Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa im Gespräch Teil 1 – Smirking Revenge

Ich hatte ja vor einiger Zeit mal eine kleine Überraschung für meinen Blog angekündigt. Und hier ist es nun: Mein erstes Interview mit einer der von mir vorgestellten Bands, Smirking Revenge. Die Fragen wurden beantwortet von Gabrielle Bordeleau, Bassistin und Back-Vocal-Sängerin.  Keine langen Worte von mir, das Wort hat die Künstlerin!

(aus dem Englischen übersetzt)

Drachentöter: Beschreibt eure Band und euren Musikstil. Was denkt ihr, macht eure Band besonders?

Gabrielle Bordeleau: Wir sind eine Mixtur aus Black, Death, Nu Metal und Naturgewalt. Was uns besonders macht, ist dass wir uns nicht durch einen bestimmten Stil einschränken lassen. Unsere Kompositionen folgen unseren Inspirationen und wir haben keine Fesseln. Das Faktum, dass wir eine Band nur aus Frauen sind ist auch etwas, das mensch selten im Metal findet und das bringt einen femininen und boshaften Touch mit sich.

 

 

DT: Wie hat die Band zusammen gefunden? Was waren eure Ziele/Intentionen?

GB: Roxanne und Joannie (Gitarristin und Schlagzeugerin) hatten ein anderes Projekt namens Aenygmist, eine rein weibliche Black-Metal-Band, die von 2007 bis 2012 aktiv war. Die Band trennte sich, aber beide wollten weiter zusammen Musik machen. Sie fanden Charlotte (unsere Ex-Sängerin) und danach mich, im Jahr 2013. Charlotte verließ 2015 die Gruppe um eigene Projekte zu verfolgen und wir dann trafen Marie.

Unsere Absichten sind eine Botschaft mit unserer Musik zu vermitteln. Wir sprachen über die Vor- und Nachteile von Technologie in unserer EP “Mind Uploading“, veröffentlicht 2014. Aber mit unserem kommenden Album “Magna Mater“, dass wir bald die Aufnahme wird, haben wir das Ganze auf ein neues Level. Die Umwelt wird dabei ein wichtiges Thema sein. Musikalisch wird es wird vieles anders als die vorherigen EP zu sein, weil der künstlerische Prozess ist nicht der Gleiche ist. Die EP diente mehr der Findung eines eigenen Sounds.

 

 

DT: Was sind eure musikalischen und anderweitigen Einflüsse? Welche Musikgenres bevorzugt ihr personlich?

GB: Wir alle hören gerne Nu Metal Bands wie Korn, Mudvayne, Slipknot, Kitte, etc. Auch die Band Gojira ist ebenfalls einflussreich für uns.

 

 

DT: Wer schreibt bei euch die Songs? Arbeitet ihr alle zusammen oder wer ist hauptsächlich verantwortlich?

GB: Zuerst schreibt Roxanne (Gitarre) ihre eigenen Parts, dann Joannie ihr Drumming, ich schreibe meine Bass Parts und dann fügt Marie ihre Texte hinzu. So tragen wir alle etwas bei.

 

 

DT: Was inspiriert euch zu dem was ihr tut?

GB: Ungerechtigkeit, Leidenschaft, Natur.

 

 

DT: Wie beeinflusst die Musik euch und eure Umwelt?

GB: Ich denke, Musik ist der Grund, warum wir alle heute noch am Leben sind. Musik unterstützte uns, als wir es brauchten, sie hat uns verstanden und tut es auch heute noch. Wenn die Musik so gut ist, dass du erschauderst, ist das ein Gefühl, das mensch mit Worten nicht beschreiben kann. Und dafür leben wir!

 

 

DT: Wie bewerbt ihr eure Band und eure Auftritte?

GB: Meistens über unsere Facebook-Seite. Aber wir sind auch auf Reverbnation und Bandcamp. Eine Website befindet sich im Aufbau.

