Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Bei Skeptikern werd ich skeptisch! Oder: Ihr glaubt nur an was anderes.

Ich würde mich als einen kritischen Menschen betrachten. Ich bin Agnostiker, Impfbefürworter, Homöopathiegegner und hinterfrage die Aussagen von Politikern oder öffentlichen Personen prinzipiell. Ich bin zwar Mitglied einer Partei, doch stehe ich offen dazu, mit der Parteilinie nicht konform zu gehen (So gebe ich Marcron definitiv den Vorzug zu Mélenchon; es gibt keinen „intelligenten Protektionismus“). Ich bezeichne mich als Antifaschist, habe aber Probleme mit dem links-autonomen „schwarzen Block“. Ich bin für den Frieden, aber nicht auf Kosten von Querfrontgedanken.

Kurzum: Ich sehe mich als einen skeptischen Menschen im Geiste von Pyrrhon von Elis. Von daher hab ich lange mit Gesellschaften wie der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) beschäftigt oder in Watch-Blogs wie Psiram gelesen, um mich über Scharlatane und ihre Machenschaften zu informieren. Hierbei bin ich allerdings irgendwann auf eine Sache gestoßen, an der ich mich gestört habe: Der Glaube an Übernatürliches wird hier in Teilen durch einen übersteigerten Wissenschafts- und noch schlimmer Wirtschaftsglauben ersetzt.

Es fing irgendwann mit einem Artikel zur Kritik an der Kritik der Gentechnik an. Ich bin ehrlich, ich komme aus einem Elternhaus, dass zumindest in meiner Jugend der Ökobewegung zugetan war und somit in diesem Bereich kritisch behaftet war. Gleichzeitig waren beide Eltern Akademiker und Akademikerin im Bereich Biologie, also wurde ich zumindest nie von blinder Kritik geleitet. Der Artikel (den ich zu meinem Bedauern nicht mehr finde, voll seriös, so ganz ohne Quelle…) war gut geschrieben, argumentierte ordentlich und bezog sich auf externe Quellen. Aber bei den Quellen fing es dann an… Die Quellenseite gab sich seriös und unabhängig und wollte ganz unvoreingenommen über Gentechnik informieren. Ein Klick auf das Impressum offenbarte allerdings die Beteiligung ausschließlich von Wirtschaftsunternehmen aus den Bereichen Chemie, Pharmazie und Biotechnologie. 

Hier wurde ich… skeptisch. Ich habe, glaube ich, auch nen Kommentar geschrieben, aber darauf kam nichts zurück. Von nun an schaute ich immer mal wieder genauer hin, wenn ich GWUP oder Psiram-Artikel las und immer mal wieder musste ich den Kopf schütteln, wegen der unkritischen Übernahme von nicht-neutralen Quellen. Zum Bruch mit der GWUP (klingt übertrieben, aber ich finde grad kein besseres Wort) kam es für mich mit einem hämischen Artikel über eine Konferenz gegen Biotechnologie und Patenten auf Pflanzen. Ich hatte für mein Studium eine Hausarbeit über Biopiraterie geschrieben, also der Aneignung und anschließenden Patentierung alter Kulturpflanzen durch Pharma- oder Lebensmittelunternehmen. Ergo hatte ich zumindest eine Grundlegende Ahnung von dem Thema und war deshalb durchaus erbost über die Häme und Abschätzigkeit, die diesen Fortschrittsfeinden der Konferenz durch den/die Autor*in der GWUP entgegengebracht wurde.

Diese Entrüstung brachte ich in einem Kommentar unter dem Facebook-Post des Artikels zum Ausdruck. Ich bekam eigentlich keine Antwort. Meine Post wurde zwar beantwortet, aber meine geäußerten Kritikpunkte wurden mehrfach übergangen, auch von Personen die nach eigener Aussage zu höheren Kreisen der GWUP gehörten. Kritik war offenbar nicht erwünscht. Und hier wurden mir Parallelen zu den Leuten deutlich, die die GWUP so gerne (und auch zurecht) kritisiert. Ich war extrem enttäuscht und habe mich nicht weiter mit der GWUP beschäftigt.

