Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 10 – Nachtlieder. Oder:

Bildquelle: Encyclopaedia Metallum

Wow, schon die zehnte Nummer meiner Darkly Venus Aversa-Reihe. Und keine Ende in Sicht! Und wohin führt meine musikalische Reise heute?

Willkommen zurück in Europa, wieder mal in Skandinavien, genauer gesagt Schweden, ein Land, das dem Extreme Metal schon so viel geschenkt hat. Und wieder widmen wir uns einem One-Woman-Project, aus einer Stadt, die einem ganzem Subgenre ihren Namen geschenkt hat: Göteborg! Allerdings geht es heute nicht  um melodischen Death Metal wie ihn anderer Kinder dieser Stadt (wie  At The GatesDark Tranquillity und In Flames) praktizieren, sondern um den Black Metal des One-Woman-Projects Nachtlieder.

Nachtlieder ist das Projekt der Schwedin Dagny Susanne (Voller Name: Karin Dagny Susanne Hansson), die sämtliche Instrumente einspielt und auch den Gesang übernimmt. Das Projekt wurde 2008 begründet und ist bis heute aktiv und hat bereits eine Reihe an Veröffentlichungen vorzuweisen. Neben zwei Demos aus dem Jahr 2009 und einer Promo-EP in 2010, wurden bereits zwei full-length Alben herausgebracht. 2013 erblickte das erste, selbstbetitelte Album das Licht der Welt und erst letztes Jahr folgte mit „The Female of the Species“ der zweite Streich. Die Band steht zur Zeit beim italienischen Label I, Voidhanger Records (u.a. Ysegrin und Serpent Ascending) unter Vertrag, über das auch das letzte Album veröffentlicht wurde, während das erste noch bei Unmerciful Death Productions (u.a. Taarma und Seeds of Iblis) erschien. Die Alben sind beide über Spotify einhörbar und ich werde mich natürlich der neusten Veröffentlichung im Review widmen.

Das Album „The Female of the Species“ wurde im Necromorbus Studio aufgenommen und erhielt mittelmäßige (4/10 bei Metal Injection, 5/10 bei Metal1.info) bis gute Kritiken (70% bei Encyclopaedia Metallum, 4 von 5 Sternen bei New Noise Magazine). Bei einer Gesamtlaufzeit von 40 Minuten umfasst es 8 Tracks, wovon der längste fast 8 1/2 Minuten läuft.

Track List:

  1. Malice, Come Closer
  2. Nightfall
  3. Fatale
  4. Lonely Mortal
  5. Eve
  6. Silence and Devastation
  7. Cimmerian Child
  8. The Female of the Species

Langsames Einsteigen durch ein Intro gibt es bei „The Female of the Species“ nicht. Der erste Track „Malice, come closer“ legt gleich los, relativ klassischer Black Metal, mit relativ hohem Tempo, einigen Variationen und schön sauber eingespielt, so dass alle Aspekte der Musik klar erkennbar sind. Susannes Gesang ist markant, hätte aber beim Abmischen etwas mehr herausgestellt werden dürfen. Textlich handelt der Song von der Geburt eines Menschen und der Prophezeiung dessen Schicksals. „Nightfall“ erhöht das Tempo nochmal um eine Spur, hat aber auch seine ruhigeren Momente, bevor die volle Wucht wieder losbricht. Besonders die Gitarrenlinien wissen zu gefallen, das Schlagzeug hätte etwas markanter abgemischt werden dürfen. Der Text schildert das Hereinbrechen der Nacht gleichsam ruhig wie düster und gefährlich. Das sich anschließende „Fatale“ beginnt langsamer und unheilschwanger, schleppt sich einige Zeit düster dahin, bevor wieder die musikalische Gewalt losbricht. Textlich geht es hierbei um brennende Wut und verzehrendes Feuer. Der Song macht durch seine Stimmungs- und Tempiwechsel sehr viel Freude. „Lonely Mortal“ hingegen rast mit einer kurzen Atempause im Mittelteil die volle Länge durch, während Susanne von zerfressender Einsamkeit singt. Richtig doomig beginnt nun „Eve“. Der Song baut sich langsam auf und erschafft eine unglaublich dichte Stimmung. Der Text umfasst nur 9 kurze Zeilen, aber mehr ist bei der Eindrücklichkeit der Musik auch gar nicht nötig, denn diese sing unglaublich gut vorgetragen. Bisher mein Favorit! „Silence and Devastation“ beginnt mit dichten Gitarrenwänden, bis das Schlagzeug die Geschwindigkeit harsch voran treibt und Susanne von eine unwirklichen und zerstörten Landschaft sing. Etwas langsamer Zeit sich „Cimmerian Child“, das von vernachlässigten Kinder handelt, die zu grausamen Kreaturen voll Hass und Blutlust verkommen sind. Nicht so doomig wie „Eve“ aber ebenfalls sehr stimmungsvoll. Den Abschluss bildet der über acht Minuten lange Titeltrack „The Female of the Species“, das nach meiner Auffassung von einer Frau handelt, die sich von der Herrschaft/Unterdrückung von Männer („madmen“) befreit. Nach einem unheilvollen, langsamen Einstieg steigert sich das Tempo, bis es in wilder Raserei aufgeht. Einige musikalische Variationen und Wechselspiele, dann ist leider Schluss.

Nachtlieder bewegen sich musikalisch zwischen Black Metal und black-metal-angehauchtem Doom. Eine Mischung die mich überzeugt, wobei die die langsamen Passagen fast mehr mochte, als die schnellen Parts. Anfangs wirkte das Album etwas eintönig, aber spätestens mit „Fatale“ wurde die Vielfallt offenbar und zog sich dann auch den Rest des Albums durch. Die Aufnahmequalität ist gut, bei der Produktion hätte mensch Gesang und Schlagzeug noch etwas herausarbeiten können, aber das ist Kritik auf hohem Niveau. Alle Instrumente sind auf hohem Niveau eingespielt, was bei einem Solo-Projekt eine grandiose Leistung ist. Hier stimmt alles. Mir hat das Album gut gefallen. Meine Anspieltipps sind „Eve“ und  „Cimmerian Child“.

In der Bildsprache arbeitet Dagny Susanne mit klassischen Black Metal-Elementen wie schwarz/weiß-Bildern und Naturmotiven. Diese sind sehr stimmungsvoll und kommen vollkommen ohne sexualisierte Elemente aus. Das Outfit unterstützt den hexenhaften Charakter, der sich auch in manchen Songs widerspiegelt. Auch der Apfel, den sie auf dem Titelbild in Händen hält gibt Verweise auf Märchen und die biblische Genesis. Die Bildsprache spiegelt Musik und Texte wieder und sorgt für ein abgerundetes Bild.

Wer klassischen Black Metal liebt und auch Doom Metal was abgewinnen kann, ist bei Nachtlieder an der richtigen Adresse. Hier gibt es schnörkellose, aber nicht eintönige Black Metal-Kost für den geneigten Fan. Auch nach mehrmaligem Durchhören hat entfaltet die Musik weiterhin ihren Reiz und mensch findet immer neue Aspekte. Von einem Solo-Projekt kann mensch einfach nicht mehr verlangen!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

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2 Gedanken zu “Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 10 – Nachtlieder. Oder:

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