 

 

DT: Beschreibt eure Show visuell und musikalisch. Nutzt ihr bestimmte “special effects”?

GB: Wir lieben besondere Makeups. Nicht unbedingt solche im Black-Metal-Stil. Wir verändern sie gerne abhängig vom Gig.

 

 

DT: Was ist eure Meinung über die heutige Musikindustrie?

GB: Nun, sie hat ihre Vor- und Nachteile. Mit Internet kannst du alles, was du willst streamen und das erhöht die Sichtbarkeit von Underground-Bands. Aber es gibt jetzt so viel Auswahl, so viel Musik zum Hören, die Frage ist: Wo soll mensch anfangen?

Auch mit Musik den Lebensunterhalt verdienen, ist fast unmöglich, vor allem im Metall. Verdammt, sogar größeren Nummern wie Deftones müssen touren, nur um ihre Rechnungen zu bezahlen! (Link)

 

 

DT: Was eure größte/beste Show? Was war die schlimmste?

GB: Unsere größte Show war im Juni, als wir mit Beyond Creation in Jonquière, Quebec, aufgetreten sind. Die schlimmste war in Quebec City am 1. November 2014, aber es war auch die lustigste Show, weil die Leute so schräg waren und die Lokation echt gruselig. Dann gab es auch eine Show in Trois-Rivières, wo fast niemand gekommen ist.

 

 

DT: Erzählt über euer Leben als Band. Wie ist es zusammen zu arbeiten und zu spielen?

GB: Wir kommen zum Glück wirklich gut miteinander aus. Wir sind nicht nur Bandkolleginnen, sondern Freundinnen, was nicht für jede Band der Fall ist. Wir teilen Erfahrungen, Gefühle, Freude, Trauer usw.

 

 

DT: Beschreibt die Extrem Metal Subkultur in Quebec. Gibt es einen Unterschied zum Rest Kanadas? Habt ihr Erfahrung mit Publikum anderswo? Was ist da der Unterschied?

GB: Es ist eine enge Gemeinschaft. Jeder kennt jeden. Wir haben bisher nur in Kanada gespielt, daher kann ich über die Unterschied zwischen der Szene hier und woanders nichts sagen.

 

 

DT: Wie sind eure Verbindungen zur Szene? Habt ihr Bands, mit denen ihr besonders gerne auftretet? Habt ihr Lieblingsclubs oder –Festivals?

GB: Wir haben engen Kontakt zu Ordoxe, Insurrection, Spacemak3r, Eternal Judgment, alles Metal Bands aus Quebec. Wir spielen wirklich gerne im Katacombes in Montreal.

 

 

DT: Denkt ihr, dass es einen Unterschied gibt, wenn mensch ein weiblicher und kein männlicher Metalhead ist? Was sind eure individuellen Erfahrungen?

GB: Ja, denn als Frau in einer männlichen komponierten Szene, hast du viel mehr Druck. Zum Beispiel, wenn eine rein männliche Band an einem Abend keine gute Show abliefert, wird mensch nicht sagen, „das kommt, weil es Männer sind“. Aber wenn während unseres Sets etwas schief geht, werden einige Leute denken, „das kommt, weil es Frauen sind“. Wir kriegen zu oft Kommentare wie „ihr seid gut für ein Frauen-Band“. Auch neigen einige Menschen Frauen nach ihrem Aussehen zu beurteilen, als durch ihr Talent. Das ist das, was uns die Gesellschaft lehrt.

Aber es auch ein Vorteil sein, eine Frau zu sein. Die Menschen sind neugierig und Frauen im Metall zu sehen, ist erfrischend.

 

 

DT: Glaubt ihr, dass es rein weibliche Bands schwerer haben, bekannt oder berühmt zu werden?

GB: Es kann ein Vorteil und ein Nachteil sein. Menschen neigen dazu, gegenüber Frauen in Metall wesentlich kritischer zu sein, aber es ist auch etwas das manche Leute gerne öfter sehen wollen.