Wohl aber mit Psiram. Und das war auch der ausschlaggebende Grund diesen Post zu schreiben. In meinem Newsfeed habe ich Psiram weiterhin abonniert und lese von Zeit zu Zeit darin, da sich Psiram weitestgehend (im Gegensatz zur GWUP) mit den Kernfeldern der Skeptiker*innen beschäftigt (Parapsychologie, Übernatürliches, Homöopathie, etc.). Und nun las ich im Psirama-Wochenrückblick (KW 13, 2017), der für Skeptiker interessante Artikel sammelt und zusammenfasst, erst einen Artikel des Tagesspiegels über verschwörungstheoretische und rechte Umtriebe bei Mahnwachen für den Frieden. Ein guter Artikel, der die krude, teils rechte/nationalistische, teils antisemitische Weltsicht dieser Personen widergibt. So weit, so gut. Und etwas weiter drunter? Ein Kommentar von Spiegel Online, der sog. „Schwarze Kanal“ des unter links-ödipalen Anfällen leidenden Schreibers Jan Fleischhauer. Über dessen Probleme mit der Linken, den Linken, links allgemein hätte Freud ein ganzes Buch schreiben können. Überschrift: „Wie man eine Volkswirtschaft ruiniert“. Eine deutschtümelnde Jammerschwarte darüber wie Deutschland (in Personalunion mit seiner Automobilindustrie) von grünversifften Umweltschützer*innen und amerikanischen-/EU-Angsthasen vor dem teutonischen Muskelprotz kleingehalten werden soll. Ich glaube der skeptische Aspekt des Artikels sollte sein, dass Nadelbäume sog. „biogene Emissionen“ freisetzen und damit zur Feinstaubbelastung beitragen.

Das ich scheinbar nicht der Einzige mit so einer Meinung bin, zeigt der etwas ältere Artikel eines ehemaligen Gründungsmitglieds der GWUP, des Soziologen Edgar Wunder.

Ist das der deutsche Skeptizismus von heute? Da glaube ich lieber niemandem mehr irgendwas und verbleibe mit Arkesilaos:

Nichts ist sicher und nicht einmal das ist sicher

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

Drachenhöhleninterna #4 – Long time no see

Still ist es hier geworden seit fast zwei Monaten. Das ist traurig, aber in den letzten Monaten hatte ich extrem viel um die Ohren. Rückkehr aus Berlin, Zurückfinden ins Studium, Reorganisation der Wohnung und dann steht auch noch meine Bachelorarbeit ins Haus.

Das und die ganze andere Ablenkung haben dazu geführt, dass ich das ganze hier habe echt schleifen lassen. Aber das muss und soll und wird nicht so bleiben! Versprochen, aber nächster Woche werde ich meine Arbeit wieder aufnehmen und weitermachen!

Heute mal in diesem Sinne:

Waidmenschsdank!

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Die „Causa Böhmermann“ Oder: Bashing statt Diskurs

Bildquelle

Das Schmähgedicht des, in meinen Augen, Ausnahme-Satirikers Jan Böhmermann  in seiner Sendung Neo Magazin Royal schlägt riesige mediale Wellen. Bis in die hohen Kreise der Bundespolitik erregt es die Gemüter und wirft die Frage auf, ob Satire denn nun wirklich alles darf.

Das Gedicht als solches ist wirklich nur eine Aneinanderreihung von Beleidigungen und Stereotypen. Es ist weder lustig noch gut, aber das will es ja auch nicht sein. Wichtig sind nämlich die Sätze, in die Böhmermann  sein Gedicht einbettete. Sie machen deutlich, DASS es sich wirklich um Satire handelt. Im Gegensatz zum Lied der Satiresendung extra 3, dass die Einbestellung des deutschen Botschafters zur Folge hatte und das sich wirklich mit Missständen auseinandersetzt, ging es hier um die größtmögliche Überspitzung und das triggern möglichst starker Reaktionen. Und nach diesen Maßstäben muss mensch sagen, war Böhmermann sehr erfolgreich Es war so harsch formuliert, dass es die Bundeskanzlerin zu einem Kommentar durch ihren Pressesprecher Seibert veranlasst hat, während sie sich mit keinem Wort zur extra 3-„Affäre“ geäußert hat.

Nicht zu unrecht schreiben viele Medien deshalb der „Causa Böhmermann“ den Charakters eines Offenbarungseides zu. Ein offensichtlicher Versuch der Einflussnahme seitens des türkischen Machthabers im Falle extra 3 löste keine Reaktion oder Kritik des Bundeskanzleramts in Richtung Türkei aus, aber das vollkommen überzogene und in keinem Punkt ernst gemeinte Schmähgedicht führt zu einer Kritik an der Sendung/ihren Machern.  Kaum deutlicher hätte die Kanzlerin ein Scheitern ihrer Politik und eine Erpressbarkeit durch die Türkei deutlicher formulieren können. Die Vorfälle um extra 3 und Neo Magazin Royal haben deutliche politische Sprengkraft und schüren in der Bevölkerung Zweifel an Merkels Handeln.

