person, die den Suizid in einem Moor sucht, zentral ist und verständlich sein soll. Nach einem Zwischenspiel aus Vogelgesang und dem Klang eines schlagenden Herzens nimmt das Lied noch einmal Fahrt auf und kommt, wie die Protagonistin des Textes, zum Ende. Deutlich ruhiger beginnt „Urkraft“. Akustisches Gitarrenspiel und flüsternder Gesang wiegen einen in trügerischer Sicherheit, bevor Musik und Gesang in voller Kraft über mich herein brechen. Textlich handelt das Lied von der titelgebenden Urkraft, der Wurzel allen Seins, quasi dem göttlichen Funken. „Leichenstarre“ handelt vom Monolog einer toten oder sterbenden Person aus den Tiefen eines Grabes. Auch musikalisch wirkt der Song düsterer und aggressiver als die vorhergegangenen. Es fehlt das träumerische und mystische, dass den ersten Titeln zu Eigen war, was im Einklang mit dem Text steht. Ganz ähnlich das nun folgende „Erwachen im Scheine des Mondes“. Auch dies wirkt recht aggressiv, wird aber hin und wieder an stillen Momenten unterbrochen. Auch hier wird die Wahrnehmung einer Toten geschildert, eines Geistes, der sich vom Körper befreit. Fast doomig beginnt „Stimmen der Toten“, einem Lied über die Frage nach dem Sinn des Seins. Die Musik ist schleppend, jedoch alles andere als eintönig. Und dann folgt wieder der Bruch wenn der geflüsterte Gesang einsetzt und nur noch von einer akustischen Gitarre begleitet wird, bis die düster-schleppende Musik wieder einsetzt. Mit ruhigen Akustikgitarren klingt der Song letztlich aus und macht der „Die Erhabenheit der letzten Dinge“ platz. Dieser Song ist nun wieder deutlich schneller und eingängiger, als die vorausgegangenen, die Mystik der ersten Tracks findet sich jedoch nicht wieder ein. Wie passend für den letzten Song, handelt der Text vom Ende, vom Vergehen und dem Tod. Musikalisch werden ein schnelles Schlagzeug und dichte Gitarrenteppiche geboten, die manchmal von dem Klang einer gezupften Geige untermalt werden. Und so klingt das Stück aus.

Bei Gedanken Toten Lebens stehen die Texte merklich im Vordergrund. Sie sind immer klar und deutlich zu verstehen, auch tritt die Musik oft in den Hintergrund wenn Solveigs Stimme einsetzt, was nochmal die Wichtigkeit des Textes betont. Diese Texte sind sehr gut, meiden Klischees und tragen das namentliche Konzept des Projekts durch die gesamte Veröffentlichung gut mit. Sowieso bilden hier Musik, Text und Optik eine wundervolle Einheit. Alles wirkt in sich schlüssig und spiegelt sich in allen Aspekten wieder. Die Musik ist relativ klassischer Black Metal, wartet jedoch immer wieder mit Abwechslung und Nuancen auf, die das Zuhören niemals langweilig werden lassen. Für Freunde von ambientigem und depressivem Black Metal definitiv ein interessantes Album. Ich für meinen Teil hätte mir eine höhere Spiellänge gewünscht, aber vielleicht hätte das Konzept dann nicht mehr so gut getragen. Mein Anspieltipp: Der Freitod und Urkraft, einfach weil mir das träumerisch-mystische in Musik und Text so gut gefällt.

Ich hoffe doch, dass wir von diesem Projekt in Zukunft noch öfters etwas zu hören bekommen!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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