 

 

DT: Hattet ihr schlechte Erfahrungen mit Booker*innen, Promoter*innen oder dem Publikum, weil ihr eine rein weibliche Band seit?

GB: Nicht soweit ich mich erinnern kann. Vielleicht mit einigen Leuten aus dem Publikum, die sexistische Kommentare von sich gegeben haben-

 

 

DT: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Arbeitet ihr an einer neuen Veröffentlichung?

GB: Wir werden bald unser full-length Album «Magna Mater» aufzunehmen. Wir möchten es im August veröffentlichen.

 

 

DT: Was sind eure Träume und Ziele für die Band?

Wir wollen gehört werden und wir möchten unsere Musik mit der Welt teilen!

 

 

DT: Letzte Worte, die ihr teilen möchtet?

GB: Wenn ihr uns erreichen möchtet, hier ein paar Links

Smirking Revenge bei facebook

Smirking Revenge bei bandcamp

Smirking Revenge bei twitter

Smirking Revenge bei reverbnation

Smirking Revenge bei Instagram

Smirking Revenge Youtube-Channel

Smirking Revenge Email

Und rock weiter! \m/

 

Ich danke der Band herzlich für das Interview!

 

In diesem Sinne:

Weidmenschheil

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Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Kultur im Archiv. Oder: Das Aufbewahren der Asche?

 

Aktuell bin ich Berlin und mache ein Praktikum im Rahmen meines Studiums. Ich bin hierhergekommen, um an einem Ort zu arbeiten, der so in Deutschland einzigartig sein dürfte: Dem Archiv der Jugendkulturen (AdJ). Da Archiv ist ein im Jahr 1997 unter anderem vom Jugendkulturforscher Klaus Farin gegründeter eingetragener Verein (e.V.), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Material aus und über Jugendkulturen zu sammeln, aufzubereiten, zu erforschen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Es erhebt dabei den Anspruch, eine von Werturteilen freie, dennoch kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit Jugendkulturen und Szenen zu ermöglichen. Das AdJ ist quasi das Gedächtnis deutscher und internationaler Subkulturen.

Aber was tut das Archiv im genauen und warum ist diese Arbeit in meinen Augen so unglaublich wichtig? Das Kernstück des AdJ ist auf jeden Fall die Bibliothek/Sammlung. Der Bibliotheksbestand umfasst über 8000 Bücher und Broschüren, mehr als 40.000 Fanzines, Zeitschriften, Zeitungen, 600 Magister- und Diplomarbeiten, über 7.000 CDs, LPs, MCs, DVDs und Videos sowie zehntausende Zeitungsartikel, Poster und Flyer aus allen erdenklichen Jugendkulturen. Die thematischen Bereiche erstrecken sich von Skateboarding über Science Fiction, Fußball, Comic, Skinheads, Punk, Rap/Hiphop, Graffiti, Techno bis hin zu Heavy Metal oder Gothic. Auch der Bereich der Popkultur wird ebenfalls erfasst. Ein Großteil dieser Sammlung ist für die Öffentlichkeit jederzeit in der Präsenzbibliothek einsehbar. Natürlich bemühen sich die Mitarbeiter*innen, die Bestände immer zu erweitern und auf einem möglichst aktuellen Stand zu halten. Neben eigenen Einkäufen lebt das Archiv von Spenden und Nachlässen von anderen Archiven oder privaten Sammlungen. So wurde vor kurzem der Bestand des aufgelösten Berliner Rock- und Pop-Archiv, das versuchte die West- und Ostberliner Musikgeschichte seit 1958 zu dokumentieren, aufgenommen und eingepflegt.