Aber das ist nur eines der Probleme, die ich mit der ganzen Sache habe, ebenso gravierend finde ich die Verzerrung des Diskurses durch die Geschehnisse. Die Aufmerksamkeit liegt nun bei Böhmermann und der in letzter Zeit so oft gestellten Frage „Darf mensch das?“ und nicht auf den Tatsächlichen Verfehlungen Erdoğans. Und die häufen sich in den letzten Monaten/Jahren. Punkte wie der im extra 3-Lied erwähnte Prunkpalast ohne Baugenehmigung im Naturschutzgebiet, die Aufdeckung von Waffenlieferungen an den sog. „Islamischen Staat“, die daraus resultierte Festnahme von Journalisten der Zeitung Cumhuriyet, sein Vorgehen gegen Demonstrationen am Weltfrauentag, all das sind gute Gründe, sich mit Erdoğan und seiner Politik auseinanderzusetzen. Aber was leider wirklich folgt sind Unterstützungsbekundungen für Böhmermann (in Ordnung!), Trittbrettfahrer-Aktionen wie das Lied Hallervordens (armselig!) und ein allgemeines Bashing gegen Türken und die Türkei. Es scheint, als hätten viele nur drauf gewartet, mal wieder mit  breiter Akzeptanz gegen Türken, die Türkei und in Deutschland lebende Menschen mit türkischen Wurzeln zu hetzen. Dabei zeigen Reaktionen wie die Demonstration in Köln, bei der viele Unterstützer der als „Graue Wölfe“ bekannten faschistischen Milliyetçi Hareket Partisi (MHP, dt: Partei der Nationalistischen Bewegung) in meinen Augen vor allem eins: Das massive, jahrzehntelange Versagen der Integration dieser Menschen von Politik UND Gesellschaft. Diese Menschen „fühlen“ sich nicht als Deutsche, weil „wir“ ihnen fast nie (von Mesut Özil mal abgesehen) das Gefühl geben, zu sein wie wir, gleichberechtigter Teil unserer Gesellschaft zu sein. Natürlichen suchen sie sich dann eine andere Identität und greifen auf ihre Wurzeln zurück! Und warum sie nicht in die Türkei gehen, wenn sie die Türkei so lieben? Weil es dort quasi das gleiche wäre: Sie wären eben keine „echten“ Türken in den Augen ihrer Landsleute. Wahrscheinlich sprechen viele von ihnen nicht mal fließend türkisch, wie es der Kabarettist Serdar Somuncu einmal sagte. Sie sind gefangen zwischen den Welten und wollen einfach nur anerkannt werden. Von wem auch immer. Und Erdoğan gibt ihnen dieses Gefühl! Oft spricht er vor Türken und Türkischstämmigen in Deutschland. Deshalb unterstützen sie ihn und reagieren verärgert auf das Gedicht. Wunder, oh Wunder!

Vielleicht sollten wir einfach mal einen Gang runter schalten! Die Causa Böhmermann ihren rechtlichen und politischen Weg gehen lassen, Böhmermann trotzdem den Rücken stärken, die tatsächlichen Missstände in der Türkei ins Rampenlicht zerren und die deutsche Politik in ihrem Umgang mit Erdoğan kritisieren und einfach die Menschen mit türkischen Wurzeln, die zum Teil schon seit vielen Jahrzehnten in unserem Land leben als das anerkennen, was sie sind: Deutsche! Deutsche mit dem Geschenk einer weiteren Kultur. Schließlich sehen wir auch Friesen und Bayern als Deutsche, obwohl den Sprache und Kultur uns ebenfalls fremd scheint. 

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

 

From the diary of a dragonslayer: Interview with the Darkly Venus Aversa Part 1 – Smirking Revenge

Some time ago I had announced a little special for my blog. And here it is: My first interview with one of the featured bands, Smirking Revenge. The questions were answered by Gabrielle Bordeleau (bass & backing vocals). No long introduction, let the artist speak for herself!

Drachentöter: Describe your band and your style of music. What do you think makes your band special?

Gabrielle Bordeleau: We are a mixture between death, black, nu-metal and forces of nature. What makes us special is that we don’t limit ourselves into a specific style. Our compositions follow our inspirations, and we have no boundaries. The fact that we are all women in the band is also something we don’t see often in metal music, and it brings a feminine and vicious touch.

 

DT: Who did the band come together? What where your intentions?

