Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa Teil 11 – Castrator. Oder: Es geht auch andersrum.

Bildquelle: Castrator Facebook

Damit hier keine musikalische Monokultur entsteht, heute mal wieder etwas Death Metal. Willkommen zurück in den USA! Heute geht es nach New York zur der Band mit dem so wohlklingendem Namen Castrator! Ich hatte ja mal einen kleinen Text zu sexistischen Texten im Extreme Metal geschrieben und auch der Vice Magazine-Ableger Noisey hat diesem Thema einen längeren Artikel gewidmet. Darin fand diese Band Erwähnung, die den Spieß einfach mal umdreht. Grund genug für mich, dieser Band einen Platz in meiner Reihe zu widmen.

Castrator kommen aus New York und sind seit 2013 aktiv, wobei die Mitglieder aus verschiedensten Teilen der Welt, wie Mexiko und Kolumbien, stammen. Das Viergespann besteht aus den Musikerinnen R.M. (Robin Mazen, Bass), C. Perez (Carolina Perez, Schlagzeug), P. Serrano (Priscila Serrano, Gitarre, Vocals) und M.S. (Mallika Sundaramurthy, Vocals). Auch wenn die Band in dieser Form erst seit Kurzem existiert haben alle Mitglieder bereits in zahlreichen Band Erfahrung gesammelt, u.a. Hypoxia DerkétaCerebric Turmoil und Abnormality. In ihrer kurzen Schaffensperiode brachte es die Band bis dato immerhin auf eine Demo von 2014 und auf die EP „No Victim“ im vergangenen Jahr. Das aktuelle Label, auf welchem auch die EP erschien, ist Horror Pain Gore Death Productions aus Philadelphia, Pennsylvania. Für die Rezension hab ich die digitale Version der EP von der Bandcamp-Seite der Band erworben, wo diese zum schmalen Preis von 4$ zu haben ist.

Die EP „No Victim“ umfasst 4 Songs mit einer Gesamtdauer von knapp einer viertel Stunde. Sie erhielt von mehreren Plattformen (Metal Injection, Metal Riot, Encyclopaedia Metallum) durchweg gute Kritiken, was einen spannenden Hörgenuss erhoffen lässt. Gemixt und gemastert wurde in den Full Force Studios, wobei die Disc-Version auf 500 Kopien limitiert ist. Die Gesamtdauer beträgt etwas unter einer Vierstunde.

Track List:

1. Honor Killing
2. Brood
3. The Emasculator
4. No Victim

Intro? Ist nicht! Ohne Vorspiel wird hier sofort das Gaspedal durchgetreten und die Geschütze auf Dauerfeuer gestellt. „Honor Killing“ bricht sofort gewaltsam über mich herein. Schepperndes Schlagzeug, tiefe, grollende Gitarren und ebenso tiefe wie giftig-böse Growls. Der Text handelt von einer jungen Frau, die von ihrem Mann brutal unterdrückt, missbraucht und schließlich ermordet wird, ohne das daraus Konsequenzen erwachsen, mit dem Ziel weibliches Empowerment zu unterdrücken. Die Thematik wird in schonungsloser Weise in der Musik fortgeführt. Rasendes Tempo, von Anfang bis Ende, allerdings mit teilweise melodiösen Gitarrenlinien. „Brood“ handelt von der Plage Mensch, die durch fehlende Verhütung oder Abtreibung unkontrolliert die Erde überflutet. Musikalisch geht es auch hier wieder harsch zur Sache, mit rasendem Schlagzeug und dröhnenden Gitarren, auch Tempo nehmen Castrator nicht wirklich raus. Überraschend sind einige hohe Gitarrenparts, die kurz aufblitzen und wieder verschwinden. „The Emasculator“ gönnt sich ein Intro-Sample, in dem eine Frau offenbar einen Typen aufschlitzt der sie „cunt“ nennt. Danach bricht die volle Gewalt von neuem los. Die Gitarrenlinien sind diesmal nicht ganz so tief, wirken fast melodisch, bevor wieder die fiesen Growls einsetzen. Der Song wirkt insgesamt etwas eingängiger und melodischer und ist reich an musikalischer Abwechslung, wobei die Saitenfraktion wirklich zeigen darf, was sie kann. Gegen Ende wird es fast doomig, sehr cool! Textlich geht es wieder um Empowerment, das Umdrehen des Spießes. Der Text zeigt, warum die Band diesen Namen hat!  Als letztes spielt die Band auf zum titelgebenden Track „No Victim“, der davon handelt, wie eine Frau den Mann ersticht, der sie droht zu vergewaltigen um eben kein Opfer zu werden. Der etwas langsamere Song schafft mit einer grandiosen Gitarrenarbeit eine bedrückende, bedrohliche Stimmung. Wirklich ein großartiger Abschluss!

Castrator sind ein wahres Schlachtschiff. Der Sound ist roh und kompromisslos, lässt aber nicht ein gewisses Maß an Melodiösität vermissen. Die Growls sind tief, böse und über jeden Zweifel erhaben. Ich verstehe den Text zwar kaum, aber die Stimmung kommt definitiv rüber. Das Schlagzeug klingt scheppernd und metallisch, was aber im Ganzen sehr stimmig wirkt. Die Saitenfraktion dröhnt einen richtig gut zu, Zeit aber auch immer wieder, dass sie auch anders kann, da sind immer wieder Stellen, die mich überrascht aufhorchen ließen. Castrator werden definitiv nicht langweilig! Die Texte sind hoch politisch und gesellschaftskritisch, sie legen den Finger in viele Wunde, wirken aber nie aufgesetzt sondern einfach passend in ihrer brutalen Offenheit. Mein Anspieltipp ist ganz klar „The Emasculator“, da die Band hier einfach facettenreich ihr Können präsentiert. Für das schmale Geld kann man sich diese EP wirklich mal gönnen!

Von der Bildsprache her zeigen Castrator sich als Menschen die Spaß haben und lachen können, lassen aber auch einige „Poser“-Fotos nicht vermissen, auf denen sie sich zum Teil mit fiesen Werkzeugen zeigen (s.o.). Weiblichkeit wird hier weder explizit herausgestellt, noch explizit vermieden, einfach „normale“ Frauen, die böse Musik machen. Die Artworks sind wie es im Death Metal durchaus üblich ist, düster und durchaus offen in der Darstellung von Gewalt und Tod.

Ich darf sagen, dass Castrator eine recht einzigartige Band sind, weniger in ihrer exzellenten musikalischen Arbeit als in ihren Texten und Staments. Vielleicht müsste es mehr Bands dieser Sorte geben, einfach um Bands wie Wifebeater etwas entgegen zu setzen. Castrator können jedem geneigten Death Metal Hörendem anempfohlen werden und grade wegen ihren Aussagen haben sie in meinen Augen einen besonderen Stellenwert!

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

Castrator bei Bandcamp
Castrator bei Facebook

 

 

 

 

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