Ein besonderes Augenmerk wird bei dieser Arbeit auf das Sammeln sogenannter „Fanzines“ gelegt, also aus der entsprechenden Szene heraus oft in Eigenarbeit verlegte nicht-professionelle Erzeugnisse. In diesem Bereich ist besonders die Sammlung von deutschen Punk-Fanzines hervorzuheben, die das Wirken der Szene von ihrem Beginn Ende der 1970er Jahre protokollieren. Die hier zusammengetragenen Bestände dürften in dieser Größe deutschlandweit einzigartig sein. Ein starker Fokus liegt natürlich auch auf der Stadt Berlin und ihrer Subkulturgeschichte. Dies ist nicht der Lage des Archivs geschuldet, sondern auch dem besonderen historischen Status der Stadt Berlin in der Zeit der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands, die viel Freiraum für die Entfaltung der Szenen bot. 

Neben dem reinen Zurverfügungstellen dieser Materialien werden diese natürlich auch zu wissenschaftlichen Zwecken und Projekten genutzt. Die Ausstellung „Der zweite Blick„, die sich mit verschiedenen Szenen und deren Aspekten beschäftigt, zieht zurzeit als Wanderausstellung  durch viele Stationen im gesamten Bundesgebiet. Weitere aktuelle Projekte sind unter anderem das „Berliner Pop- und Subkulturarchiv„, das seinen Fokus auf den besonderen Umstands Berlins richtet, sowie die „Diversity Box„, die sich mit Homo- und Transfeindlichkeit Kontext von Jugendkulturen und der Gesamtgesellschaft befasst. Ein weiteres, dauerhaftes, Projekt ist das „Graffitiarchiv„, welches sich sich seit 2009 den Themen Graffiti und Streetart widmet. Dabei geht es um politische Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation von Graffiti-Workshops, bei denen Jugendlichen der (legale) Umgang mit Streetart nahe gebracht wird.  Es wird also deutlich, dass das AdJ mehr ist, als ein Ort an dem Vergangenes bewahrt wird. Natürlich werden die Bestände genutzt um historisch zu arbeiten, aber es ist auch das Ansinnen der Mitarbeiter*innen den aktuellen Jugendkulturen und ihren Entwicklungen auf der Spur zu bleiben. Zu dem Zweck werden auch aktuelle Publikationen aus den Szenen bezogen und inhaltlich erfasst.

Das Archiv arbeitet zum einen natürlich selbst wissenschaftlich, aber es bietet auch Schüler*innen, Student*innen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen den Bestand an, um aus den Quellen Inhalte für eigene Arbeiten zu ziehen. Einige dieser Abschlussarbeiten werden wiederum in die Bibliothek des Archivs aufgenommen und stehen somit der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung.

Doch es ist leider alles andere als eitel Sonnenschein! Das Führen eines Archivs und eines Vereins kostet Geld. Auch die Mitarbeiter wollen bezahlt werden, auch wenn viele aus Idealismus bei der Sache sind. Einen Teil des Auskommens  bestreitet das Archiv aus den Mitgliedsbeiträgen des (Förder)Vereins, weitere Mittel müssen mühsam bei Stiftungen und Fördermitteln von Stadt, Bund und anderen privaten Organisation organisiert werden. Dies ist oft eine Zitterpartie, da sich viele Antragssteller*innen um nicht-wachsende Töpfe streiten. Oft können Mitarbeiter nur für den Zeitraum eines Projekts beschäftigt und bezahlt werden. Archivarisches Arbeiten und Forschen ist nicht billig!

Für seinen Stellenwert und Bedeutung für die einzelnen Szenen ist das Archiv der Jugendkulturen leider erstaunlich unbekannt. Dabei wird hier quasi das Gedächtnis ganzer Generationen von Punks, Skins, Hiphopper oder Waver aufbewahrt. Wer WIRKLICH was über den Ursprung der eigenen Szene erfahren will und sich nicht mit fragwürdigen Wikipediaartikeln zufrieden gibt, der sollte das Archiv nutzen und unterstützen. Es lohnt sich! Kann doch die Asche der Geschichte durchaus den Funken enthalten, der ein Feuer zum Lodern bringt.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

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