GB: Roxanne and Joannie (guitarist and drummer) had another project called Aenygmist, an all-female black metal band who war active from 2007 to 2012. The band split up, but both still wanted to play music together. They found Charlotte (our ex-singer) and me after, in 2013. Charlotte left in 2015 to pursue her own projects, and we then met Marie.

Our intentions are to deliver a message throughout our music. We talked about the upsides and downsides of technology in our EP called «Mind Uploading», released in 2014. But we take it to another level with our upcoming album «Magna Mater», that we will be recording soon. Environment will be a big part of the subject. Musically, it is going to be a lot different than the previous EP, because the artistic process is not the same. The EP was more a research for our sound.

 

DT: Who are your musical and non-musical influences? What kind of music do you prefer personally?

GB: We all enjoy nu-metal band, such as Korn, Mudvayne, Slipknot, Kittie, etc. Gojira is also an influence for us.

 

DT: Who writes the songs? Do you work on the song together or who is mostly responsible for it?

GB: Roxanne writes her own parts first, then Joannie writes the drum, I write my bass parts and then Marie put lyrics on it. So we all contribute.

 

DT: What inspires you to do what you do?

GB: Injustice, passion, nature.

 

DT: How does music affect you and the world around you?

GB: I think music is why we all are alive today. Music supported us when we needed it, it understood us and still is today. When the music is good enough to give you chills, it’s a feeling you cannot describe with words. And that is what we live for.

 

DT: How do you promote your band and shows?

GB: Mostly on our facebook page. But we are also on Reverbnation and Bandcamp. There is a website under construction.

 

DT: Describe your shows, visual and musically. Do you have any “special effects”?

GB: We enjoy special makeups. Not necessarily black metal-ish. We like to change them depending of the gig.

 

DT: What’s your opinion of the music industry today?

GB: Well, it has its upsides and downsides. With internet, you can stream anything you want, and it brings more visibility to underground bands. But, there’s so much choice now, so much music to listen to, the question is: where to begin?

Also, playing music for a living is almost impossible, especially in metal. Damn, even bigger names like Deftones have to tour to pay their bills! (Link)

 

DT: What was your best/biggest show? What was the worst one?

GB: Our biggest show was in June 2015 when we played alongside Beyond Creation in Jonquière, Qc. The worst was in Quebec  City November 1st 2014, but it was also the funniest because people were so weird and the place really creepy.  There was also a show in Trois-Rivières, Qc.  when almost nobody showed up.

 

DT: Tell me about your life as a band. How is it to work and play together?

GB: Luckily, we get along really well. We’re not only bandmates, but friends, which is not the case for every band. We share experiences, feelings, joy, sadness, etc.

 

DT: Describe the Extreme Metal subculture of Quebec. Can you tell a difference to the rest of Canada? Do you have experience with the crowd in other countries? What’s the difference there?

GB: It’s a close community. Everybody knows everybody. We only played in Canada so I couldn’t tell the difference between the scene here and somewhere else.

 

DT: How are your connections in the scene? Do you have bands you like to play with? Do you have favorite clubs or festivals?

GB: We’re close with Ordoxe, Insurrection, Spacemak3r, Eternal Judgment, all Quebec-based metal bands. We really enjoyed playing at the Katacombes, Montreal.

 

DT: Do you think it’s a difference, being a female metalhead than being a male one? How

are experiences as individual persons?

GB: Yes, because as a female in a mostly male-composed scene, you have more pressure. For example, if an all-male band didn’t perform well one night, you won’t say «it’s because they’re men». But if something goes wrong during our set, some people will think «it’s because they’re women». We received comments like «you’re good for a women band» too many times. Also, some people tend to judge women more by their looks than by their talent. This is what society tells us.

But, being women can also be an advantage. People are curious, and seeing women in metal is refreshing.

 

DT: Do you think that all-female-bands have more problems with getting known/famous?

GB: It can be an advantage and a disadvantage. People tend to be more judging towards women in metal, but it is also something people would like to see more often.

 

DT: Did you have negative experiences with bookers, promoters or the audience because you are an all-female-band?

GB: Not as a recall. Maybe with some from the audience with sexist comments.

 

DT: What are your plans for the future? Are you working on a new release?

GB: We will soon record our full length «Magna Mater». We wish to release it in August.

 

DT: What are your dreams and goals for your band?

GB: We want to be heard, and we want to share our music with the world!

 

DT: Any last words you want so share?

GB: If you want to reach us, here’s some links:

Smirking Revenge bei facebook

Smirking Revenge bei bandcamp

Smirking Revenge bei twitter

Smirking Revenge bei reverbnation

Smirking Revenge bei Instagram

Smirking Revenge Youtube-Channel

 

Smirking Revenge Email

And rock on! \m/

 

Thanks a lot for the interview!

 

In this sense:

Good hunting!

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Darkly Venus Aversa im Gespräch Teil 1 – Smirking Revenge

Ich hatte ja vor einiger Zeit mal eine kleine Überraschung für meinen Blog angekündigt. Und hier ist es nun: Mein erstes Interview mit einer der von mir vorgestellten Bands, Smirking Revenge. Die Fragen wurden beantwortet von Gabrielle Bordeleau, Bassistin und Back-Vocal-Sängerin.  Keine langen Worte von mir, das Wort hat die Künstlerin!

(aus dem Englischen übersetzt)

Drachentöter: Beschreibt eure Band und euren Musikstil. Was denkt ihr, macht eure Band besonders?

Gabrielle Bordeleau: Wir sind eine Mixtur aus Black, Death, Nu Metal und Naturgewalt. Was uns besonders macht, ist dass wir uns nicht durch einen bestimmten Stil einschränken lassen. Unsere Kompositionen folgen unseren Inspirationen und wir haben keine Fesseln. Das Faktum, dass wir eine Band nur aus Frauen sind ist auch etwas, das mensch selten im Metal findet und das bringt einen femininen und boshaften Touch mit sich.

 

 

DT: Wie hat die Band zusammen gefunden? Was waren eure Ziele/Intentionen?

GB: Roxanne und Joannie (Gitarristin und Schlagzeugerin) hatten ein anderes Projekt namens Aenygmist, eine rein weibliche Black-Metal-Band, die von 2007 bis 2012 aktiv war. Die Band trennte sich, aber beide wollten weiter zusammen Musik machen. Sie fanden Charlotte (unsere Ex-Sängerin) und danach mich, im Jahr 2013. Charlotte verließ 2015 die Gruppe um eigene Projekte zu verfolgen und wir dann trafen Marie.

Unsere Absichten sind eine Botschaft mit unserer Musik zu vermitteln. Wir sprachen über die Vor- und Nachteile von Technologie in unserer EP “Mind Uploading“, veröffentlicht 2014. Aber mit unserem kommenden Album “Magna Mater“, dass wir bald die Aufnahme wird, haben wir das Ganze auf ein neues Level. Die Umwelt wird dabei ein wichtiges Thema sein. Musikalisch wird es wird vieles anders als die vorherigen EP zu sein, weil der künstlerische Prozess ist nicht der Gleiche ist. Die EP diente mehr der Findung eines eigenen Sounds.

 

 

DT: Was sind eure musikalischen und anderweitigen Einflüsse? Welche Musikgenres bevorzugt ihr personlich?

GB: Wir alle hören gerne Nu Metal Bands wie Korn, Mudvayne, Slipknot, Kitte, etc. Auch die Band Gojira ist ebenfalls einflussreich für uns.

 

 

DT: Wer schreibt bei euch die Songs? Arbeitet ihr alle zusammen oder wer ist hauptsächlich verantwortlich?

GB: Zuerst schreibt Roxanne (Gitarre) ihre eigenen Parts, dann Joannie ihr Drumming, ich schreibe meine Bass Parts und dann fügt Marie ihre Texte hinzu. So tragen wir alle etwas bei.

 

 

DT: Was inspiriert euch zu dem was ihr tut?

GB: Ungerechtigkeit, Leidenschaft, Natur.

 

 

DT: Wie beeinflusst die Musik euch und eure Umwelt?

GB: Ich denke, Musik ist der Grund, warum wir alle heute noch am Leben sind. Musik unterstützte uns, als wir es brauchten, sie hat uns verstanden und tut es auch heute noch. Wenn die Musik so gut ist, dass du erschauderst, ist das ein Gefühl, das mensch mit Worten nicht beschreiben kann. Und dafür leben wir!

 

 

DT: Wie bewerbt ihr eure Band und eure Auftritte?

GB: Meistens über unsere Facebook-Seite. Aber wir sind auch auf Reverbnation und Bandcamp. Eine Website befindet sich im Aufbau.

 

 

DT: Beschreibt eure Show visuell und musikalisch. Nutzt ihr bestimmte “special effects”?

GB: Wir lieben besondere Makeups. Nicht unbedingt solche im Black-Metal-Stil. Wir verändern sie gerne abhängig vom Gig.

 

 

DT: Was ist eure Meinung über die heutige Musikindustrie?

GB: Nun, sie hat ihre Vor- und Nachteile. Mit Internet kannst du alles, was du willst streamen und das erhöht die Sichtbarkeit von Underground-Bands. Aber es gibt jetzt so viel Auswahl, so viel Musik zum Hören, die Frage ist: Wo soll mensch anfangen?

Auch mit Musik den Lebensunterhalt verdienen, ist fast unmöglich, vor allem im Metall. Verdammt, sogar größeren Nummern wie Deftones müssen touren, nur um ihre Rechnungen zu bezahlen! (Link)

 

 

DT: Was eure größte/beste Show? Was war die schlimmste?

GB: Unsere größte Show war im Juni, als wir mit Beyond Creation in Jonquière, Quebec, aufgetreten sind. Die schlimmste war in Quebec City am 1. November 2014, aber es war auch die lustigste Show, weil die Leute so schräg waren und die Lokation echt gruselig. Dann gab es auch eine Show in Trois-Rivières, wo fast niemand gekommen ist.

 

 

DT: Erzählt über euer Leben als Band. Wie ist es zusammen zu arbeiten und zu spielen?

GB: Wir kommen zum Glück wirklich gut miteinander aus. Wir sind nicht nur Bandkolleginnen, sondern Freundinnen, was nicht für jede Band der Fall ist. Wir teilen Erfahrungen, Gefühle, Freude, Trauer usw.

 

 

DT: Beschreibt die Extrem Metal Subkultur in Quebec. Gibt es einen Unterschied zum Rest Kanadas? Habt ihr Erfahrung mit Publikum anderswo? Was ist da der Unterschied?

GB: Es ist eine enge Gemeinschaft. Jeder kennt jeden. Wir haben bisher nur in Kanada gespielt, daher kann ich über die Unterschied zwischen der Szene hier und woanders nichts sagen.

 

 

DT: Wie sind eure Verbindungen zur Szene? Habt ihr Bands, mit denen ihr besonders gerne auftretet? Habt ihr Lieblingsclubs oder –Festivals?

GB: Wir haben engen Kontakt zu Ordoxe, Insurrection, Spacemak3r, Eternal Judgment, alles Metal Bands aus Quebec. Wir spielen wirklich gerne im Katacombes in Montreal.

 

 

DT: Denkt ihr, dass es einen Unterschied gibt, wenn mensch ein weiblicher und kein männlicher Metalhead ist? Was sind eure individuellen Erfahrungen?

GB: Ja, denn als Frau in einer männlichen komponierten Szene, hast du viel mehr Druck. Zum Beispiel, wenn eine rein männliche Band an einem Abend keine gute Show abliefert, wird mensch nicht sagen, „das kommt, weil es Männer sind“. Aber wenn während unseres Sets etwas schief geht, werden einige Leute denken, „das kommt, weil es Frauen sind“. Wir kriegen zu oft Kommentare wie „ihr seid gut für ein Frauen-Band“. Auch neigen einige Menschen Frauen nach ihrem Aussehen zu beurteilen, als durch ihr Talent. Das ist das, was uns die Gesellschaft lehrt.

Aber es auch ein Vorteil sein, eine Frau zu sein. Die Menschen sind neugierig und Frauen im Metall zu sehen, ist erfrischend.

 

 

DT: Glaubt ihr, dass es rein weibliche Bands schwerer haben, bekannt oder berühmt zu werden?

GB: Es kann ein Vorteil und ein Nachteil sein. Menschen neigen dazu, gegenüber Frauen in Metall wesentlich kritischer zu sein, aber es ist auch etwas das manche Leute gerne öfter sehen wollen.

 

 

DT: Hattet ihr schlechte Erfahrungen mit Booker*innen, Promoter*innen oder dem Publikum, weil ihr eine rein weibliche Band seit?

GB: Nicht soweit ich mich erinnern kann. Vielleicht mit einigen Leuten aus dem Publikum, die sexistische Kommentare von sich gegeben haben-

 

 

DT: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Arbeitet ihr an einer neuen Veröffentlichung?

GB: Wir werden bald unser full-length Album «Magna Mater» aufzunehmen. Wir möchten es im August veröffentlichen.

 

 

DT: Was sind eure Träume und Ziele für die Band?

Wir wollen gehört werden und wir möchten unsere Musik mit der Welt teilen!

 

 

DT: Letzte Worte, die ihr teilen möchtet?

GB: Wenn ihr uns erreichen möchtet, hier ein paar Links

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Und rock weiter! \m/

 

Ich danke der Band herzlich für das Interview!

 

In diesem Sinne:

Weidmenschheil

Aus dem Tagebuch eines Drachentöters: Kultur im Archiv. Oder: Das Aufbewahren der Asche?

 

Aktuell bin ich Berlin und mache ein Praktikum im Rahmen meines Studiums. Ich bin hierhergekommen, um an einem Ort zu arbeiten, der so in Deutschland einzigartig sein dürfte: Dem Archiv der Jugendkulturen (AdJ). Da Archiv ist ein im Jahr 1997 unter anderem vom Jugendkulturforscher Klaus Farin gegründeter eingetragener Verein (e.V.), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Material aus und über Jugendkulturen zu sammeln, aufzubereiten, zu erforschen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Es erhebt dabei den Anspruch, eine von Werturteilen freie, dennoch kritische und differenzierte Auseinandersetzung mit Jugendkulturen und Szenen zu ermöglichen. Das AdJ ist quasi das Gedächtnis deutscher und internationaler Subkulturen.

Aber was tut das Archiv im genauen und warum ist diese Arbeit in meinen Augen so unglaublich wichtig? Das Kernstück des AdJ ist auf jeden Fall die Bibliothek/Sammlung. Der Bibliotheksbestand umfasst über 8000 Bücher und Broschüren, mehr als 40.000 Fanzines, Zeitschriften, Zeitungen, 600 Magister- und Diplomarbeiten, über 7.000 CDs, LPs, MCs, DVDs und Videos sowie zehntausende Zeitungsartikel, Poster und Flyer aus allen erdenklichen Jugendkulturen. Die thematischen Bereiche erstrecken sich von Skateboarding über Science Fiction, Fußball, Comic, Skinheads, Punk, Rap/Hiphop, Graffiti, Techno bis hin zu Heavy Metal oder Gothic. Auch der Bereich der Popkultur wird ebenfalls erfasst. Ein Großteil dieser Sammlung ist für die Öffentlichkeit jederzeit in der Präsenzbibliothek einsehbar. Natürlich bemühen sich die Mitarbeiter*innen, die Bestände immer zu erweitern und auf einem möglichst aktuellen Stand zu halten. Neben eigenen Einkäufen lebt das Archiv von Spenden und Nachlässen von anderen Archiven oder privaten Sammlungen. So wurde vor kurzem der Bestand des aufgelösten Berliner Rock- und Pop-Archiv, das versuchte die West- und Ostberliner Musikgeschichte seit 1958 zu dokumentieren, aufgenommen und eingepflegt.

Ein besonderes Augenmerk wird bei dieser Arbeit auf das Sammeln sogenannter „Fanzines“ gelegt, also aus der entsprechenden Szene heraus oft in Eigenarbeit verlegte nicht-professionelle Erzeugnisse. In diesem Bereich ist besonders die Sammlung von deutschen Punk-Fanzines hervorzuheben, die das Wirken der Szene von ihrem Beginn Ende der 1970er Jahre protokollieren. Die hier zusammengetragenen Bestände dürften in dieser Größe deutschlandweit einzigartig sein. Ein starker Fokus liegt natürlich auch auf der Stadt Berlin und ihrer Subkulturgeschichte. Dies ist nicht der Lage des Archivs geschuldet, sondern auch dem besonderen historischen Status der Stadt Berlin in der Zeit der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands, die viel Freiraum für die Entfaltung der Szenen bot. 

Neben dem reinen Zurverfügungstellen dieser Materialien werden diese natürlich auch zu wissenschaftlichen Zwecken und Projekten genutzt. Die Ausstellung „Der zweite Blick„, die sich mit verschiedenen Szenen und deren Aspekten beschäftigt, zieht zurzeit als Wanderausstellung  durch viele Stationen im gesamten Bundesgebiet. Weitere aktuelle Projekte sind unter anderem das „Berliner Pop- und Subkulturarchiv„, das seinen Fokus auf den besonderen Umstands Berlins richtet, sowie die „Diversity Box„, die sich mit Homo- und Transfeindlichkeit Kontext von Jugendkulturen und der Gesamtgesellschaft befasst. Ein weiteres, dauerhaftes, Projekt ist das „Graffitiarchiv„, welches sich sich seit 2009 den Themen Graffiti und Streetart widmet. Dabei geht es um politische Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Organisation von Graffiti-Workshops, bei denen Jugendlichen der (legale) Umgang mit Streetart nahe gebracht wird.  Es wird also deutlich, dass das AdJ mehr ist, als ein Ort an dem Vergangenes bewahrt wird. Natürlich werden die Bestände genutzt um historisch zu arbeiten, aber es ist auch das Ansinnen der Mitarbeiter*innen den aktuellen Jugendkulturen und ihren Entwicklungen auf der Spur zu bleiben. Zu dem Zweck werden auch aktuelle Publikationen aus den Szenen bezogen und inhaltlich erfasst.

Das Archiv arbeitet zum einen natürlich selbst wissenschaftlich, aber es bietet auch Schüler*innen, Student*innen, Journalist*innen und Wissenschaftler*innen den Bestand an, um aus den Quellen Inhalte für eigene Arbeiten zu ziehen. Einige dieser Abschlussarbeiten werden wiederum in die Bibliothek des Archivs aufgenommen und stehen somit der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung.

Doch es ist leider alles andere als eitel Sonnenschein! Das Führen eines Archivs und eines Vereins kostet Geld. Auch die Mitarbeiter wollen bezahlt werden, auch wenn viele aus Idealismus bei der Sache sind. Einen Teil des Auskommens  bestreitet das Archiv aus den Mitgliedsbeiträgen des (Förder)Vereins, weitere Mittel müssen mühsam bei Stiftungen und Fördermitteln von Stadt, Bund und anderen privaten Organisation organisiert werden. Dies ist oft eine Zitterpartie, da sich viele Antragssteller*innen um nicht-wachsende Töpfe streiten. Oft können Mitarbeiter nur für den Zeitraum eines Projekts beschäftigt und bezahlt werden. Archivarisches Arbeiten und Forschen ist nicht billig!

Für seinen Stellenwert und Bedeutung für die einzelnen Szenen ist das Archiv der Jugendkulturen leider erstaunlich unbekannt. Dabei wird hier quasi das Gedächtnis ganzer Generationen von Punks, Skins, Hiphopper oder Waver aufbewahrt. Wer WIRKLICH was über den Ursprung der eigenen Szene erfahren will und sich nicht mit fragwürdigen Wikipediaartikeln zufrieden gibt, der sollte das Archiv nutzen und unterstützen. Es lohnt sich! Kann doch die Asche der Geschichte durchaus den Funken enthalten, der ein Feuer zum Lodern bringt.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!

Blog des AdJ

Website des Archivs der Jugendkulturen

Das AdJ bei Facebook

Unterstütze das Archiv!

Drachenhöhlen-Interna #3: Es geht voran!

Wow, das geht hier ja wirklich Schlag auf Schlag! Der Blog entwickelt sich für mich grade in einer Weise, die ich kaum zu hoffen gewagt hatte. Ich könnte täglich was posten und muss mich wirklich sehr zurückhalten, weil ich ja langfristig gesehen auch Material brauche, um etwas anbieten zu können.

Zur Darkly Venus Aversa (DVA)-Reihe kann ich nur sagen: Es sieht sehr gut aus! Ich hab einiges an Material für die Zukunft. Und vielleicht steht bald meine persönliche erste kleine Sensation an ;).

Wie es weiter geht?

  1. Ich werde versuchen, zwei Mal die Woche eine Folge von DVA zu veröffentlichen, je nachdem, wie mein sonstiges Arbeitspensum aussieht.
  2. Ich möchte in Zukunft alle Artikel aus dem Bereich Musik (u.a. DVA) zweisprachig rausbringen. Einfach um es mehr Leuten zugänglich zu machen und vielleicht auch mehr zu erreichen. Nachdem Teil 3 bzw. Part 3 heute erschienen ist, liegt mein Augenmerk darauf, die bisherigen Nummern zu übersetzen. Da ich kein Fachmann des Englischen bin, kann das etwas dauern, je nachdem ob ich schnell Lektoren finde
  3. Die Male, White and Privileged-Reihe werde ich nicht regelmäßig veröffentlichen, da ich nicht sicher bin, immer ein geeignetes Thema zu finden, über das ich schreiben kann.
  4. Es kommen auch weiter sonstige Posts, die einfach wiedergeben, was mir so in den Sinn kommt. Morgen kommt zum Beispiel was aus der Kategorie. Ich werde schauen, dass ich neben DVA 1-2 andere Posts die Woche schaffe

 

Und sonst? Ich nehme immer gerne Vorschläge für Bands an, die ich besprechen kann. Die Kriterien: Zum Zeitpunkt des Blogs keine festen männlichen Bandmitglieder (außer zeitlich begrenzte Studio- oder Liveunterstützung), relativ unbekannt, aus dem Extrem Metal Sektor (Black, Doom, Death, gerne auch Core) und am besten auch noch aktiv.

Das wärs auch schon.

In diesem Sinne:

Weidmenschsheil!